"Uli Hoeneß gehört an die Spitze des Klubs"

Was plant Bayerns Ex-Präsident nach seiner Haftentlassung? Eine Rückkehr als Boss scheint möglich – das hofft auch sein Freund Hasan Salihamidzic.
| Maximilian Koch
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Ab dem 29. Februar 2016 wieder ein freier Mann: Bayerns ehemaliger Präsident und Manager Uli Hoeneß. Kleines Bild: Enge Vertraute: Uli Hoeneß (r.) und Ex-Bayernprofi Hasan Salihamidzic.
dpa/imago/az Ab dem 29. Februar 2016 wieder ein freier Mann: Bayerns ehemaliger Präsident und Manager Uli Hoeneß. Kleines Bild: Enge Vertraute: Uli Hoeneß (r.) und Ex-Bayernprofi Hasan Salihamidzic.

München - Ob Hasan Salihamidzic wohl auch einer dieser Fußballväter ist, die sich eine große Karriere ihrer Söhne mehr wünschen als ihre Söhne selbst? Eigentlich kaum vorstellbar, wenn man an den coolen "Brazzo" denkt, der in seiner aktiven Zeit beim FC Bayern fast so viel Schabernack im Sinn hatte wie Franck Ribéry. Uli Hoeneß jedenfalls könnte in dieser Frage weiterhelfen.

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Es ist ein recht milder Novembertag im vergangenen Jahr, Salihamidzic und Hoeneß stehen am Spielfeldrand des Kunstrasenplatzes an der Säbener Straße. Sie sehen konzentriert aus, Salihamidzic noch mehr als Hoeneß, und das hat seinen Grund: Wenige Meter entfernt flitzt sein Sohn Nick über den Platz, er spielt in der U 13 des FC Bayern, und damit auch im Blickfeld von Hoeneß, dem Nachwuchsbeauftragten, der als Freigänger zu seinem Verein zurückgekehrt ist, um die Stars von Morgen zu sichten. Wann, wenn nicht jetzt, sollte Papa Salihamidzic für seinen Junior werben? "Schau mal, Uli, was der schon alles kann!" Nach intensivem Austausch verabschieden sich die beiden zur Halbzeit, Brazzo legt seinen Arm um Hoeneß. Die beiden lachen herzlich. Hat es Salihamidzic tatsächlich versucht?

 

"Er ist inzwischen wieder topfit"

 

"Er ist mein Freund", sagt Salihamdizic zweieinhalb Monate später zur AZ über Hoeneß und bestätigt damit nur das, was auf den Bildern zu erkennen ist. Er hat den Kontakt zu Hoeneß nie verloren, seit er die Bayern im Jahr 2007 nach neun erfolgreichen Jahren verließ. Er hat auch mitbekommen, wie Hoeneß gelitten hat nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. Und wie sich der frühere Bayern-Präsident zurückkämpfte. Schritt für Schritt, mit dem Höhepunkt der vorzeitigen Haftentlassung am 29. Februar, die am Montag verkündet wurde. "Am Anfang war das für ihn alles ein Schock, eine schwierige Zeit", sagt Salihamidzic, "aber er ist inzwischen wieder topfit. Schon damals im November war alles wieder gut."

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Wie geht es weiter mit Hoeneß?

 

In genau 40 Tagen wird Hoeneß ein freier Mann sein. Die Hälfte seiner Strafe von dreieinhalb Jahren wird zur Bewährung ausgesetzt. Doch was passiert dann? Plant der frühere Manager und Präsident eine Rückkehr ins operative Geschäft? Ist seine Zeit im Jugendbereich etwa schon wieder vorbei? Muss sich Salihamidzic demnächst einen anderen Gesprächspartner an der Seitenlinie suchen? Wenn man dem Bosnier zuhört, könnte er das sogar verkraften. So sehr gefällt ihm die andere Hoeneß-Option: "Jeder von uns ehemaligen Spielern des FC Bayern wünscht sich, dass Uli wieder der wird, der er vorher war. Ich weiß nicht, ob er wieder Präsident werden will. Aber er gehört an die Spitze des Klubs."

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Schon im November auf der Mitgliederversammlung könnte sich der Wunsch Salihamidzics und vieler anderer Bayern-Fans erfüllen. Karl Hopfner, der amtierende Präsident, hat bereits angekündigt, bei einer Abstimmung nicht gegen Hoeneß antreten zu wollen. "Es geht bei diesem Thema nicht um mich. Ich stelle mich da zurück", sagte er kürzlich. Der Weg für Hoeneß wäre also frei – sofern er überhaupt zurück will auf den Bayern-Thron. Darüber, so ist aus seinem Umfeld zu hören, ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

 

Urlaub nach dem Gefängnis

 

"Möglicherweise wäre es für Uli besser, ein bisschen mehr das Leben zu genießen, nicht nur immer wieder irgendwelchen Erfolgen hinterherzurennen", sagt Bruder Dieter Hoeneß. Aber kann er das überhaupt? Wie "Bild" berichtet, plane Hoeneß nach seiner Haftentlassung einen längeren Urlaub mit Ehefrau Susi. Am 1. Juli soll verkündet werden, was Hoeneß in Zukunft vorhat. Sollte er tatsächlich wieder Präsident werden wollen, würde Hopfner wohl Chef des mächtigen Aufsichtsrats bleiben. Dazu müssten allerdings beide Ämter per Satzung getrennt werden – eine reine Formalie. Hoeneß stünde als Präsident des e.V. ein Platz im Aufsichtsrat zu.

 

Zuspruch aus der ganzen Liga

 

In der Bundesliga jedenfalls würde man ein Hoeneß-Comeback begrüßen. "Ich freue mich, dass er das jetzt hinter sich gebracht hat. Ich freue mich, dass er wieder im Kreise der Fußballer ist", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball am Dienstag beim Neujahrsempfang der DFL. Auch Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs findet es "toll, dass die Strafe reduziert wurde und er auf freiem Fuß ist. Ich denke, dass es ein großer Einschnitt für ihn war und dass sich seine Betrachtungsweise durchaus geändert haben kann und er die Dinge etwas differenzierter betrachtet." Heribert Bruchhagen, der Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt, bezeichnete Hoeneß’ mögliche Rückkehr als "eine Bereicherung". Und sogar Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte in der "Bild", "dass ich mich persönlich für Uli Hoeneß freue, dass er vorzeitig entlassen wird und wir uns bald im Stadion wiedersehen."

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Schon am 5. März könnte diese Begegnung stattfinden. Dann trifft der BVB auf den FC Bayern. Womöglich mit Hoeneß, dem freien Mann, auf der Tribüne. 80.000 Zuschauer im Signal Iduna Park statt ein paar Spielervätern an der Säbener Straße: Auch Brazzo würde das verstehen.

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