Anton Gavel: Bayerns Duracell-Häschen an der Seitenlinie
Der schwarze Gürtel von Anton Gavels Anzughose hat an diesem Abend seine liebe Müh und Not mit seinem "Hosenträger".
Selbst zwischen zwei Freiwürfen, wenn sich auf dem Spielfeld wirklich allzu viel tut, springt Gavel wild gestikulierend an der Seitenlinie entlang, dass die Krawatte nur so wedelt. Dann ruft er irgendwas in den Lärm hinein und reißt dabei die Arme so wild gen Hallendecke, dass der arme Gürtel das schicke weiße Hemd kaum noch halten kann. Da steht wohl einer unter Strom. Gavel - Blitz und Donner zugleich.
Bayern-Bosse erwarten Titel, Titel und langes Verweilen in der Euroleague
Kein Wunder: Schließlich haben ihm seine Bosse unlängst zu verstehen gegeben, was sie vom neuen Trainer erwarten: Titel, Titel und möglichst langes Verweilen in der Euroleague.
Prompt sind die Basketballer des FC Bayern mit einem Donnerhall in die Saison gestartet, die ja so unbedingt erfolgreicher werden soll als die vergangene, als der Meistertitel nach Berlin (zu Alba) und der Pokal nach Bamberg gingen. Ausgerechnet diese beiden Teams stehen als erste Gegner im Bundesliga-Spielplan der Bayern.
FC Bayern feiert Kantersieg gegen Bamberg
Nummer eins, das Team aus Bamberg, wurde am Sonntagabend im BMW Park schon mal ordentlich vermöbelt: Vier Minuten und 23 Sekunden waren noch zu spielen, als Andreas Obst die Hunderter-Marke knackte. Der 108:72-Kantersieg des hochhaushohen Meisterschaftsfavoriten hatte sich schon nach wenigen Spielminuten abgezeichnet, sodass die Fans rechtzeitig vor dem 100. Punkt ihr Lied anstimmten und sich kollektiv erhoben: "Steht auf, wenn ihr Bayern seid!"
Nur 4.200 Besucher waren gekommen: weit weg von ausverkauft. Aber dafür war das Wetter einfach zu spätsommerlich-bilderbuchartig, und Wiesn ist ja auch noch. . .
"Es macht Spaß, zu spielen, und sicher macht es auch Spaß, zuzuschauen"
Wer nicht da war, hat beim nie gefährdeten Auftakttriumph einiges verpasst: ein intensives, beinahe atemloses Hin und Her, bei dem zu keinem Zeitpunkt der Ball gemütlich nach vorne getragen wurde. Oscar da Silva fasste den Saisonauftakt so zusammen: "Es macht Spaß, zu spielen, und sicher macht es auch Spaß, zuzuschauen. Denn wir spielen schnellen Basketball mit viel Energie und Einsatz."
Wohl wahr. Auch der Mann, der für diese neue Atemlosigkeit steht, war gut auszumachen: Anton Gavel, das Duracell-Häschen an der Seitenlinie. Schon als Spieler (2009 bis 2014 in Bamberg und danach noch für vier Jahre beim FC Bayern) war der im slowakischen Kosice geborene 41-Jährige ein Treibauf mit scheinbar unbegrenzter Energie.
Bayern muss am Donnerstag nach Tel Aviv
Die steht ihm offenbar auch noch als Trainer zur Verfügung, wovon zunächst Ulm (2022-24), dann Bamberg (2024-26) und nun im besten Fall der FC Bayern profitieren. Dass der Abschied des begehrten Coaches aus Bamberg nicht ganz geräuscharm über die Bühne ging, stellte er nach der Partie auf die Frage eines fränkischen Reporters nicht in Abrede, mochte das Thema aber wie schon in den Tagen vor dem Saisonbeginn nicht weiter vertiefen. Der Sport zählt, eh klar.
Nach dem Erfolg, als das Adrenalin so langsam aus seinem Körper zu weichen begann, zeigte er sich mit dem Auftritt seines neu formierten Teams (mit Rokas Jokubaitis, Miles Norris und Austin Wiley) durchaus zufrieden. "Wir haben in der ersten Halbzeit den Grundstein gelegt für den Sieg, indem wir in beiden Vierteln nur 13 beziehungsweise 15 Punkte erlaubt haben. Es war wichtig, dass wir diesem Spiel defensiv unseren Stempel aufdrückten. Auch die 26 Assists und 20 Offensivrebounds waren sehr positiv", sagte Gavel: "Wir sind also sehr froh, dass wir in die Bundesliga mit einem Sieg starten konnten. Aber es geht am Donnerstag bei Hapoel Tel Aviv sofort weiter, und dann ist es ein Marathon."
Was aber wohl jedem Spieler klar sein wird: Das Energiebündel an der Seitenlinie wird in dieser Saison keine Sekunde akzeptieren, in der ein Bayern-Spieler nicht zu mindestens hundert Prozent bei der Sache ist.
- Themen:
- BMW
- Oktoberfest
