Interview

Butt über Ausfall von Urbig und Neuer für FC Bayern: "Ulreich hat unglaublich viel Erfahrung"

Er war beim FC Bayern und Bayer Leverkusen unter Vertrag: Vor dem Duell seiner beiden Ex-Vereine erklärt Jörg Butt im AZ-Interview, warum die Münchner den Ausfall von Manuel Neuer und Jonas Urbig verkraften können. Auch gibt der ehemalige Torhüter Einblicke, wie er herausfand, dass das Karriereende naht.
Kilian Kreitmair
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Sieht trotz den Verletzungen von Manuel Neuer und Jonas Urbig keine Probleme auf den FC Bayern zukommen: Bayerns ehemalige Nummer eins, Jörg Butt.
Sieht trotz den Verletzungen von Manuel Neuer und Jonas Urbig keine Probleme auf den FC Bayern zukommen: Bayerns ehemalige Nummer eins, Jörg Butt. © IMAGO

AZ: Herr Butt, der FC Bayern hat im Auswärtsspiel in Leverkusen ein Torwartproblem. Jonas Urbig und Manuel Neuer sind verletzt. Hätten Sie Zeit, einzuspringen? 
JÖRG BUTT: (lacht) Ach, die Bayern sind doch trotzdem gut aufgestellt. Sven Ulreich hat unglaublich viel Erfahrung, ein hohes Standing innerhalb der Mannschaft und das Vertrauen seiner Mitspieler. Das ist für einen Torhüter sehr wichtig. Insofern braucht man sich da überhaupt keine Sorgen zu machen.

Trainingsqualität beim FC Bayern teils "qualitativ hochwertiger als manch ein Spiel in der Bundesliga"

Ulreich stand das letzte Mal im September 2024, bei einem 5:0 gegen Bremen, im Tor. Wie schwer ist es für einen Torhüter, zu performen, wenn man so lange keine Spielzeit hatte?
Er ist so erfahren und kennt die Situation, dass er nicht jedes Spiel macht. Außerdem ist die Trainingsqualität bei Bayern München teilweise qualitativ hochwertiger als manch ein Spiel in der Bundesliga. Dazu kommt, dass die Mannschaft im Moment sehr stabil ist, was einem Torhüter zusätzlich ungemein hilft. Dieses Zusammenspiel ist eine gute Ausgangssituation. 

Also gehen Sie nicht davon aus, dass sich das Bayern-Spiel gegen Leverkusen in der Defensive groß verändert? 
Nein. Jeder Fußballfan kann sich auf dieses Spiel freuen. Die Bayern haben in Bergamo ein super Spiel gemacht und sind in Topform. Für Leverkusen gilt das Gleiche. Sie haben es als erste Mannschaft in der Champions League geschafft, gegen Arsenal nicht zu verlieren, und hatten bis kurz vor Abpfiff sogar die Chance auf einen Sieg. Das wird ein Aufeinandertreffen zweier Topmannschaften, auch wenn Leverkusen wegen der Anfangsprobleme in der Bundesliga im Moment nicht so gut dasteht.

Ich halte es für falsch, jetzt vom Triple zu sprechen. 

Jörg Butt

Butt sieht Bayern als Favorit im Duell gegen Leverkusen

Mit anderen Worten: Ein Sieg ist für beide Teams möglich. 
Mit Sicherheit. Aber trotzdem sehe ich die Bayern schon im Vorteil, weil sie bisher unheimlich stabil sind und sie selbst die Ausfälle immer top ersetzen konnten. 

Halten Sie das Triple deshalb in dieser Saison für realistisch, oder sollte man aufgrund der harten Brocken in der Champions League noch abwarten?
Ich halte es für falsch, jetzt vom Triple zu sprechen. Möglich ist es sicherlich, aber es ist jetzt wichtig, dass man von Spiel zu Spiel schaut. Natürlich ist man in der Bundesliga fast durch, aber das darf nicht in die Köpfe rein. Jedes Spiel muss weiter ernst genommen werden, um die Spannung für die anderen Wettbewerbe hochzuhalten. In der Champions League sollte es gegen Bergamo nach dem Hinspiel klappen, aber danach hat man gewaltige Brocken vor der Brust. In solchen Spielen entscheiden oftmals auch Kleinigkeiten.

Jörg Butt ist beeindruckt von der Vorstellung des FC Bayern um Michael Olise in Bergamo, Gedanken an das Triple hält er aber noch für verfrüht.
Jörg Butt ist beeindruckt von der Vorstellung des FC Bayern um Michael Olise in Bergamo, Gedanken an das Triple hält er aber noch für verfrüht. © IMAGO

Bayern-Legende traf Entscheidung für Karriereende einst frühzeitig 

Und es ist wichtig, dass möglichst alle Spieler fit sind und das Leistungslimit erreichen.
Bei Bayern ist die Konkurrenzsituation innerhalb des Kaders so hoch, dass es sich kein Spieler erlauben kann, nachzulassen. Vincent Kompany macht das sehr gut. Ich finde, dass er eine sehr gute Mischung zwischen internem Wettkampf und Wertschätzung gegenüber jedem Spieler gefunden hat. 

Wenn wir nochmal zurück auf Torwartposition kommen. In den nächsten Wochen steht eine wichtige Entscheidung an: Verlängert ihr ehemaliger Teamkollege Manuel Neuer. Sie haben die Karriere beim FC Bayern im Jahr 2012 mit 38 Jahren beendet. Wie haben Sie damals herausgefunden, dass für Sie Schluss ist? 
Ich habe die Entscheidung schon frühzeitig und bewusst getroffen. Deshalb kann man es mit der aktuellen Situation von Manuel nur schwer vergleichen. Aber ich bin mir sicher, dass er die richtige Entscheidung für sich treffen wird.

Wenn der Körper mitmacht, gibt es nichts Schöneres, als auf dem Platz zu stehen. Aber irgendwann sagt dir der, dass es reicht.

Jörg Butt

Butt traut Urbig die Nachfolge von Neuer zu

Was sind bei Torhütern so Zeichen, dass es nicht weitergeht? 
Es sind viele Faktoren, die da zusammenspielen. Wenn der Körper mitmacht, gibt es nichts Schöneres, als auf dem Platz zu stehen. Aber irgendwann sagt dir der, dass es reicht. Mit 40 Jahren kann man froh sein, dass es überhaupt noch klappt. Ich war schon mit 38 Jahren dankbar, dass ich so lange spielen konnte und in meiner Karriere so wenige Verletzungen hatte. Und neben der körperlichen Verfassung spielt es auch eine Rolle, was man nach der Spielerkarriere machen möchte und wie es um die Familie steht. Am Ende gewichtet da jeder individuell.

Beim FC Bayern einst zusammen: Manuel Neuer und Jörg Butt.
Beim FC Bayern einst zusammen: Manuel Neuer und Jörg Butt. © IMAGO

Laut AZ-Informationen hätte Urbig bei einem Neuer-Ende aktuell die besten Karten für seine Nachfolge. Sehen Sie ihn schon so weit? 
Er hat auf jeden Fall Potenzial. Er hat eine sehr gute Ausstrahlung und man hat auch den Eindruck, dass er in der Mannschaft anerkannt ist. Aber am Ende ist es immer ein Entwicklungsprozess. Man muss einem jungen Spieler die Chance geben, und dann gilt es für ihn, das Beste daraus zu machen. Ob man ihm das Vertrauen gibt, müssen aber am Ende die Trainer, die jeden Tag mit ihm zusammenarbeiten, entscheiden. 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.