"Wirklich schwer zu verkraften": Gegen Real will Bayern seine bestialische Rolle zurück

Bayern gegen Real. Spätestens seit Mittwochabend, seit die Paarung im Champions-League-Viertelfinale feststeht, seit die Termine für die beiden Duelle der europäischen Schwergewichte von der Uefa festgelegt wurden, sind zwei Vereine elektrifiziert.
Bayern gegen Real. Eine Zündschnur hier, eine dort. Bei beiden ist der erste Funke übergesprungen.
Bayern gegen Real: Das Hassliebe-Duell mit Stierkampf-Atmo
Bayern gegen Real, dieser "Clásico Europeo" wie man in Spanien sagt, das ist wie bei einer unerfüllten Jugendliebe. Die Sehnsucht ist nie erloschen, die Anziehungskraft ungebrochen. Man kann nicht miteinander, aber auch nicht ohne den anderen. Und wenn man sich sieht, dann knallt es. Schmetterlinge im Bauch, Messer in den Schienbeinschonern. Ende 1976 begegnete man sich das erste Mal, vor ziemlich genau 50 Jahren.
"Real Madrid ist das Nonplusultra des europäischen Fußballs", sagt Bayerns Vereinspatron Uli Hoeneß stets. Der Rekord-Champion des wichtigsten europäischen Wettbewerbs mit 15 Titeln gegen das Nonplusultra des deutschen Fußballs, dekoriert mit sechs Henkelpötten – wie der FC Liverpool. Nur die AC Mailand hat mit sieben einen mehr.
Bayern gegen Real. Das Hassliebe-Duell mit Stierkampf-Atmo geht in seine Auflage Nummer 31 und 32. Am 7. April im legendären Estadio Santiago Bernabéu, am 15. April steigt das Rückspiel in der Allianz Arena. Die Frage auf dem Weg ins Halbfinale (gegen den FC Liverpool oder Paris Saint-Germain) lautet: Wer ist hier eigentlich für wen die "Bestia Negra"? Wer ist wessen Angstgegner?
FC Bayern seit 2012 in vier K.o-Duellen jeweils gegen Real ausgeschieden
Bis inklusive 2012, als die Münchner unter Trainer Jupp Heynckes das legendäre Elfmeterschießen im Halbfinal-Rückspiel im Bernabéu gewannen, als Bastian Schweinsteiger seine Bayern ins "Finale dahoam" schoss, konnten die Königlichen lediglich sechs der 20 Spiele gewinnen. Das weiße Ballett hatte sein rotes Tuch gefunden, die "Bestia Negra".
Nach 2012 allerdings kippt es. In vier K.o.-Duellen (im Halbfinale 2014, im Viertelfinale 2017, im Halbfinale 2018 und zuletzt im Viertelfinale 2024) kamen die Madrilenen jeweils weiter. "Diese Nacht damals", sagte Harry Kane nach dem 4:1 im Achtelfinal-Rückspiel gegen das überforderte Atalanta Bergamo, "war wirklich schwer zu verkraften, wir waren so nah dran am Finale."
FC Bayern: Revanche liegt in der Luft
Nur Minuten fehlten den Mannen von Trainer Thomas Tuchel, um das 1:0 nach dem 2:2 im Hinspiel über die Zeit zu bringen. Oder mit dem 1:1 in eine Verlängerung zu gehen.
Revanche liegt in der Luft. "Wir werden bereit sein. Wir haben vor niemandem Angst", betonte Toptorjäger Kane, "wir wissen, dass es schwer wird, aber mit dem Selbstvertrauen aus diesem Spiel und aus der bisherigen Saison müssen wir einfach genau so weitermachen."
"Deshalb erwarte ich ein absolutes Topspiel"
Wir, wir, wir. Mia san mia. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen freut sich auf die Fortsetzung eines "epischen Duells", sagte: "Wir sind die letzten K.o.-Duelle gegen sie ausgeschieden, oft auch unglücklich. Es wird Zeit, dass es anders wird und dass wir ins Halbfinale kommen."
Trainer Vincent Kompany weiß, dass die gesamte Saison seiner Bayern nun in diese Auseinandersetzung mündet. "Die Geschichte von Real ist enorm, und die Qualität auf dem Platz wird etwas ganz Besonderes sein. Gegen Real ist es oft so: Je höher das Niveau, desto besser werden sie. Deshalb erwarte ich ein absolutes Topspiel."

Real Madrid in der Champions League voll auf Kurs
Wenn die Bayern kommen, spielt die Form kaum eine Rolle. In Spaniens "La Liga" liegen die Königlichen, die im Januar Cheftrainer Xabi Alonso entlassen haben, vier Punkte hinter ihrem Erzrivalen FC Barcelona, schieden im Pokal blamabel gegen den Zweitligisten Albacete aus. Doch im Viertelfinale gegen Manchester City (3:0/2:1) waren Federico Valverde, Kylian Mbappé und vor allem Vinicius Junior da. Eine Frage der Ehre. Der Wettbewerb macht dem Team von Alonsos Nachfolger Álvaro Arbeloa Beine. Seit jeher. Und Gegner Bayern umso mehr.
Real steht auf Rang eins der ewigen Champions-League-Tabelle. Dahinter lauert Bayern, der ewige, heiße Atem im Nacken der Königlichen. Doch die Münchner gewannen keines der letzten neun Spiele. Zeit wird’s, den Spieß umzudrehen! Vamos, Bayern!