Tennis-Legende im Interview: Becker über die Bayern

Sportstars über Bayern die Bayern: Tennis-Legende Boris Becker erklärt in der AZ, wie man mit Niederlagen umgeht – und warum er Schweinsteiger bewundert.
| Matthias Kerber
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Boris Becker ist Botschafter des Online-Sportwettenanbieters youwin.com, der dort eine spezielle CL-Finalwette anbietet.
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AZ: Herr Becker, ein rein deutsches Finale an einer fast mythischen Stätte des Sports in England, da kommen sicher Erinnerungen hoch.

BORIS BECKER: Oh, Sie spielen da offensichtlich auf mein Finale in Wimbledon im Jahre 1991 gegen Michael Stich an. Ein Endspiel, das ich ja leider verloren habe. Das war hart, das war schwer. Aber auch wenn ich an dem Tag nicht auf der Siegerseite stand, war es trotzdem ein ganz großer Tag für den deutschen Sport.

Klar, als Zweiter ist man der erste Verlierer, aber man hat dennoch etwas Großes geleistet, das wird oft vergessen. Nehmen Sie jetzt das Finale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund. Zwei deutsche Mannschaften, die das Champions-League-Finale bestreiten, das hat historische Ausmaße. Wer weiß wann und ob es so etwas wieder geben wird. Wir sollten das einfach genießen.

Sie werden das Spiel live im Wembley-Stadion genießen?

Ja, ich lebe ja auch in London und werde mir das nicht entgehen lassen. Ich Freude mich richtig auf dieses jetzt schon legendäre Spiel.

Dann werden Sie auch sicher wieder viel twittern.

Auf jeden Fall, ich bin ein begeisterter Live-Twitterer und das werde ich mir auch da nicht nehmen lassen.

Wir sprachen über ihre bittere Niederlage im Finale gegen Stich 1991. Damals waren Sie in einer ähnlichen Situation, Sie galten als der große Favorit, so wie die Bayern jetzt auch. Bayern kann ja eigentlich nur verlieren, wie schwer ist es mit so einer Situation mental umzugehen?

Das ist nicht einfach, ganz klar. Wobei ich die Favoritenrolle nicht so eindeutig bei den Bayern sehe. Wer, wie es die Dortmunder geschafft haben, Real Madrid ausschaltet, den darf man nicht unterschätzen. Die Dortmunder haben den Bayern in den letzten zwei Jahren die Meisterschaft weggeschnappt, auch in dieser Saison waren die Duelle sehr eng.

Hat die extrem bittere Niederlage beim Finale dahoam der Bayern gegen Chelsea die Bayern noch stärker gemacht? Auch in Ihrer Karriere hatte man das Gefühl, dass Sie immer am besten waren, wenn der Druck am größten war.

Ich denke, dass die Bayern durch diese Niederlage noch fokussierter, noch schärfer auf den Erfolg sind. Sie werden das schaffen, da bin ich mir sicher. Was den Druck angeht, mir hat er immer geholfen – meine besten Leistungen entstanden immer unter enormem Druck, das ist auch heute noch so.

Das macht das Leben nicht immer einfacher für mich, aber es ist ein Fakt. Die Bayern sind da ähnlich. Dieses Mia san mia, das muss man sich ja erarbeiten, das ist kein Zufallsprodukt, das einem in den Schoss fällt.

An solchen Niederlagen kann man nur wachsen – oder zerbrechen.

Ja, das stimmt. Und diese Niederlage war wirklich extrem bitter. Ich bin zwar auch Fan des FC Chelsea, bin unter anderem mit Frank Lampard, Didier Drogba und John Terry befreundet, aber in dem Spiel war ich natürlich ein Roter. Es war alles angerichtet, man führt in der heimischen Arena bis zur 89. Minute mit 1:0, die Messe ist eigentlich schon gelesen.

Dann der Ausgleich, dann verschießt Robben den Elfmeter, das hatte alles eine extreme Tragik.

Welche Finalniederlage war für Sie als Fan denn bitterer? 1999 gegen Manchester United oder 2012 gegen Chelsea?

Das gibt sich nicht viel. Das war beides brutal. Ich erinnere mich noch genau an 1999, da saß ich mit Franz Beckenbauer auf der Tribüne, weil ich für den Fall, dass die Bayern die Champions League gewinnen, den Pokal übergeben sollte.

Wir sind beim Stand von 1:0 in der 88. Minute in den Lift gestiegen und als wir dann nur kurz später in Barcelona ins Stadion schritten, stand auf der Anzeigentafel 2:1 für Manchester. Wir haben uns angeschaut und konnten es gar nicht glauben. Das tat weh, 2012 tat aber auch weh, da war ich nur nicht organisatorisch so involviert.

Wer ist Ihr Lieblingspieler bei den Bayern?

Ganz klar: Bastian Schweinsteiger. Er ist für mich der Denker und der Lenker auf dem Spielfeld, der emotionale Leader, ein Ausnahmespieler. Er gibt nie auf, trägt wohl ein bisschen Boris Becker in sich. Man kann viele Parallelen ziehen.

Aber ich sage es so: Die Wahrheit liegt auf dem Platz, und wer da seine Leistung nicht bringt, der sollte vorher die Klappe halten. Schweinsteiger bringt seine Leistung und hat es nicht nötig, mit Worten Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Sie sind ja nun auch Botschafter des Wettportals youwin, auf wen wettet denn Boris Becker bei diesem Finale?

In der Tat, bin ich jetzt Botschafter von youwin und habe natürlich auf die Bayern gesetzt. Mein Tipp, die gewinnen mit 3:1. Man kann da auch gegen mich wetten. Sollten die Wettenden verlieren, weil ich recht hatte mit meinem Tipp für die Bayern, erhalten sie sogar ihr Geld zurück. Die Bayern machen das aber!

Gegen jedes andere Team der Welt würde ich zu Dortmund halten, aber es geht eben gegen meinen Verein, die Bayern. Ich bin seit den 70ern, seit den Zeiten von Beckenbauer, Müller, Maier, Breitner Fan des FC Bayern. Als kleiner Bub aus Leimen wollte ich als Fan auch große Glücksgefühle erleben und die Bayern waren damals die Besten, also wurde ich Bayern-Fan und das bin ich heute noch.

Sie triumphierten in Wimbledon, die Bayern können sich in Wembley krönen. Zwei magische Orte des Sports.

Absolut. Wimbledon und Wembley kann man wirklich miteinander vergleichen. Das Stadion hat etwas Magisches an sich, an diesem Ort fanden große Spiele statt, auch mit deutscher Beteiligung, mal mit dem richtigen Ausgang für uns, mal nicht! Aber es ist ein besonderer Ort. Wembley wird für Bayern, was Wimbledon für mich war. Ich hoffe, dass es genau so kommt.

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