Ulf Kirsten: "Bayern ist eine Übermannschaft"

Ulf Kirsten spricht in der AZ über das Topduell zwischen Bayer Leverkusen und dem FC Bayern. Dabei hat er besonders die Angreifer der beiden Mannschaften im Blick.
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Szene aus FC Bayern gegen Bayer Leverkusen, 29. August 2015 - Arturo Vidal (links) im Duell mit Kießling.
dpa 2 Szene aus FC Bayern gegen Bayer Leverkusen, 29. August 2015 - Arturo Vidal (links) im Duell mit Kießling.
Ulf Kirsten und Matthias Sammer (rechts), der heutige Sportvorstand des FC Bayern. Die ehemaligen DDR-Nationalspieler unterhalten sich am 18. Dezember 1990 beim Training in Stuttgart, wo die deutsche Nationalelf tags darauf in einem Freundschaftsspiel gegen die Schweiz antritt und mit 4:0 gewinnt. Erstmals stehen frühere DDR-Akteure in der DFB-Elf - darunter auch Sammer, Kirsten kommt noch nicht zum Einsatz.
dpa 2 Ulf Kirsten und Matthias Sammer (rechts), der heutige Sportvorstand des FC Bayern. Die ehemaligen DDR-Nationalspieler unterhalten sich am 18. Dezember 1990 beim Training in Stuttgart, wo die deutsche Nationalelf tags darauf in einem Freundschaftsspiel gegen die Schweiz antritt und mit 4:0 gewinnt. Erstmals stehen frühere DDR-Akteure in der DFB-Elf - darunter auch Sammer, Kirsten kommt noch nicht zum Einsatz.

Auch der 50-jährige fiebert dem Bundesliga-Spitzenspiel entgegen: Von 1990 bis 2003 trug der ehemalige Stürmer  das Trikot von Bayer Leverkusen. Er erzielte als bester Bayer-Torjäger aller Zeiten 182 Treffer in 350 Liga-Spielen. "Der Schwatte" bestritt 100 A-Länderspiele - 49 Partien für die DDR (14 Tore) und 51 für die Bundesrepublik Deutschland (20 Tore). Zu seinen persönlichen Erfolgen gehörten neben der Wahl zum vorletzten DDR-Fußballer des Jahres (1990) die drei Torjägerkanonen in den Bundesligaspielzeiten 1992/1993 (20 Tore), 1996/1997 und 1997/1998 (jeweils 22 Tore).

AZ: Herr Kirsten, beim FC Bayern herrscht Unruhe vor dem Duell am Samstag. Ist das die Chance für Leverkusen?

Ulf Kirsten: Wir brauchen nicht glauben, dass das die Bayern-Spieler beeinflusst. Im Gegenteil: Wenn in München Unruhe war, waren sie immer am stärksten. Bayern ist eine Übermannschaft, da macht so ein Störfeuer gar nichts aus.

Wie schätzen Sie aktuell die Situation bei Bayer Leverkusen ein? Das Team ist noch in drei Wettbewerben vertreten.

Die Hinrunde war vielleicht nicht ganz so optimal, aber jetzt sind sie wieder gefestigt. Die Ausgangssituation ist hervorragend, die Qualifikation für die Champions League das realistische Ziel. Im Pokal gegen Werder Bremen sollte man weiterkommen, genauso in der Europa League gegen Sporting Lissabon.

Lesen Sie hier: Ohne Tasci - so löst der FC Bayern das Abwehrproblem

Die perfekte Gelegenheit, um endlich mal einen Titel zu holen und das Vizekusen-Image abzulegen?

Vizekusen ist eine Erfindung der Medien, deswegen können es nur die Journalisten ablegen (lacht). Ich denke, wenn man ins Pokal-Endspiel einzieht, wäre das schon eine fantastische Leistung.

In den 1990er Jahren war Bayern gegen Leverkusen ein Klassiker. Inzwischen klafft eine große Lücke.

Die direkten Duelle sind meistens allerdings nicht unausgeglichen, sondern sehr attraktiv und knapp. In der momentanen Verfassung sehe ich gute Chancen, dass Leverkusen vielleicht auch dieses Spiel gewinnt.

Lesen Sie hier: Zahlen und Fakten zu Bayer gegen Bayern

Chicharito steht im Fokus bei Bayer, der Mexikaner hat schon 13 Saisontore erzielt. Was zeichnet ihn aus?

Er ist ein ganz wichtiger Teil der Mannschaft, ein außergewöhnlicher Spieler, der aus wenigen Chancen viele Tore erzielt. Die Quote spricht für ihn. Aber ich freue mich ganz besonders, dass Stefan Kießling wieder reingefunden hat. Die beiden, er und Chicharito, harmonieren sehr gut. Es wurde ja gesagt, dass beide nicht zusammen können, aber das haben sie eindrucksvoll widerlegt. Sie sind eines der besten Sturmduos der Liga.

Erinnert Sie Chicharito von seiner Spielweise ein bisschen an Ulf Kirsten?

Nein, gar nicht.

Gar nicht?

Nö.

Was sind denn die Unterschiede?

Ich will jetzt hier gar keinen Vergleich anfangen. Jeder Spieler ist unterschiedlich, jeder Stürmer hat seine Eigenarten. Das macht keinen Sinn.

Okay, ist Robert Lewandowski aktuell der kompletteste Stürmer Europas?

Ja, das würde ich sagen. Er bringt alles mit, kann rechts wie links schießen, er muss nicht überlegen. Er ist ballsicher, technisch gut. Er ist der kompletteste Stürmer, nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt.

Lewandowski ist ein Fitness-Freak, der zusätzlich zum Mannschaftstraining jeden Tag im eigenen Kraftraum schuftet. Waren Sie ähnlich fleißig in Ihrer aktiven Zeit?

Das war auch schon früher der Fall, ich habe an freien Tagen auch immer was gemacht. Ich denke aber, auch der Robert braucht ab und zu mal eine Pause. (lacht)

Lesen Sie hier: Lewandowski schon heute besser als der Bomber

Lewandowski oder Pierre-Emerick Aubameyang: Wer wird am Ende Torschützenkönig?

Schwierig, ganz schwierig. Beide schießen sich gerade richtig, richtig warm. Ich kann es nicht sagen. Wer am Ende vorne steht, hat es verdient.

Wie wichtig ist die Kanone eigentlich für einen Stürmer? Sie haben sie gleich dreimal gewonnen in Ihrer Karriere.

Das ist auf jeden Fall eine große Anerkennung für einen Stürmer. Man ist natürlich abhängig von seiner Mannschaft, aber es macht einen stolz, die Kanone in der Hand zu halten.

Was halten Sie eigentlich von Thomas Müller?

Sein Beispiel zeigt, dass man mit Fleiß ganz nach oben kommen kann. Er ist wirklich anders als die anderen, ein lustiger Typ, der manchmal vielleicht selber nicht weiß, wie er zu einer Chance oder einem Tor kommt. Aber er ist einer der wichtigsten Spieler des FC Bayern.

Lesen Sie hier: Pep beklagt sich -

Thomas Müller wird oft als einer der letzten Typen im Fußball bezeichnet. Sie selbst waren selbst genau ein solcher. Fehlen der Bundesliga heute Typen?

Die Generationen ändern sich einfach, die Jungs heute wachsen ganz anders auf. Der Fußball in Deutschland ist so gut wie nie, da brauchen wir keine Diskussion über Typen zu führen.

Zum Abschluss: Könnte sich der Stürmertyp Ulf Kirsten heute noch in der Bundesliga durchsetzen?

Ja, warum nicht?

Interview: Maximilian Koch

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