Urbig im luftleeren Raum: Wie plant der FC Bayern für die Zeit nach Neuer?
Sprechen wollte Jonas Urbig nach dem 1:2 gegen den FC Augsburg nicht, der Torhüter des FC Bayern ging zügigen Schrittes Richtung Ausgang der Allianz Arena. "Ich bin heute nicht eingeteilt", sagte Urbig nur zu den Reportern. Dabei wäre es schon interessant gewesen, seine Sicht der Dinge zu hören.
Ein entscheidender Fehler
Urbig war nämlich entscheidend am Augsburger 1:1 durch Neuzugang Arthur Chaves beteiligt (75.), bei der Ecke, die zum Tor führte, flog er unter dem Ball vorbei. Ein klarer Torwartfehler. Schon zuvor hatte Urbig den Ball in einer Szene nach vorne abprallen lassen, er korrigierte seinen Fehler aber danach. Beim 1:2 durch Han-Noah Massengo war Urbig chancenlos (81.).

Insgesamt war es kein guter Nachmittag für den 22-Jährigen, der nach starken Auftritten in den vergangenen Monaten diesmal nicht für seine Zukunft im Bayern-Tor werben konnte. "Jonas weiß, dass er es besser machen kann“, sagte Sportvorstand Max Eberl, deutlicher wollte er den Keeper aber nicht kritisieren. Urbig trage "keine Schuld" an der Niederlage, so Eberl: "Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen. Es geht ums Kollektiv. Da gehören alle mit dazu."
Unterstützung von Mitspielern
Auch die Mitspieler wollten sich nicht negativ über Urbigs Patzer äußern, alle nahmen ihn in Schutz. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass er sich den Kopf zerbricht", berichtete Jonathan Tah, der vor dem 1:1 mit Urbig zusammengestoßen war, aus der Kabine: "Als Verteidiger habe ich an jedem Gegentor wahrscheinlich einen Anteil. Das ist bei Torwarten noch extremer, weil du natürlich in jeder Situation sagen kannst: Da ist man früher losgesprungen, da ist man früher rausgekommen, was auch immer. Er sollte sich da nicht so den Kopf machen."
Und doch dürfte Urbig noch mehrmals an die Szene gedacht haben. Bei seinem insgesamt sechsten Einsatz in dieser Saison konnte er seinen Vorderleuten diesmal keine Sicherheit geben. Genau das zeichnet Bayerns Stammtorhüter Manuel Neuer sonst aus: Dass er in schwächeren Phasen seiner Mannschaft auf Topniveau hält und keinen Ball reinlässt. Hier kann sich Urbig von Bayerns Nummer eins noch etwas abschauen.
Offene Zukunftsfragen bei Neuer
Generell ist die Meinung intern sehr positiv über Urbig, auch Neuer lobt ihn immer wieder. "Es macht sehr viel Spaß, in unserer Torwartgruppe zusammenzuarbeiten. Es ist für ihn kein Problem, dass er meine Nachfolge antreten kann und wird", sagte Neuer bei Sky über Urbig: "Die Unterstützung hat er auf jeden Fall von Sven Ulreich und von mir. Wir sind ein gutes Team. Wir supporten uns tagtäglich, wir versuchen immer, an unsere Grenze zu gehen, damit man die Latte auch ein bisschen höher hängt. Er hat in den Spielen schon gezeigt, dass er es kann, und das wird er noch weiter tun."

Trotzdem hängt Urbig derzeit im luftleeren Raum - wie beim Augsburger Ausgleich. Denn Neuer hat noch immer nicht entschieden, ob er seinen im Sommer auslaufenden Bayern-Vertrag verlängern wird oder nicht. Rund um Neuers 40. Geburtstag am 27. März soll eine Entscheidung fallen. Wird Urbig im Sommer Neuers Nachfolger? Oder später? Oder gar nicht?
Im Führungsteam sollen noch nicht alle Bosse zu einhundert Prozent davon überzeugt sein, dass Urbig das riesige Neuer-Erbe antreten kann. Was freilich für jeden jungen Keeper eine gewaltige Aufgabe wäre. Klar ist: Urbig braucht stabilere Auftritte als gegen Augsburg.

