Uli Hoeneß: "Auf Dauer habe ich keine Lust auf Platz zwei"

Der Bayern-Präsident Uli Hoeneß trauert der verpassten Gelegenheit nach – und vermisst im Verlierer-Team Typen wie Jens Jeremies.
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Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge können die Niederlage nicht verstehen. Im Interview sagte Hoeneß: "Mir fehlen die Worte."
dpa Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge können die Niederlage nicht verstehen. Im Interview sagte Hoeneß: "Mir fehlen die Worte."

Der Bayern-Präsident Uli Hoeneß trauert der verpassten Gelegenheit nach – und vermisst im Verlierer-Team Typen wie Jens Jeremies

MÜNCHEN Sie hatte es schwer. In der Sitzreihe hinter ihrem Gatten auf der Ehrentribüne in der Allianz Arena platziert, umarmte Susi Hoeneß ihren Uli, strich ihm tröstend über den Kopf – wohlwissend, dass auch sie seinen Schmerz nicht lindern konnte. Das Finale dahoam war verloren, der Traum nach Bastian Schweinsteigers Pfostenschuss zum Alptraum geworden: Pech statt Pott. Oder war’s doch Unvermögen? Bei der Gala nach der Pleite sprach Bayern-Präsident Hoeneß im Postpalast – dort, wo er noch Mitte Januar seinen 60. Geburtstag rauschend gefeiert hatte – über:

Den Ausgang der Partie: „Ich habe noch keine Orientierung und keine Erklärung. Ich muss das ein, zwei Tage sacken lassen.”

Die Parallelen zur Last-Minute-Niederlage im Finale 1999 gegen Manchester United: „Das war sicher ähnlich wie in Barcelona. Aber da hatten wir am Schluss nichts mehr entgegenzusetzen. Diesmal war das anders. Wir waren über 120 Minuten besser, Chelsea hatte eigentlich keine Torchance – und dann so etwas! Eigentlich fühlt man sich gar nicht als Verlierer. Chelsea weiß doch jetzt immer noch nicht, warum sie gewonnen haben. Aber wie heißt es: The winner takes it all. Aber so ist die Welt heute. Früher hätten wir ja noch wochenlang diskutiert: Wie unverdient! Die armen Bayern!”

Bayerns vergebene Chancen: „Wir gehen zu einem idealen Zeitpunkt in Führung – bekommen den Ausgleich. Wir verschießen einen Elfmeter, kommen dann ins Elfmeterschießen. Da habe ich gedacht: Wir gewinnen die Platzwahl, schießen vor der Südkurve, das sieht schon mal gut aus. Lahm, der in Madrid nicht getroffen hat, macht ihn rein. Manuel (Neuer, d. Red.) hält den ersten – da denkst du, jetzt ist es passiert. Aber Elfmeterschießen ist eben auch Glückssache. Ich habe selbst mal einen wichtigen Elfmeter verschossen. "

Den erneuten Elfmeter-Fehlschuss von Arjen Robben: „Wenn er als Schütze Nummer eins festgelegt ist, dann schießt er eben. Total blöd war, dass durch die Verletzung von Franck Ribéry bestimmt drei Minuten vergangen sind, bis er zum Schuss kam. Das ist für einen Spieler keine gute Ausgangsposition. Da wird man kalt, da kommt man aus dem Rhythmus. Ich weiß nicht, ob sie unten diskutiert haben, ob vielleicht Mario schießt. Keine Ahnung. Aber es gab überhaupt keine Dissonanz. Die waren sich einig, dass Arjen schießt.”

Die Fehler der Mannschaft: „Wenn man so viele Chancen hat in so einem Spiel, dann muss man den Sack zumachen. Ich habe schon ein paar Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben. Aber ich werde jetzt keine Mannschaftskritik machen.”

Die Konsequenzen: „Das muss man einfach setzen lassen, in Ruhe analysieren und danach ein Ergebnis ausgeben.”

Die zweite Saison ohne Titel in Folge: „Wir sprechen von einem guten Jahr und keinem katastrophalen Jahr. Als wir 2007 mal so einen Einkaufswahnsinn betrieben haben mit Luca Toni, mit Franck Ribéry, da hatten wir vorher gar nichts gemacht. Da waren wir im Pokal und in der Champions League ausgeschieden und in der Meisterschaft Vierter. Aber man kann nicht sagen, es ist alles in Ordnung, wenn man drei Titel verspielt. Dann hat man Probleme. Das kann einmal passieren, zweimal, aber dreimal? Vielleicht muss man sich fragen, warum das passiert ist.

Den Mangel an Führungsspielern: „Vielleicht haben wir nicht genug Spieler, die so etwas erzwingen wollen. Ich zumindest habe da unten keinen Jens Jeremies gesehen, der dem Gegner schon beim Einlaufen in die Waden beißt.”

Die Frage, wie die Mannschaft die Pleite wegsteckt: „An so einem Abend möchte ich keine positiven oder negativen Prognosen aufstellen. Aber auf Dauer habe ich sicherlich keine Lust auf Platz zwei. Das ist kein Zustand, den ich akzeptiere.”

Das Testspiel am Dienstag gegen die niederländische Nationalmannschaft:
„Darüber mache ich mir jetzt überhaupt noch keine Gedanken. Wenn wir gewonnen hätten, wäre es ein schöner Abschluss geworden. Aber so..."

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