"Sehr bedenklich"

Ex-Bayern-Keeper Oliver Kahn rät seinem Nachfolger Michael Rensing, noch mehr zu arbeiten. Die Arbeit von Trainer Jürgen Klinsmann sieht er kritisch.
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Oliver Kahn, der vor der Saison seine Karriere bendete, hat bedenken, ob der neue trainer Jürgen Klinsmann (l.) alles richtig macht.
dpa Oliver Kahn, der vor der Saison seine Karriere bendete, hat bedenken, ob der neue trainer Jürgen Klinsmann (l.) alles richtig macht.

Ex-Bayern-Keeper Oliver Kahn rät seinem Nachfolger Michael Rensing, noch mehr zu arbeiten. Die Arbeit von Trainer Jürgen Klinsmann sieht er kritisch.

AZ: Herr Kahn, mit dem Motivationsprogramm "Ich schaff’s" wollen Sie Kindern an Bayerns Schulen helfen, an sich zu glauben und nicht vom rechten Weg abzukommen. Können Sie nicht auch dem FC Bayern helfen?

OLIVER KAHN: Ich bin nach sieben Spieltagen noch nicht so besorgt, weil der FC Bayern jederzeit wieder in die Erfolgsspur kommen kann. Es wundert mich jedoch schon, da es fast die gleiche Mannschaft ist, die auch letztes Jahr erfolgreich war.

Hat sich zu viel geändert?

Jeder Verein hat eine eigene Philosophie, an der man ein bisschen drehen kann, aber die man nicht völlig über den Haufen werfen sollte. Diese Philosophie hat den Verein ja über Jahrzehnte stark gemacht hat.

Was macht Klinsmann falsch?

Ich bin nicht direkt bei der Mannschaft und kann das nicht beantworten. Außerdem fand ich es als Spieler schon immer unangebracht, wenn ehemalige Spieler aus der Distanz irgendwelche Meinungen zum Besten geben, wenn es mal nicht so läuft.

Packt Klinsmann das?

Er hat die Herausforderung gesucht und ist hoch motiviert. Otto Rehhagel hat mal gesagt: "Wer bei Bayern unterschreibt, muss wissen, was er getan hat."

Hätten Sie sich zu Ihrer Zeit einfach rausrotieren lassen als Kapitän?

Das mit Mark van Bommel ist natürlich schon ein bisschen unglücklich, ganz klar. Ein Kapitän, der auf der Bank sitzt, kann nicht die Rolle ausfüllen, die er sollte. Mark ist in seiner Funktion geschwächt. Ich weiß zwar nicht, was da genau vorgefallen ist, ob der Mark jetzt leistungsmäßig so schlecht war, dass er nicht mehr spielt.

Nach 13 Gegentoren steht auch Ihr Nachfolger Michael Rensing in der Kritik. Haben Sie schon Mitleid mit ihm?

Es liegt nicht nur an ihm allein. Natürlich hat der Michael noch die eine oder andere Schwäche. Die hatte ich in seinem Alter auch. Aber dafür hat der FC Bayern Walter Junghans als Trainer. Er kann an Michaels Schwächen arbeiten.

Was besorgt Sie?

Mir fällt auf, dass die Mannschaft kaum ein Spiel übersteht, ohne dass der Gegner nicht zwei, drei Riesenchancen gehabt hat. Das hat mich als aktiver Spieler immer sehr bedenklich gestimmt. Das war immer das erste, worauf ich hingewiesen habe.

Was raten Sie Rensing?

Ich habe ihm oft gesagt, welcher Druck da auf ihn zukommt und welche schwierigen Situationen auf ihn warten. Jetzt sieht man aber, was es heißt, für diesen Verein zu spielen, und welche Mentalität man braucht.

Was kann Rensing nun tun?

Wenn ich Probleme bei Flanken und Eckbällen habe, ist das eine ganz einfache Kiste: Dann muss ich das trainieren! Früher habe ich mir vom Amateurtrainer vier Amateure geholt, zwei in die Mitte gestellt, zwei haben geflankt. Und das stundenlang, bis es letztendlich funktioniert hat.

Sollte Rensing raus?

Ganz klar: Nein! Er muss da jetzt durch. Michael hat vielleicht schwerer zu kämpfen als ein erfahrener Torwart. Aber: Mit einem Torwart, der mehr Erfahrung hat, würde Bayern in der momentanen Situation auch nicht besser dastehen.

Interview: Reinhard Franke

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