Interne Neuzugänge statt Millionen-Deals: Bayerns ruhiger Winter zahlt sich aus
Rien ne va plus – nichts geht mehr auf dem Transfermarkt! Seit Montagabend ist das Winter-Fenster in den europäischen Top-Ligen geschlossen.
Geht es nach dem FC Bayern, hätte es heuer auch gar nicht zwingend öffnen müssen. Während andere Klubs wie Pokal-Gegner RB Leipzig bis zum Deadline-Day noch fleißig eingekauft haben, hat man an der Säbener Straße 51 eine ruhige Kugel geschoben.
"Wir schauen nicht nach draußen, weil wir unseren Kader haben", hatte Sportvorstand Max Eberl bereits im Dezember angekündigt und klargestellt: "Wir können im Winter Dinge vorbereiten, die vielleicht im Sommer interessant werden können. Aber im Winter werden wir nichts Externes dazuholen."
Einzige Transfer-Bewegung war der ohnehin schon verliehene Bryan Zaragoza, der künftig nicht mehr für Celta Vigo, sondern für die AS Rom aufläuft. Von Neuverpflichtungen hat der Rekordmeister – abgesehen vom 18-jährigen Baro Sapoko Ndiaye, der von Partnerklub Gambinos Stars Jahr ausgeliehen wurde und ein halbes Jahr in München vorspielen darf – gänzlich die Finger gelassen. Und das hat Gründe.

FC Bayern setzt auf "interne Winter-Neuzugänge"
Sportlich lief es über weite Strecken der Saison sehr gut, zudem hat der Kader zuletzt dank der Rückkehr der langzeitverletzten "internen Neuzugänge" Jamal Musiala, Alphonso Davies und Hiroki Ito an Breite dazugewonnen. Wirklicher Bedarf für Neuzugänge bestand also nicht. Jetzt zahlt sich für Eberl und Sportdirektor Christoph Freund aus, dass die Bosse im vergangenen Sommer ihre Transfer-Hausaufgaben erledigt haben.
Womöglich fahren die Bayern mit ihrer Zurückhaltung auf dem Transfermarkt ohnehin am besten. Vor allem Ehrenpräsident Uli Hoeneß ist kein großer Freund von Winter-Neuzugängen. Spieler, die einen Kader wie den des FC Bayern besser machen, lassen sich zur kalten Jahreszeit schließlich kaum finden – und wenn, dann nur für teures Geld verpflichten.
Hoeneß brachte es einst simpel auf den Punkt: "Wer im Winter nachkauft, der hat im Sommer keine gute Arbeit gemacht." Und das kann man der sportlichen Führung um Eberl und Freund nun wirklich nicht vorwerfen.
Beim FC Bayern zahlen sich die Sommer-Transfers aus
Mit Jonathan Tah und Luis Díaz wurden zwei Stammspieler und Leistungsträger geholt, mit Tom Bischof eines der hoffnungsvollsten Mittelfeld-Talente Deutschlands. Alle haben die Erwartungen mindestens erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Auch sonst kommt der Kader, dem vor einem halben Jahr nicht wenige die nötige Breite abgesprochen haben, bislang gut durch die Saison.
Unabhängig davon haben die Bayern mit Winter-Neuzugängen über die Jahre hinweg eh nicht die besten Erfahrungen gemacht. Sinnbildlich dafür steht die Personalie Sacha Boey. Der französische Rechtsverteidiger kam vor zwei Jahren für satte 30 Millionen Euro von Galatasaray, setzte sich – auch aufgrund zahlreicher Verletzungen - aber nie wirklich durch.
Sacha Boey hat beim FC Bayern keine Zukunft mehr
Weil er für eine geplante Einwechslung beim Auswärtsspiel bei Union Berlin im November nicht entsprechend vorbereitet war und ihn Trainer Vincent Kompany daher kurzerhand auf der Bank ließ, hat zudem sein Standing beim Chefcoach und innerhalb der Mannschaft gelitten. Boey und die Bayern – das wird nichts mehr.

Zu der Erkenntnis ist man auch innerhalb des Klubs gelangt, weshalb ihn der Verein nach AZ-Informationen sehr gerne verkauft hätte. Angebote aus seiner Heimat von Olympique Lyon und Marseille lehnte Boey aber ab – weil er bei einem Wechsel Abstriche beim Gehalt machen müsste. So bleiben die Bayern auf einem Spieler sitzen, der einst für viel Geld geholt wurde und der ein Millionensalär verdient. Für den Klub eine äußerst unbefriedigende Situation.
Goretzka hätte gehen dürfen, entschied sich aber für einen Verbleib
Boey ist derweil nur einer von mehreren Winter-Neuzugängen, die bei den Bayern nicht wirklich zünden wollten und teilweise richtig floppten. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Kaderplaner des Rekordmeisters in der kalten Jahreszeit auch immer wieder ein gutes Händchen bewiesen:
| Spieler | Jahr | Verein | Ablöse |
|---|---|---|---|
| Alphonso Davies | 2019 | Vancouver Whitecaps | 14 Millionen |
| Luiz Gustavo | 2010 | TSG Hoffenheim | 17 Millionen |
| Joao Cancelo | 2023 | Manchester City | Leihe |
| Eric Dier | 2024 | Tottenham Hotspur | Leihe |
| Sandro Wagner | 2018 | TSG Hoffenheim | 13 Millionen |
| Spieler | Jahr | Verein | Ablöse |
|---|---|---|---|
| Sacha Boey | 2024 | Galatasaray | 30 Millionen |
| Bryan Zaragoza | 2024 | FC Granada | 17 Millionen |
| Alvaro Odriozola | 2020 | Real Madrid | Leihe |
| Breno | 2008 | FC Sao Paulo | 12 Millionen |
| Landon Donovan | 2009 | LA Galaxy | Leihe |
Neben Boey hätten die Bayern im Winter auch gerne einen weiteren Abgangskandidaten zu Geld gemacht: Leon Goretzka. Der Mittelfeldspieler, der am Freitag seinen 31. Geburtstag feiert und beim Rekordmeister nur noch eine Nebenrolle spielt, stand insbesondere bei Atlético Madrid ganz oben auf dem Wunschzettel. Er entschied sich aber gegen einen Wechsel in die spanische Hauptstadt und für einen Verbleib bei den Bayern, wo sein Vertrag im Sommer ausläuft. Wo es ihn dann hinzieht, steht noch nicht fest.
