Interne Neuzugänge statt Millionen-Deals: Bayerns ruhiger Winter zahlt sich aus

Der FC Bayern hat sich in dieser Saison auf dem Winter-Transfermarkt merklich zurückgehalten - auch aufgrund der Erfahrung aus den Vorjahren. Im Aufsichtsrat wird das mit Wohlwollen registriert.
Bernhard Lackner |
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Gratulation! Mit dem Verzicht auf einen oder mehrere Wintereinkäufe liegt Max Eberl voll auf Linie von Uli Hoeneß, der bekanntlich von diesen Transfers überhaupt nichts hält.
Gratulation! Mit dem Verzicht auf einen oder mehrere Wintereinkäufe liegt Max Eberl voll auf Linie von Uli Hoeneß, der bekanntlich von diesen Transfers überhaupt nichts hält. © IMAGO/osnapix

Rien ne va plus – nichts geht mehr auf dem Transfermarkt! Seit Montagabend ist das Winter-Fenster in den europäischen Top-Ligen geschlossen.

Geht es nach dem FC Bayern, hätte es heuer auch gar nicht zwingend öffnen müssen. Während andere Klubs wie Pokal-Gegner RB Leipzig bis zum Deadline-Day noch fleißig eingekauft haben, hat man an der Säbener Straße 51 eine ruhige Kugel geschoben.

"Wir schauen nicht nach draußen, weil wir unseren Kader haben", hatte Sportvorstand Max Eberl bereits im Dezember angekündigt und klargestellt: "Wir können im Winter Dinge vorbereiten, die vielleicht im Sommer interessant werden können. Aber im Winter werden wir nichts Externes dazuholen."

Einzige Transfer-Bewegung war der ohnehin schon verliehene Bryan Zaragoza, der künftig nicht mehr für Celta Vigo, sondern für die AS Rom aufläuft. Von Neuverpflichtungen hat der Rekordmeister – abgesehen vom 18-jährigen Baro Sapoko Ndiaye, der von Partnerklub Gambinos Stars Jahr ausgeliehen wurde und ein halbes Jahr in München vorspielen darf – gänzlich die Finger gelassen. Und das hat Gründe.

Bryan Zaragoza läuft bis zum Saisonende für die AS Rom auf.
Bryan Zaragoza läuft bis zum Saisonende für die AS Rom auf. © IMAGO/Antonio Pozo / PRESSIN

FC Bayern setzt auf "interne Winter-Neuzugänge"

Sportlich lief es über weite Strecken der Saison sehr gut, zudem hat der Kader zuletzt dank der Rückkehr der langzeitverletzten "internen Neuzugänge" Jamal Musiala, Alphonso Davies und Hiroki Ito an Breite dazugewonnen. Wirklicher Bedarf für Neuzugänge bestand also nicht. Jetzt zahlt sich für Eberl und Sportdirektor Christoph Freund aus, dass die Bosse im vergangenen Sommer ihre Transfer-Hausaufgaben erledigt haben.

Womöglich fahren die Bayern mit ihrer Zurückhaltung auf dem Transfermarkt ohnehin am besten. Vor allem Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist kein großer Freund von Winter-Neuzugängen. Spieler, die einen Kader wie den des FC Bayern besser machen, lassen sich zur kalten Jahreszeit schließlich kaum finden – und wenn, dann nur für teures Geld verpflichten.

Hoeneß brachte es einst simpel auf den Punkt: "Wer im Winter nachkauft, der hat im Sommer keine gute Arbeit gemacht." Und das kann man der sportlichen Führung um Eberl und Freund nun wirklich nicht vorwerfen.

Beim FC Bayern zahlen sich die Sommer-Transfers aus

Mit Jonathan Tah und Luis Díaz wurden zwei Stammspieler und Leistungsträger geholt, mit Tom Bischof eines der hoffnungsvollsten Mittelfeld-Talente Deutschlands. Alle haben die Erwartungen mindestens erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Auch sonst kommt der Kader, dem vor einem halben Jahr nicht wenige die nötige Breite abgesprochen haben, bislang gut durch die Saison.

Unabhängig davon haben die Bayern mit Winter-Neuzugängen über die Jahre hinweg eh nicht die besten Erfahrungen gemacht. Sinnbildlich dafür steht die Personalie Sacha Boey. Der französische Rechtsverteidiger kam vor zwei Jahren für satte 30 Millionen Euro von Galatasaray, setzte sich – auch aufgrund zahlreicher Verletzungen - aber nie wirklich durch.

Sacha Boey hat beim FC Bayern keine Zukunft mehr

Weil er für eine geplante Einwechslung beim Auswärtsspiel bei Union Berlin im November nicht entsprechend vorbereitet war und ihn Trainer Vincent Kompany daher kurzerhand auf der Bank ließ, hat zudem sein Standing beim Chefcoach und innerhalb der Mannschaft gelitten. Boey und die Bayern – das wird nichts mehr.

Hat beim FC Bayern keine Zukunft mehr: Sacha Boey
Hat beim FC Bayern keine Zukunft mehr: Sacha Boey © IMAGO/HMB-Media

Zu der Erkenntnis ist man auch innerhalb des Klubs gelangt, weshalb ihn der Verein nach AZ-Informationen sehr gerne verkauft hätte. Angebote aus seiner Heimat von Olympique Lyon und Marseille lehnte Boey aber ab – weil er bei einem Wechsel Abstriche beim Gehalt machen müsste. So bleiben die Bayern auf einem Spieler sitzen, der einst für viel Geld geholt wurde und der ein Millionensalär verdient. Für den Klub eine äußerst unbefriedigende Situation.

Goretzka hätte gehen dürfen, entschied sich aber für einen Verbleib

Boey ist derweil nur einer von mehreren Winter-Neuzugängen, die bei den Bayern nicht wirklich zünden wollten und teilweise richtig floppten. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Kaderplaner des Rekordmeisters in der kalten Jahreszeit auch immer wieder ein gutes Händchen bewiesen:

Tops
Spieler Jahr Verein Ablöse
Alphonso Davies 2019 Vancouver Whitecaps 14 Millionen
Luiz Gustavo 2010 TSG Hoffenheim 17 Millionen
Joao Cancelo 2023 Manchester City Leihe
Eric Dier 2024 Tottenham Hotspur Leihe
Sandro Wagner 2018 TSG Hoffenheim 13 Millionen
Flops
Spieler Jahr Verein Ablöse
Sacha Boey 2024 Galatasaray 30 Millionen
Bryan Zaragoza 2024 FC Granada 17 Millionen
Alvaro Odriozola 2020 Real Madrid Leihe
Breno 2008 FC Sao Paulo 12 Millionen
Landon Donovan 2009 LA Galaxy Leihe

Neben Boey hätten die Bayern im Winter auch gerne einen weiteren Abgangskandidaten zu Geld gemacht: Leon Goretzka. Der Mittelfeldspieler, der am Freitag seinen 31. Geburtstag feiert und beim Rekordmeister nur noch eine Nebenrolle spielt, stand insbesondere bei Atlético Madrid ganz oben auf dem Wunschzettel. Er entschied sich aber gegen einen Wechsel in die spanische Hauptstadt und für einen Verbleib bei den Bayern, wo sein Vertrag im Sommer ausläuft. Wo es ihn dann hinzieht, steht noch nicht fest.

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