"Trägt den FC Bayern im Herzen": Goretzka zeigt, wie wichtig er noch für die Münchner sein kann
Es war der Treffer zum 3:0, das überlegen geführte Spiel des FC Bayern bei Werder Bremen damit endgültig gelaufen. An einem Erfolg der Münchner an der Weser, dem mittlerweile 16. (!) in Serie, hatte ohnehin niemand gezweifelt – zu erdrückend ist die Überlegenheit, zu groß die Diskrepanz beim einstigen Nord-Süd-Gipfel.
Und dennoch hob Leon Goretzka ab beim Torjubel. Völlig losgelöst rannte er in die Fankurve, feierte sich und seinen Treffer ausgiebig. Inklusive eines kleinen Tanzes beim Zurücklaufen, er schlug mit den Armen wie mit Flügeln. Nicht ohne Grund. "Ich habe mit Josip Stanisic vor dem Spiel gesprochen. Wir golfen hin und wieder zusammen, und das ist der sogenannte Birdie-Tanz, den ich da aufführe", sagte der 31-Jährige nach der Partie am Sky-Mikrofon und erklärte: "Wir haben vorher gesagt: Wenn einer von uns heute einen macht, dann tanzen wir den zusammen. Er war leider schon draußen (ausgewechselt genau eine Minute vor Goretzkas Treffer, d.Red.). Er hat auf der Bank mitgetanzt."
Zweiter Saisontreffer für Goretzka in der Bundesliga
Warum sich Goretzka so sehr über ein Tor zum 3:0 freute? Weil es sein erst zweiter Saisontreffer in der Liga war und weil er nach vier Spielen Pause mal wieder von Beginn an ran durfte. Und zweitens: Wer weiß, wie viele Tore dazukommen in den letzten dreieinhalb Monaten seiner dann acht Jahre beim FC Bayern? Der Mittelfeldspieler sieht es so: "Ich glaube, diese Saison hatte ich noch nicht so viele Tore und Chancen - und heute habe ich mich manchmal in dem altbekannten Raum aufgehalten und Phonzy (Alphonso Davies, d.Red.) hat mich gut gefunden. Da freut man sich natürlich, wenn man mal wieder ein Törchen machen kann." Ein Törchen samt Flugeinlägelchen.
Dass er vor zwei Wochen aufgrund des Angebotes von Atlético Madrid nicht vorzeitig den Abflug gemacht hat von den Bayern, war seine ganz bewusste Entscheidung. Dass es ihm nicht leicht fiel mit Blick auf das Ticket für den WM-Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann und die Abwägung, ob er in der restlichen Saison bei Bayern oder bei den Colchoneros mehr Spielzeit sammeln würde, gestand er auch erstmals ein: "Klar: Wenn dich dann so große Vereine noch mal umwerben, ist da Interesse. Trotzdem habe ich mich dann auch klar zum FC Bayern bekannt." Auch die AC Mailand soll angeklopft haben, ebenso Fenerbahce Istanbul.
Goretzka: "Die ersten Wochen unter Kompany waren nicht einfach für mich"
Goretzka entschied sich fürs Bleiben, für die weitere Zusammenarbeit mit Trainer Vincent Kompany, obwohl der ihm nach einer gemeinsam mit den Bossen getroffenen Entscheidung im Juli 2024 nahelegte, den Verein zu verlassen, da man für ihn keinerlei Verwendung mehr habe – schon gar nicht in der besten Elf.
Im Zentrum waren und sind Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic gesetzt, im Sommer 2025 holte man Talent Tom Bischof aus Hoffenheim. "Die ersten Wochen unter Kompany waren nicht einfach für mich", erinnert sich Goretzka und sagt: "Aber ich hatte von Anfang an ein super Verhältnis zum Trainer, er hat immer ehrlich mit mir kommuniziert und mir gesagt: Wenn ich meine Leistung bringe und weiter arbeite, dann kriege ich meine Chance – und genau so ist es dann auch gekommen."
Eberl über Goretzka: "Er trägt den FC Bayern im Herzen"
Nach einem bemerkenswerten Comeback im Spätherbst 2024 wurde Goretzka wieder wichtig – und gebraucht. Goretzka: "Ich habe eine intrinsische Motivation, mein Leben lang, was Fußball betrifft. Und zum anderen gehört es für mich einfach zum Profi-Sein dazu, dass man sein Bestes gibt, um die Farben auf dem Platz zu vertreten. Mal läuft es besser, mal schlechter."
Persönlich und fürs Team. "Er trägt den FC Bayern im Herzen - und er riecht etwas", sagte Max Eberl in Bremen grinsend und meinte die Triple-Vorzeichen am Horizont. Goretzka: "Ich hatte das Glück, schon einmal dabei gewesen zu sein, als wir sechs Titel in einer Saison geholt haben. Ich weiß, was für eine geile Zeit das war. Und dafür werden wir diese Saison noch mal alles tun, alles in die Waagschale werfen, um am Ende zusammen mit den Fans die ganz großen Titel feiern zu können."
