Südkurve gegen Union St. Gilloise gesperrt: Weichen die FC-Bayern-Ultras auf andere Blöcke aus?

Beim Pyro-Eklat gegen Sporting wären beinahe die Sprinkleranlagen angesprungen. Nach der Sperrung der Südkurve stellt sich nun die Frage, ob die Ultras gegen Union St.-Gilloise in andere Blöcke ausweichen.
Kilian Kreitmair,
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Patrick Strasser |
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Wie hier während der Corona-Zeit werden auch am Mittwochabend die Stehplätze in der Südkurve leer bleiben. Schuld ist diesmal allerdings zum Glück keine Pandemie, sondern eine Sanktion aufgrund der Pyrotechnik-Vorfälle in Bayerns Spiel gegen Sporting Lissabon.
Wie hier während der Corona-Zeit werden auch am Mittwochabend die Stehplätze in der Südkurve leer bleiben. Schuld ist diesmal allerdings zum Glück keine Pandemie, sondern eine Sanktion aufgrund der Pyrotechnik-Vorfälle in Bayerns Spiel gegen Sporting Lissabon. © Bernd Feil/M.i.S./Pool

Heimlich nicht, aber ziemlich still und leise könnte der FC Bayern am Mittwochabend in der Champions League gegen Union St. Gilloise (21 Uhr, DAZN) vorzeitig ins Achtelfinale einziehen und ein wichtiges Etappenziel erreichen.

Nach dem Pyro-Spektakel der Ultras im Heimspiel gegen Sporting Lissabon am 9. Dezember (3:1) verhängte der europäische Fußballverband Uefa für das Duell mit dem belgischen Meister eine Strafe von 50.000 Euro und eine Sperrung der Sektoren 111 bis 114 im Unterrang.

Die Pyro-Aktion gegen Sporting Lissabon hatte eine saftige Strafe durch die Uefa zur Folge.
Die Pyro-Aktion gegen Sporting Lissabon hatte eine saftige Strafe durch die Uefa zur Folge. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Weil die Vergabe der Tickets für die Südkurve nicht blockweise erfolgt, darf gar keiner rein. Zähneknirschend stornierte der Verein insgesamt 9.336 (!) Karten. "Es ist dem Klub technisch nicht möglich, ausschließlich die 4.800 Tickets für die Blöcke 111 bis 114 gezielt zu stornieren", heißt es in einer FCB-Mitteilung.

Die Preise für die stornierten Karten wurden zurückerstattet. Naturgemäß sind zahlreiche Bayern-Fans, die mit der konzertierten Pyro-Aktion im Dezember nichts zu tun hatten, ziemlich enttäuscht, dass sie diesen Mittwoch nicht ins Stadion können.

Blocksperre in der Champions League: Südkurve mit Statement

Einige ließen ihren Frust über die Ultras in den sozialen Medien aus. Daraufhin meldete sich die Südkurve mit einem offiziellen Statement: "Wir wussten und wissen, dass diese Konsequenzen viele Fans treffen, die keine Verantwortung für unsere Aktion tragen und viele sogar eine andere Meinung dazu haben." Die Aktion hatte laut Südkurve "primär den Zweck, uns nicht der von der Uefa gegen den FC Bayern verhängten Bewährungsstrafe zu beugen, auch wenn dafür Konsequenzen drohen".

Nun folgte die konsequente Ahndung – im Wissen, dass die Bestrafung dann gegen die Belgier im vierten von vier Heimspielen der Ligaphase erfolgt und nicht in einer der wichtigeren K.o.-Runden im weiteren Verlauf. Und überhaupt, so die Kurve in ihrem Statement, sei Pyrotechnik "ein wichtiges Element von Fankultur, das besondere Momente und Atmosphäre schafft".

AZ-Info: Pyro-Aktion der Ultras lässt Aufzüge ausfallen

Aber auch Ärger und Zoff hervorruft. Gegen Lissabon hätte die Aktion noch mehr als Nebel und dicke Luft hervorrufen können. Wie die AZ erfuhr, fielen aufgrund der Pyro-Fackeln Aufzüge in der Allianz Arena aus – ein Sicherheitstool löste die Sicherheitsmaßnahme aus. Mitarbeiter befürchteten darüber hinaus, das Anspringen der Sprinkleranlagen. Die Bosse wurden zwar kurz vor Anpfiff über das Bevorstehende informiert, dennoch hielt Vorstandschef Jan-Christian Dreesen nach der Partie vor den Reportern eine Brandrede.

Dreesen, der einen gutem Draht zu den Ultras pflegt, nannte die Aktion "naturgemäß nicht gut", diese sei "nicht zu akzeptieren". Einige Fans, schimpfte der Bayern-Boss, hätten "eine eigene Definition von Recht. Das ist aber nicht das richtige Recht. Es gibt Regeln, die einzuhalten sind. Und deswegen hat das da nichts zu suchen." Vereinspatron Uli Hoeneß, über all die Jahre in einer On-Off-Beziehung zu den Ultras, nennt sie gerne die "zwei-, dreitausend aktiven Unruhestifter", die ihn immer wieder "wahnsinnig machen".

Weichen die Ultras einfach in andere Blöcke aus?

Mehrere Dinge werden nun am Mittwochabend spannend: Wie viele Ultras gelangen in andere Ränge des Stadions, konnten sich Karten in anderen Blöcken sichern? Nur einige wenige weit verstreut? Oder, was der Stimmung dienlich wäre, en bloc in einem Sektor? Doch welcher Fan war bereit, seine Karte(n) zu tauschen, zu verkaufen? Und wie verhalten sich die sonst eher passiven Fans im Stadion, die nur auf Aktionen auf dem Feld reagieren?

Ergo: Für ihre schöne Stimmung sind diese Fans diesmal selber verantwortlich. "Schade", meinte Bayerns Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlovic, als Kind und Jugendlicher selbst Fan, später sogar Balljunge, und ergänzte: "Denn mit den Fans im Rücken ist unser Spiel immer einen Tick besser." Trainer Vincent Kompany meinte: "Es ist schade. Trotzdem werden noch viele Fans da sein, die vollmotiviert sind. Ich hoffe, dass das nicht noch oft passiert."

Es droht ein Auswärtsspiel in Fröttmaning. Wie international üblich hat der 1897 gegründete Traditionsverein Royale Union Saint-Gilloise genau fünf Prozent an Karten der Stadionkapazität erhalten, also 3.750 Tickets.
Deren Ultras werden ihre Chance auf ein halbes Heimspiel nutzen.

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