Zwei aus drei: Kompany muss eine wichtige Abwehr-Entscheidung treffen
Die Bayern-Stars wirkten ziemlich abgekämpft, als sie durch die stickigen Katakomben des Pariser Prinzenparks liefen, diese denkwürdige Fußballschlacht beim 4:5 gegen Paris Saint-Germain hatte ihre Spuren hinterlassen. Doch gleichzeitig ging ihr Blick voraus: Im Rückspiel am Mittwoch in der Allianz Arena soll ein großes Comeback gegen den Titelverteidiger gelingen, das bayerische Selbstvertrauen ist durch diese Niederlage nicht kleiner geworden. Im Gegenteil.
FC Bayern glaubt ans Comeback
"Jeder in der Kabine hat diesen Glauben, hat dieses Gefühl, hat dieses Selbstvertrauen, dass wir zu Hause Paris schlagen können", sagte Joshua Kimmich. Und dessen Mittelfeldpartner Aleksandar Pavlovic, in roten Bayern-Badelatschen und mit müden Augen, meinte: "Wir hätten mindestens ein Unentschieden verdient gehabt, wenn nicht sogar einen Sieg. Aber wir können im Rückspiel auf unsere Leistung aufbauen und es mit unseren Fans zu Hause schaffen."

Dafür muss die Defensive allerdings besser funktionieren als am Dienstagabend - und damit ist nicht nur die Viererkette gemeint. Auch die Sechser Kimmich und Pavlovic hatten ihre Probleme, das Umschaltspiel der Franzosen zu stoppen. "Natürlich müssen wir auf die Konterabsicherung ein bisschen mehr aufpassen", brachte es Pavlovic auf den Punkt.
Probleme auf den Außenbahnen
In der ersten Halbzeit hatte zudem Josip Stanisic auf seiner rechten Seite Schwierigkeiten, den famosen Straßenfußballer Khvicha Kvaratskhelia aufzuhalten. Diese Finten, dieser Drang zum Tor, dieser Abschluss - nicht ohne Grund wird der PSG-Star, der wie Maradona einst in Neapel spielte, "Kvaradona" genannt. Doch Stanisic stand teilweise auch zu hoch, genauso wie Konrad Laimer in der zweiten Halbzeit auf der linken Seite. Dadurch wurde es der Pariser Flanke um Achraf Hakimi und Desiré Doué zu leicht gemacht.

Eine Diskussion über die risikoreiche Spielweise wollte Max Eberl nach der Partie aber gar nicht erst aufkommen lassen. "Warum sind wir hier? Weil wir bisher so Fußball gespielt haben. Und jetzt auf einmal das ganze Spiel zu ändern, das wäre völlig absurd", sagte Bayerns Sportdirektor. Dennoch seien für das Rückspiel "Anpassungen" notwendig. Zweifellos. Sonst wird PSG, die beste Kontermannschaft neben Real Madrid, die Lücken erneut nutzen.
Ein Spiel ohne Mittelfeld
"Es gab lauter Zweikämpfe im Mittelfeld. Und wer den Zweikampf gewann, war danach automatisch bis zum Tor durch und hatte eine 100-prozentige Torchance", analysierte Prime-Experte Mats Hummels. Dessen Weltmeister-Kollege Christoph Kramer stimmte zu: "Ich habe noch nie zuvor ein Spiel gesehen, in dem es gefühlt kein Mittelfeld gab. Beide Mannschaften pressen extrem hoch. Dahinter entsteht ein riesiges Loch."
Davies als Tempo-Faktor
Umso wichtiger ist es, dass man schnelle Spieler auf dem Platz hat, die Fehler dank ihrer Geschwindigkeit wieder ausbügeln können - wie Alphonso Davies. Der Kanadier verursachte zwar den unglücklichen Handelfmeter vor dem 2:3, davon abgesehen spielte er aber ordentlich, sah gegen Hakimi und Doué gut aus.

Die Frage lautet nun: Wie stellt Kompany im Rückspiel auf? Davies dürfte aufgrund seines Tempos erneut in der Startelf stehen, rechts kann Kompany zwischen Stanisic und Laimer wählen. Oder bleibt Davies zunächst auf der Bank und kommt erst als Joker? Das war nämlich ebenfalls auffällig in Paris: Bayern konnte von der Bank nur wenig Qualität nachlegen. Die Hoffnung: Lennart Karl und Tom Bischof sollen - wenn möglich - am Mittwoch wieder in den Kader rücken.

