Bayerns Basketballer schalten in riskanten Ruhemodus

Bayerns Basketballer verspielen beim 81:78 gegen Ludwigsburg fast ihre beiden Matchbälle fürs Finale. "Wir waren nah dran am Desaster."
| Julian Buhl
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Hat mit Bayern nun zwei Matchbälle fürs Finale: Jalen Reynolds (l.).
Hat mit Bayern nun zwei Matchbälle fürs Finale: Jalen Reynolds (l.). © picture alliance/dpa

München - Andrea Trinchieri hatte sich seines Designeranzugs bereits entledigt, sich etwas frischgemacht und erschien in kurzen Trainingshosen und Polo-Shirt zur Pressekonferenz. Dieser Garderobenwechsel war offenbar dringend nötig. Denn die Basketballer des FC Bayern hatten ihren Trainer in der Schlussphase des 81:78-Erfolgs gegen Ludwigsburg noch einmal mächtig ins Schwitzen gebracht.

Aber auch Trinchieris wildes Gestikulieren und seine bis auf die leeren Zuschauerränge deutlich zu vernehmenden und durchdringenden Rufe an der Seitenlinie hatten den Negativlauf seiner Mannschaft am Ende der Partie einfach nicht mehr stoppen können. Die Bayern, die sich fünf Minuten vor der Schlusssirene eigentlich bereits einen komfortablen Zehnpunkte-Vorsprung (68:58) erspielt hatten, machten sich das Leben plötzlich selbst wieder schwer. Gleich reihenweise leisteten sie sich vergebene Würfe, Ballverluste und weitere Unkonzentriertheiten. Und ließen die Gäste bei zehn Sekunden auf der Uhr noch einmal bis auf einen Zähler (78:79) herankommen.

Bayern kann Auswärts-Coup von Ludwigsburg verhindern

"In den letzten drei Minuten wollten wir den Schalter in den Ruhemodus umlegen und Abkürzungen nehmen", analysierte Trinchieri, "aber speziell gegen ein Team, das so hart und physisch spielt wie Ludwigsburg, kannst du ein Desaster hinlegen, wenn du in den Economy-Modus übergehst. Da waren wir nah dran." Bayerns riskanter Ruhemodus. Es fehlte in den Schlusssekunden nämlich wirklich nicht viel zum möglichen Auswärts-Coup der Ludwigsburger.

Wäre der tatsächlich gelungen, hätten die Münchner plötzlich zwei Matchbälle gegen sich gehabt. So führen sie in der Best-of-five-Halbfinalserie nun selbst mit 2:1 und könnten mit einem weiteren Heimsieg bereits am Freitag (20.30 Uhr) das Ticket für die Finalspiele um die deutsche Meisterschaft buchen. Wirklich erklären konnte Trinchieri den Aussetzer seiner Mannschaft aber nicht. "Als ob du den Stecker ziehst und ohne Software spielst; dann hast du keine Ahnung, was du tust", sagte er und suchte die Schuld bei sich: "Es ist meine Verantwortung. Das muss ich besser managen."

Leon Radosevic kam die Dramatik durchaus bekannt vor. "Wir spielen ja so schon die ganze Saison, die letzten fünf Minuten sind immer ein Krimi. Wir sind das gewohnt und am Ende ist das wieder gut für uns gelaufen", sagte der Center: "Unser größtes Problem ist, dass wir häufig aufhören zu spielen, wenn wir zehn Punkte vorne sind, weil wir denken, dass es vorbei ist", ergänzte er, "da fehlt uns dann irgendwie der Hunger. Aber das darf eigentlich nicht sein."

85. Saisonspiel: Bayern am Ende der Kräfte

Ähnliches hatte auch Trinchieri beobachtet: "Wir haben gedacht: Okay, wir haben gewonnen - aber mit Ludwigsburg kannst du das nicht machen. So haben wir sehr viel riskiert. Denn sie werden immer daran glauben, gewinnen zu können." Das gilt auch und vor allem für Spiel vier. Chefcoach John Patrick, sich mit seinen Riesen als souveräner Hauptrundenchampion für die Playoffs qualifiziert hatte, kündigte freilich an, dabei noch einmal alle Kräfte mobilisieren zu wollen, um ein entscheidendes fünftes Duell am Sonntag in Ludwigsburg zu erzwingen.

Die Energiereserven sieht er allerdings auf beiden Seiten bereits fast aufgebraucht. "Bayern hat heute das 85. Spiel gehabt, sie sind mehr als ein bisschen müde", sagte der US-Amerikaner, "wir sind sehr müde mit einer kurzen Rotation." Sein Team hat zwar nur knapp die Hälfte an Pflichtspielen absolviert, allerdings auch einen schmaleren Kader, der an die hohe Intensität der Playoffs und deren Zwei-Tage-Spielrhythmus nicht gewöhnt ist. "Beide Mannschaften haben viel Herz gezeigt", sagte Patrick: "Jetzt zählt nur noch, wer es etwas mehr will."

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