Sammer motzt: "Ein richtiger Käse. Lätschern!"

Ein 2:0 in Bremen, der sechste Sieg im sechsten Ligaspiel. Alles bestens also beim FC Bayern? - Von wegen! Sportchef Sammer schimpft in bester Uli Hoeneß-Manier.
| Patrick Strasser
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2:0 bei Werder Bremen. Der sechste Sieg im sechsten Ligaspiel – und das ohne den verletzten Arjen Robben sowie der Luxus-Rotation von Trainer Jupp Heynckes, von Beginn an auf Top-Stürmer Mario Mandzukic und Javi Martínez (angeschlagen) zu verzichten. Alles bestens beim FC Bayern dank der späten Tore durch Luiz Gustavo und Mandzukic? Von wegen!

Bremen- Während die Spieler wie Trainer Jupp Heynckes nicht glücklich über die Spielweise, jedoch über den Ertrag, also die drei Punkte waren, polterte Sportvorstand Matthias Sammer nach der Partie wie man es sonst nur von Präsident Uli Hoeneß kannte, der als Manager oft gerade nach Erfolgen mahnende Worte fand – meist deftig präsentiert.

Diesmal also Sammer, der schon nach dem 3:0 unter der Woche gegen Wolfsburg davon gesprochen hatte, dass die „Gier“ (sein Schlüsselwort) auf Siege und Erfolge nicht nachlassen dürfe. Vor allem dann, wenn's ja zu laufen scheint. Doch die sehr zurückhaltende bis tatsächlich schläfrige Spielweise in der ersten Halbzeit im Weserstadion gefiel dem 46-Jährigen ganz und gar nicht. „Es ist gut, dass wir das Spiel gewonnen haben“, erklärte er bei „Liga total!“, ergänzte jedoch: „Aber im Prinzip war es lange Zeit ein richtiger Käse!“

Vor allem der Leerlauf, den er in vielen Phasen im Spiel seiner Mannschaft gesehen hatte, missfiel Sammer. „Heute reden wir - wenn wir über das Ergebnis reden - über etwas Positives. Wenn wir über das Bild an sich reden bis zum 1:0 und die Leistung an sich, dann haben viele Spieler ihr Potenzial heute nicht abgerufen.“

Später wurde er im Gespräch mit Reportern noch deutlicher: „Vom Auftreten her waren wir heute recht lätschern. Wir waren nicht hellwach, wir waren nicht gallig! Dafür müssen wir die Ursachen suchen. Es kann sein, dass es menschelt, dann war es eben einer dieser Tage. Vielleicht ging nicht mehr.“

Der Mannschaft hingegen war die Freude und Erleichterung über den Dreier – vor allem beim exzessiven Torjubel – deutlich anzumerken. Doch Sammer meinte: „Wenn Training ist und wenn ein Spiel ist, dann muss die Laterne an sein – dann aber so richtig. Heute hat sie nur leicht geglimmt.“ Könnte einer der Gründe aufkommende Zufriedenheit, gar Überheblichkeit sein? Sammer weiter: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht mit hängenden Schultern herumlaufen, weil zu viele Leute zu viel draufgeklopft haben. Ich sage immer: Wehret den Anfängen! Was immer in diesem Fall der Anfang ist. Wir müssen in Gesprächen mit dem Trainer und den Spielern die Ursachen suchen.“

Trainer Jupp Heynckes, auf die Aussagen von Sammer nicht angesprochen, sah den 2:0-Erfolg so: „Wir haben zu langsam aus dem defensiven Mittelfeld nach vorne gespielt. Kein Esprit, nicht lebendig genug. Ich habe in der Pause deutliche Worte gefunden, danach wurde es besser. Es ist aber nicht immer möglich, den Gegner 90 Minuten an die Wand zu spielen und schlecht aussehen zu lassen.“

Bei „Sky“ begründete Sammer seinen Unmut über die lasche Einstellung so: „Wenn es normal ist vom Rhythmus mal so ein Spiel zu absolvieren, dann nehmen wir es mit. Wenn es im Kopf war, dann können wir es nicht mitnehmen. Es geht darum, die Leistung zu bewerten, es geht nicht immer nur darum, das Ergebnis zu bewerten.“

Eine Frage bleibt: Hat Sammer mit seiner Kritik Recht oder übertreibt der neue Sportvorstand angesichts der makellosen Bilanz in dieser Saison?

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