WM-Finale bayerisch geprägt: Mandzukic und Co. fordern Frankreich

Mario Mandzukic, Kroatiens "Mentalitätsmonster", führt sein Team ins WM-Finale gegen Frankreich. "Nur große Mannschaften sind so tapfer", sagt der Torheld. Das Endspiel in Moskau ist nun sogar bayerisch geprägt.
| Maximilian Koch
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Die kroatischen Mentalitätsmonster Ante Rebic, Mario Mandzukic und Co-Trainer Ivica Olic gegen den französischen Topjoker Corentin Tolisso.
firo/Augenklick, Thanassis Stavrakis/AP/dpa, Christian Charisius/dpa (2) Die kroatischen Mentalitätsmonster Ante Rebic, Mario Mandzukic und Co-Trainer Ivica Olic gegen den französischen Topjoker Corentin Tolisso.

Moskau/München - Der Knall, der Schmerz – die Reaktion: Wenn es eine Szene gibt bei dieser Weltmeisterschaft, die das Märchen der Kroaten begründet, die diesen von unbedingtem Willen gekennzeichneten Weg bis ins Finale gegen Frankreich am Sonntag (17 Uhr, ZDF und im AZ-Liveticker) beschreibt, dann ist es jene in der Verlängerung gegen England, kurz vor dem entscheidenden Tor zum 2:1.

Mario Mandzukic (32), der Ex-Bayern-Profi, prallt mit England-Keeper Jordan Pickford zusammen, er krümmt sich vor Schmerzen am Boden. Aber aufgeben? Keine Option! Und so richtet sich Mandzukic wieder auf, er humpelt, sein Körper erlaubt ihm noch eine Aktion, um zum Helden zu werden. Ein Linksschuss ins Eck, ins Glück der Kroaten, ins Herz der Engländer. Und der erstmalige Einzug in ein WM-Endspiel ist perfekt. (Sehen Sie hier: So tanzt das kroatische Team)

"Wir haben wie Löwen gespielt", sagt Mandzukic später, "und wir werden genauso im Finale auftreten. Nur große Mannschaften sind so tapfer, wie wir es waren." Es ist ein typischer Mandzukic, der für grenzenlose Begeisterung in Kroatien und auch in München sorgt, wo zehntausende Fans den größten Erfolg ihrer Fußballgeschichte bis tief in die Nacht auf den Straßen feiern.

Dieter Hoeneß: "Mandzukic ist ein Mentalitätsmonster"

Der Stürmer wird über 120 Minuten attackiert, bekämpft, verwundet. Aber kein Gegner kann ihm seinen Siegeswillen nehmen. "Über Mario Mandzukic braucht man eigentlich nichts sagen", erklärt der frühere Bayern-Stürmer Dieter Hoeneß im Gespräch mit der AZ: "Er ist ein Mentalitätsmonster, eine Bestie – im positiven Sinne natürlich."

Laut Hoeneß hätten sich andere Spieler nach dem Crash mit Pickford "vom Platz tragen lassen", aber nicht so Mandzukic: "Genau das macht seine Mentalität aus. Als Team kann man sich glücklich schätzen, wenn man einen solchen Spieler hat."

Die Bayern hatten diesen Spieler ja mal. Von 2012 bis 2014 spielte Mandzukic für die Münchner, er gehörte zur Triple-Mannschaft, ehe er nach einem Streit mit Pep Guardiola zu Juventus Turin flüchtete. Man hat einen wie Mandzukic seitdem in vielen Spielen vermisst, einen Typen, der sich gegen alle Widerstände stemmt, wie aussichtslos die Situation auch sein mag. (Lesen Sie auch: Mandzukic zeigt Lewandowski, wie es wirklich geht)

Ivica Olic: "Rebic ist einer für Bayern"

Das kroatische Team, das nun sogar die Legenden-Mannschaft von 1998 übertroffen hat, die bei der WM in Frankreich Dritter geworden war, verfügt über mehrere solcher Kämpfer wie Mandzukic. Ivica Olic zum Beispiel, der auch mal sehr erfolgreich für den FC Bayern sowie etwas weniger erfolgreich für den TSV 1860 spielte und inzwischen als Co-Trainer der Kroaten den Einsatzwillen überwacht.

Oder Luka Modric, den Spielmacher von Real Madrid. Oder Ivan Perisic und Ivan Rakitic. Oder ihn: Ante Rebic. Der 24-jährige Angreifer von Eintracht Frankfurt lieferte gegen England abermals eine beeindruckende Leistung, die Topklubs stehen Schlange bei ihm, wohl auch der FC Bayern.

Der neue Münchner Coach Niko Kovac habe Rebic in seiner Zeit bei der Eintracht "auf die Bühne gehoben", sagte Co-Trainer Olic der "Bild" und ergänzte: "Er ist einer für die Bayern. Ich würde mich freuen, wenn neben einem kroatischen Trainer auch wieder ein kroatischer Spieler für die Bayern spielt."

Dieter Hoeneß setzt im WM-Finale auf Frankreich

Abwarten. Das Finale ist in jedem Fall zu einem kleinen Teil bayerisch geprägt, dank Olic, Mandzukic – und Corentin Tolisso, der mit Frankreich als großer Favorit in die Partie geht. Das sieht auch Dieter Hoeneß so, der von einem Sieg der Franzosen am Sonntag ausgeht.

"Die Kroaten haben auf zwei, drei Positionen Schwachstellen, Frankreich ist in der Breite besser aufgestellt", sagt er. "Und man darf auch nicht vergessen, dass Kroatien in der K.o.-Runde dreimal in die Verlängerung musste. Das geht an die Substanz."

Egal wie dieses Endspiel ausgeht: Helden sind die Kroaten in der Heimat schon jetzt. "Es ist das feurige Wunder", schrieb die Zeitung "Jutarnji list", das Boulevardblatt "24sata" forderte: "Weint, umarmt Euch, feiert!" Die Fans in der Heimat erleuchteten den Nachthimmel der Hauptstadt Zagreb mit roten Feuerfackeln. Im Finale brauchen die Kroaten ein weiteres Wunder – und die gleiche Leidenschaft, die Trainer Zlatko Dalic so beschrieb: "Einige haben auf einem Bein gespielt. Das zeigt Charakter. Keiner gab auf."

Die Kroaten müssen noch einmal wie die Löwen spielen, wie Bestien. Wie Mandzukic eben.

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