Red Bull Leipzig wird zum Top-Verfolger vom FC Bayern München

RB Leipzig ist nach acht Spielen weiter unbesiegt – und jagt den FC Bayern. "Die sind sehr gefährlich", warnt Hummels. Rummenigge fordert "Respekt" ein. Die AZ erklärt, was den Aufsteiger so stark macht.
| Maximilian Koch
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Jubel nach dem 3:1-Sieg gegen Bremen: Coach Ralph Hasenhüttl (Mitte) und die Spieler von Aufsteiger RB Leipzig.
dpa Jubel nach dem 3:1-Sieg gegen Bremen: Coach Ralph Hasenhüttl (Mitte) und die Spieler von Aufsteiger RB Leipzig.

München - Die Bayern hatten ihren Scout geschickt, ihren Leipzig-Insider. Ist die Bedrohung durch den Aufsteiger tatsächlich schon so ernst? Nein, Joshua Kimmich war eher aus privaten Gründen am Sonntag nach Sachsen gereist. Gemeinsam mit Freundin Lina saß er auf der Tribüne der Red Bull Arena und sah den 3:1-Sieg gegen Werder Bremen. Kimmich hatte von 2013 bis 2015 für RB gespielt, er hält nach wie vor engen Kontakt zu seinen Ex-Kollegen, im Sommer feierte er sogar auf der offiziellen Aufstiegsparty der Bullen mit.

"Die sind sehr gefährlich"

Zurück nach München dürfte Kimmich mit einer ähnlichen Feststellung gereist sein, zu der auch Mats Hummels am Samstagabend nach dem Sieg gegen Gladbach kam. "Die sind sehr gefährlich", sagte der Abwehrstar. "Ich fand sie bislang sehr überzeugend."

Acht Spieltage sind in der Bundesliga nun absolviert – und der erste Verfolger des FC Bayern heißt RB Leipzig. Das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl, dem Grazer, der früher für die Bayern-Amateure spielte, hat noch keine einzige Partie verloren, liegt nur zwei Punkte hinter dem Tabellenführer auf Rang zwei. Mehr noch: RB knackte mit dem Erfolg gegen Bremen die Marke des 1. FC Kaiserslautern, der als Aufsteiger 1997/98 die ersten sieben Saisonspiele nicht besiegt worden war. Und am Ende sensationell Meister wurde.

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Ist ein solcher Triumph auch den Leipzigern zuzutrauen? Schon in ihrer ersten Bundesliga-Saison? "Wir müssen insgesamt demütig bleiben und uns die Gier erhalten", sagte Hasenhüttl. Die Rolle als Bayern-Jäger wollen die Bullen (noch) nicht annehmen. "Wenn wir nach dem zehnten Spieltag immer noch da stehen, dann können wir sagen, dass wir auf einem richtig guten Weg sind", sagte Sportdirektor Ralf Rangnick bei Sky.

Schon jetzt ist RB auf einem besseren Weg als Borussia Dortmund, der erwartete Konkurrent der Bayern, der mit sechs Punkten Rückstand nur auf Platz sechs rangiert. "Hertha, Köln oder Leipzig machen das gut. Vor diesen Teams muss man Respekt haben", sagt Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Wie Hummels und Torhüter Manuel Neuer sieht er den BVB allerdings weiter als stärksten Gegner: "Borussia Dortmund ist die Mannschaft mit dem größten Potenzial – nach uns."

Leicester City als Vorbild

Stimmt das? Leipzig hat nicht nur die jüngste Mannschaft der Liga (23,6 Jahre), sondern auch herausragende finanzielle und infrastrukturelle Möglichkeiten. Hinter dem Aufsteiger steht schließlich Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, dessen Vermögen auf mehr als zwölf Milliarden Euro geschätzt wird. Damit hat er den Bullen nicht nur eines der modernsten Nachwuchszentren Europas bauen lassen, RB investiert auch schon im ersten Bundesliga-Jahr kräftig in die Mannschaft: Im Sommer gab Leipzig insgesamt 50 Millionen Euro für neue Spieler aus – Platz vier hinter Bayern, Dortmund und Wolfsburg. Red Bull hat sich klar für Leipzig als neuen Fußball-Standort entschieden, das Team in Salzburg dient fast nur noch als Spieler-Lieferant. Der Bullen-Angriff, der auch für die Bayern zur Bedrohung werden könnte.

Robert Lewandowski erwähnte zuletzt schon Leicester City, Englands Sensationsmeister, als er auf Leipzig angesprochen wurde. Hummels sagt: "Man muss sie auf dem Zettel haben. Ralph Hasenhüttl hat immer einen super Job gemacht bei seinen Vereinen. Ich bin ein Fan von seiner Arbeit. Das, gepaart mit der individuellen Qualität der Mannschaft, macht Leipzig so stark." Hasenhüttl kann gut mit jungen Spielern umgehen, das bewies er beim FC Ingolstadt, den er aus den Niederungen der 2. Liga in die Bundesliga führte.

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Es ist dieser klare Rangnick-Plan, auf Talente zu setzen, der RB inzwischen auch immer mehr Sympathien einbringt. In Leipzig sowieso, wo man lange nach Erstligafußball gelechzt hat. Aber auch im Rest von Deutschland. Rangnick holt nur Spieler unter 23 Jahren, das Gehaltslimit liegt bei drei Millionen Euro, die Ablösegrenze bei 20 Millionen. Hasenhüttl soll ein junges Team formen mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs. Wie gut das schon klappt, weiß jetzt auch Joshua Kimmich. Die Bayern sind gewarnt.

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