Wie Greenwashing: ProFans-Sprecher kritisiert Hopp

Während der Corona-Krise schien sich auch der Konflikt um Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp beruhigt zu haben. Für ProFans-Sprecher Sig Zelt stellt sich die Sache ganz anders dar.
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Eines der Schmähplakate der Bayern-Ultras.
imago/Jan Huebner Eines der Schmähplakate der Bayern-Ultras.

Während der Corona-Krise schien sich zuletzt auch der Konflikt um Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp beruhigt zu haben. Für ProFans-Sprecher Sig Zelt stellt sich die Sache allerdings ganz anders dar.

Berlin/München - Auch wenn diese Bilder angesichts der Corona-Krise wie aus einer anderen Zeit wirken, erinnern sie uns doch an einen einzigartigen Moment im Profifußball: Teile der Fans des FC Bayern hatten bei der Bundesliga-Partie gegen Hoffenheim für einen Eklat und ein Novum gesorgt.

Einige Unverbesserliche entrollten im Bayern-Block Schmähplakate mit persönlichen Beleidigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, nach der zweiten Unterbrechung der Begegnung kamen die Akteure beider Teams wieder auf den Platz und spielten sich aus Protest für die restliche Spielzeit den Ball hin und her.

Eines der Schmähplakate der Bayern-Ultras.
Eines der Schmähplakate der Bayern-Ultras. © imago/Jan Huebner

ProFans-Sprecher: Konflikt zwischen Fans und DFB besteht weiter

Die Bayern-Fans spielten mit dem Plakat auf eine ausgesprochene Kollektivstrafe für die Fans von Borussia Dortmund an, die Hopp mehrere Male massiv beleidigt hatten und in den kommenden zwei Jahren deshalb nicht zu Auswärtsspielen nach Sinsheim reisen dürfen.

Um den bis vor kurzem noch offen ausgetragenen Konflikt zwischen den organisierten Fans und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) sowie den Klubbossen ist es in den vergangenen Wochen mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in Deutschland ruhig geworden – für ProFans-Sprecher Sig Zelt schwelt er jedoch weiter. "Eine Krise bringt einen ja dazu, zusammenzustehen – nicht körperlich, aber zumindest in Gedanken, um Solidarität zu üben", sagte Zelt in einem Interview mit dem Sportinformationsdienst: "Aber die alten Probleme werden natürlich wieder auftauchen."

Zelt über Hopp: "Wie ein Greenwashing"

Auf Unverständnis stieß bei ihm in diesem Zusammenhang das Hopp-Interview auf der Hoffenheimer Vereinswebsite. Dort ließ der Klub verlauten, dass der Unternehmer einen möglichen Corona-Impfstoff seiner Firma CureVac nicht an Einzelstaaten verkaufen, sondern allen Menschen zur Verfügung stellen wolle.

Hopps Gebaren wirkt auf Zelt wie "Greenwashing": Er findet es "ziemlich befremdlich, dass es die TSG Hoffenheim thematisiert, denn das Mäzenatentum von Herrn Hopp hat damit nichts zu tun. Und wenn doch, dann unterstreicht es nur unsere Kritik, denn dann würden ja doch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen."

Die Corona-Zwangspause im deutschen Fußball beschäftigt Zelt sehr: "Das sind ganz schlimme Maßnahmen, natürlich leiden wir." Die Anhänger vermissten ja nicht nur die Spiele selbst, sondern auch das "Gemeinschaftserlebnis" und "die sozialen Kontakte, die der Fußball knüpfen" könne.

Anhänger unterstützen Klubs: Virtueller Bratwurst-Verkauf

Der Ball ruht, die Leidenschaft der Fans aber nicht: Genau deshalb unterstützen viele Anhänger ihre Klubs in der existenzbedrohenden Zeit. Anhänger des Zweitligisten VfL Bochum kaufen so genannte "Geistertickets" zum Preis von 18,48 Euro, der das Gründungsdatum symbolisiert. Bei Bundesligist Union Berlin wurde über die Vereinsinternetseite sogar virtuell Bier und Bratwurst verkauft.

"Wenn es um das Überleben des Vereins geht", sagte Zelt, "dann macht man vieles." Die Fans seien ernsthaft in Sorge um ihre Klubs, deswegen würde die Akzeptanz für Geisterspiele in der Szene auch steigen. "Das Fernsehen macht einen Großteil der Einnahmen aus, was wir nicht unbedingt gutheißen, aber vielleicht sichert es den Vereinen in dieser Situation das Leben", sagt der ProFans-Sprecher.

Eine aktuelle Umfrage von "bundesligabarometer.de" unter 4.850 Fans bestätigt diese Tendenz. Dort haben fast zwei Drittel (72,9 Prozent) der Befragten nichts dagegen, wenn Großveranstaltungen in der Coronakrise vorübergehend ohne Zuschauer ausgetragen werden würden.

Lesen Sie hier: Corona-Aufschlag? Was die Krise für Bayerns Transfers bedeutet

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