Titel-Frischlinge! Für welche Spieler Bayerns 35. Meisterschaft die Premiere ist

Energisch brüllte Vincent Kompany dem Mann hinterher, der mit Badelatschen über den Platz trottete. Einmal, zweimal. "Lucho! Lucho!" Luis Díaz dreht sich um und fiel seinem Trainer in die Arme. Kompany drückte und herzte den Stürmer, machte ihm auf dem Rasen der Allianz Arena klar, welch’ besonderer Tag es sei. Die Momente der ersten Meisterschaft in der Bundesliga, der Premierentitel – das bleibt.
Der 29 Jahre alte Kolumbianer kam im letzten Sommer für 70 Millionen Euro Ablöse vom FC Liverpool nach München, unterschrieb einen Vierjahresvertrag. Die Skepsis bei Fans wie Experten war groß, ob dieser Linksaußen, dessen Spielweise so kraftraubend ist, nach dreieinhalb Jahren in der intensivsten Liga der Welt, der Premier League, noch genug Elan für die neue Aufgabe haben würde.
Hatte er – und wie. Mit 24 Toren und 20 Torvorlagen, davon zwei beim 4:2 gegen den VfB Stuttgart am Sonntag, widerlegte Díaz in bis dato 43 Pflichtspielen alle Zweifler. Und so entwickelte sich der Linksaußen nach den Abgängen von Kingsley Coman (für rund 30 Millionen Euro zu Al-Nassr) sowie Leroy Sané (ablösefrei zu Galatasaray Istanbul) zu einem wichtigen und konstant abliefernden Baustein der so erfolgreichen Kompany-Bayern.
Kompany: "Dieses Gefühl zum ersten Mal zu haben, ist besonders"
Am Abend verriet der Cheftrainer, was er seinen Jungs im Rahmen einer längeren Kabinen-Ansprache mitgegeben habe nach dem ersten Schritt zu avisierten Triple. "Ich habe erst ganz am Ende über das Leverkusen-Spiel (das DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch, d. Red.) und unsere weiteren Ziele in dieser Saison gesprochen. Am Anfang habe ich den Jungs gratuliert, die zum ersten Mal Meister geworden sind. Dieses Gefühl zum ersten Mal zu haben, ist besonders. Letztes Jahr waren es Harry Kane und Eric Dier. Wir haben gespürt, was es ihnen bedeutet hat."
Díaz kann eine komplette Titelsammlung in England (Meister, Pokalsieger, Ligapokalsieger und Gewinner des Supercups mit Liverpool) sowie in Portugal (Meister, Pokalsieger und Gewinner des Supercups mit dem FC Porto) vorweisen – nun folgt seine Schalen-Taufe samt Weißbierdusche nach der Übergabe der frisch renovierten Meister-Trophäe nach dem Heimspiel am 34. Spieltag gegen den 1. FC Köln (16. Mai).
Bischof und Jackson erstmals Deutscher Meister
Dann dürfen auch Tom Bischof (kam ablösefrei von der TSG Hoffenheim) sowie Chelsea-Leihgabe Nicolas Jackson (Bayern zahlte 16,5 Millionen Euro für eine Saison) erstmals die Silberware ergreifen. Bischof (20), gekommen als Sechser-Alternative, entwickelte sich zur wertvollen Ergänzung auf der linken Abwehrseite und hatte seinen speziellen Moment am Ostersamstag, als er mit zwei Fernschüssen – seinen einzigen beiden Saison-Toren – half, aus dem 0:2 beim SC Freiburg noch das so umjubelte 3:2 zu machen.
Mittelstürmer Jackson (24), als Backup für Toptorjäger Harry Kane kurz vor Schließung des Sommertransferfensters geholt, erfüllte die Erwartungen trotz recht geringer Einsatzzeit. Neun Tore und vier Vorlagen in 24 Pflichtspielen – wovon er 16 Mal lediglich als Einwechselspieler in die Partie kam.
Neben Karl dürfen sich jetzt auch mehrere Youngster Meister nennen
Lennart Karl, der Shootingstar dieser Saison, war als regelmäßiger Trainingsgast bereits bei den Feierlichkeiten im Mai 2025 dabei – doch zum Einsatz war der Teenager, der im Februar volljährig wurde, in der vorherigen Saison nicht gekommen. Der Stern des Rechtsaußen ging erst ab August (35 Profi-Einsätze, neun Tore, sieben Vorlagen) auf.
Bleibt Jonathan Tah (30). Der Abwehr-Chef holte 2024 mit Leverkusen das Double, kam nun zu ersten Meister-Ehren im Bayern-Trikot. So gesehen ebenfalls ein Frischling. Wie auch die Campus-Spieler Wisdom Mike, Deniz Ofli, Felipe Chávez (in der Rückrunde an den 1. FC Köln ausgeliehen), David Santos Daiber, Maycon Cardozo, Bara Ndiaye, Cassiano Kiala und Erblin Osmani, die 2025/26 alle ihr Bundesliga-Debüt feiern durften.
Und bald eine Medaille auf den Nachttisch legen können.