Thorsten Fink, der van Gaal von morgen

Thorsten Fink, in München einst als rustikaler „Rastelli“ geschätzt, hat als Trainer in Basel großen Erfolg. Ottmar Hitzfeld, sein Ex-Chef, hält ihn für einen möglichen Bayern-Coach.
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Basels Trainer Thorsten Fink
dpa Basels Trainer Thorsten Fink

Thorsten Fink, in München einst als rustikaler „Rastelli“ geschätzt, hat als Trainer in Basel großen Erfolg. Ottmar Hitzfeld, sein Ex-Chef, hält ihn für einen möglichen Bayern-Coach.

MÜNCHEN Er darf jetzt „Du, Ottmar“ sagen. Bei ihrem ersten Treffen in der Schweiz bot Ottmar Hitzfeld Thorsten Fink das Du an. Sie sind ja jetzt Kollegen. Fink hat das Angebot gerne angenommen, sagt am liebsten aber doch immer noch das, was er auch früher immer zu Hitzfeld gesagt hat: „Chef“.

Sechs Jahre war Hitzfeld Finks Trainer beim FC Bayern. Gemeinsam gewannen sie vier Meisterschaften und 2001 den Henkelpott. Finks Spiel war von Leidenschaft, Kampf und Disziplin geprägt – mit manchen überaus lichten Momenten. In der Zwischenrunde der Champions League 2001 machte er gegen Arsenal das Spiel seines Lebens. Fortan nannten sie ihn, den Mittelfeldabräumer, „Rastelli“. Fink war einer jener Spieler, die Hitzfeld liebte: Ein Meinungsführer in der Kabine, obwohl er nie einen Stammplatz sicher hatte.

Als Basel, der beste und reichste Klub der Schweiz, im Juni 2009 nach dem Abgang des jetzigen Stuttgarter Übungsleiter Christian Gross einen neuen Trainer suchte und irgendwie Fink auf der Kandidatenliste auftauchte, fragte Klubchefin Gigi Oeri Hitzfeld, mittlerweile Schweizer Nationaltrainer, um Rat. Er äußerte sich positiv. „Ich wusste zwar nicht, was er für ein Trainer geworden ist. Aber ich kannte ihn als Spieler, der weiß, wie man Menschen führt“, erklärte Hitzfeld in „SportBild“. Und so wurde Fink, gerade erst beim Zweitligisten Ingolstadt wegen, nun ja, nicht überaus großem Erfolg entlassen, Trainer des Schweizer Serienmeisters FC Basel.

Und hat seitdem Erfolg. Letzte Saison gewann er das Double, heuer erreichte Basel schon die Gruppenphase der Champions League. „Ich weiß, dass man in der Schweiz sehr zufrieden ist mit der Arbeit vom Thorsten", sagt auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der seit seiner Zeit in Genf noch Kontakte in die Schweiz pflegt. Tatsächlich gibt es keinen Grund, nicht zufrieden zu sein mit der Arbeit des 42-Jährigen: Fink lässt offensiv spielen, letzte Saison erzielte Basel die Rekordmarke von 90 Toren in der Liga. Um den großen - und auch international erfahrenen Kader um die Ex-Bundesligastars Alex Frei und Marco Streller bei Laune zu halten, ließ Fink viel rotieren. Damit hatte ja schon Hitzfeld Erfolg.

Und mit dem Erfolgsdruck bei Basel hat er ohnehin kein Problem. Titel wurden auch in München schon immer von ihm verlangt. In Ingolstadt, sagt er heute, seien einige im Klub mit seinem großen Selbstbewusstsein nicht zurecht gekommen. In Basel gibt es damit keine Probleme. Klar, dass er auch vor dem Duell gegen die Bayern sagt: „Wir haben keine Angst vor Bayern." Natürlich weiß er, dass Basel im Normalfall nur wenige Chancen haben dürfte. „Wenn Bayern nicht 100 Prozent bringt, haben wir die Möglichkeit, sie zu schlagen“, sagt Fink. Aber er muss Bayern gar nicht besiegen, um weiter auf sich aufmerksam zu machen. Denn das ist Finks Ziel: Die Champions League sieht er als eine willkommene Bühne, sich zu präsentieren und für höhere Aufgaben zu empfehlen. „Basel ist für mich ein Sechser im Lotto“, sagt er, „je mehr Titel ich sammle, desto interessanter werde ich für internationale Vereine“, sagt Fink. Das glaubt auch Hitzfeld, der seine Trainerkarriere einst ja auch in der Schweiz begann. „Ich bin überzeugt davon, dass Thorsten ein sehr guter Bayern-Trainer sein könnte. Er hat die dafür nötige Mentalität, Selbstbewusstsein und Bodenständigkeit. Bei Basel hat er zudem bewiesen, dass er mit der Favoritenrolle umgehen kann“, sagte Hitzfeld schon. Fink als van Gaal von morgen?

Fink will daran noch nicht denken. Sein nächstes Ziel ist, den Doublegewinn zu wiederholen. „Das ist ein toller Anreiz“, sagt er, „wenn wir das schaffen, ist das natürlich auch gut für meine Visitenkarte.“

Filippo Cataldo

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