Warum Vincent Kompany beim FC Bayern gerade alle begeistert

Bayern-Coach Vincent Kompany ist so etwas wie ein Gegenentwurf zum DFB-Teamchef Julian Nagelsmann, der stets polarisiert. Eine AZ-Betrachtung der beiden Trainer.
Patrick Strasser |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Die Ruhe an der Seitenlinie beim FC Bayern: Trainer Vincent Kompany.
Die Ruhe an der Seitenlinie beim FC Bayern: Trainer Vincent Kompany. © IMAGO

Sie kennen ihn zu gut, ihren Trainer. Daher: Ruhig Blut! Und so haben die Profis des FC Bayern Vincent Kompany zu seinem 40. Geburtstag in der Mannschaftskabine ein Ständchen gesungen. Kein großes Ding draus machen. Ganz sein Ding. Als ihm die Reporter am Freitagvormittag um 10 Uhr auf der Pressekonferenz – wegen solch eines Geburtstages wird doch der übliche, gewohnte Termin nicht verlegt – einer nach dem anderen zum Ehrentag gratulierten, dankte ihnen Kompany peinlich berührt.

Kompany wünscht sich einen Sieg zum Geburtstag

Ein bisschen Feiern trotz des bevorstehenden Auswärtsspiels seiner Mannschaft am Samstagabend beim FC St. Pauli (18.30 Uhr, Sky) und des immer näher rückenden Viertelfinal-Rückspiels in der Champions League am Mittwoch gegen Real Madrid? "Nein", so das Geburtstagskind, "ich versuche wegzulaufen vor allem, was am Geburtstag entstehen kann. Erst viel Arbeit, dann vielleicht ein Rotwein am Abend."

Was er sich wünscht? "Drei Punkte." Bei einem Abstiegskandidaten. Selbstverständlichkeiten im Leben eines Bayern-Trainers. Kompany ist demütig, bescheiden. Nichts leichter als das für die Mannschaft? Schleife drum und fertig. Freut Kompany am meisten. Kein Ding draus machen.

Kompany hat bisher nur elf Niederlagen beim FC Bayern

To be humble, bescheiden sein, bodenständig bleiben. Wissen, wo man herkommt. Werte verstehen, vermitteln. Dafür steht Kompany. Wo er nicht gerne steht? Im Mittelpunkt. Kompany bleibt immer Kompany. Er bleibt bei sich. Er liebt seine Spieler, seine Mannschaft. Er liebt seinen Job.

Nicht erst nach dem 2:1-Erfolg bei Real Madrid, seinem 100. Spiel als Bayern-Trainer, ist der Belgier in aller Munde. Nicht wegen nur wegen seines Coachings, seiner Erfolge. 76 Siege, nur elf Niederlagen. Eine Meisterschaft in der Tasche, eine im Warenkorb.

Der Mann hat Style! Bayern-Trainer Vincent Kompany.
Der Mann hat Style! Bayern-Trainer Vincent Kompany. © IMAGO

Kompany tritt als Styler auf 

Man spricht, an der Säbener Straße, in der gesamten Branche und unter den meisten Fans hierzulande mit Hochachtung vor Kompany, im Mai fünfte Wahl als Trainer der Münchner wie Uli Hoeneß kürzlich verriet. Die Bayern-Bosse dürften jeden Tag ein Hosianna ausrufen und den Kandidaten Xabi Alonso, Ralf Rangnick, Oliver Glasner und Thomas Tuchel für ihre Absagen danken.

So kam er zustande, der Deal mit Winner Vinnie, der damals mit dem FC Burnley aus der Premier League abgestiegen war – ein Perfect Fit. Wegen seiner Ausstrahlung, seiner Lässigkeit, seiner Menschlichkeit, seiner Wärme, seiner Ruhe. Und ein Styler ist er auch noch. Baggy Hosen, skinny Ego.

Bei Nagelsmann geht der innere Rauchmelder an

Damit ist Kompany der Gegenentwurf zu einem früheren Bayern-Coach, dem aktuellen Bundestrainer: Julian Nagelsmann. Mit 38 Jahren auch einer der jüngeren Trainer-Generation. Wegen seiner aus Verletzungsgründen abrupt verkürzten Spielerkarriere ist er schon viel länger im Job als Kompany.

Der frühere Weltklasse-Verteidiger ist erst seit knapp sechs Jahren an der Seitenlinie, trägt dieses Gen weiter in sich. Während er sämtliche Fragen souverän abwehrt, selbst rhetorische Provokationen charmant abblockt, geht bei Nagelsmann in solchen Situationen der innere Rauchmelder an.

Stets unruhig: Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Stets unruhig: Bundestrainer Julian Nagelsmann. © IMAGO

Nagelsmann fehlt Fingerspitzengefühl 

Weil es ihm unter den Nägeln brennt. Weil Nagelsmann momentan das Fingerspitzengefühl fehlt, um Fettnäpfchen ganz easy wegzuwischen, tappt er volle Kanne hinein. Siehe den Fall Deniz Undav. Ohne Not zettelte der Bundestrainer knapp drei Monate vor der WM in Nordamerika eine Diskussion um und mit dem erfolgreichsten deutschen Stürmer an.

In Sachen Rhetorik, Kommunikation und Kader-Management hat er seinen ursprünglichen Pfad der erfrischenden, begeisternden Art verlassen, agiert unglücklich, reagiert auf Nachfragen angespannt, beleidigt. Nagelsmann polarisiert, eckt an, das ist eines seiner Stilmittel. Völlig legitim.

Unruhe ist der Antrieb von Nagelsmann

Warum bleibt er nicht bei sich und seinen Stärken, dem Fußball-Knowhow? Wie Kompany ist auch er ein Taktik-Brain, ein Motivator. Unruhe ist sein Antrieb. Er kann mitreißen – und Dinge einreißen. Auch ein Menschenfänger kann eine Kabine verlieren. Nagelsmann stellt etwas dar. Und möchte zugleich immer etwas darstellen. Er macht irgendwie stets ein großes Ding draus.

Dass Kompany Ende Mai mit nur einem Titel, der Meisterschaft, dasteht und angeknockt aus dem Endspurt der Saison geht, kann ebenso ein Ergebnis der Launen des Fußballgotts sein wie die Möglichkeit, dass Nagelsmann die WM gewinnt und als Sonnenkönig grüßt. Längst versöhnt mit Siegtorschütze Undav. Das wäre dann großes Deniz.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.