Raus mit Applaus: FC Bayern scheidet im Halbfinale gegen Paris Saint-Germain aus
Perdu! Raus mit Applaus – und doch verdient über beide Spiele. Die Bayern haben alles gegeben, alles versucht. Es hat nicht sollen sein. Aus der Traum vom Finale der Champions League am 30. Mai in Budapest. Aus der Traum vom Triple!
FC Bayern scheitert im 14. Halbfinale der Champions League
Paris St.Germain war an diesem Abend im Hexenkessel Allianz Arena das bessere Team, das 1:1 im Halbfinal-Rückspiel nach der Führung durch Weltfußballer Ousmane Dembélé und dem späten Ausgleich von Harry Kane reichte nicht. Die Münchner scheiterten nach großem Kampf in ihrem 14. Halbfinale der Champions League (sechsmal im Finale) gegen den Titelverteidiger, der mehrmals das 0:2 auf dem Fuß hatte.
Trainer Vincent Kompany, ganz in Schwarz und mit weißen Sneakern an der Seitenlinie, hatte seine Mannschaft auf das Spiel der Saison – in der Hoffnung, dass es nicht das letzte Spiel der Saison ist – eingeschworen. Seine Maßnahmen erklärte der 40-jährige Belgier am DAZN-Mikrofon: "Wir haben aufgearbeitet, was wir besser machen können – aber ohne zu verlieren, was uns stark macht." Und: "Wir haben verdient zu träumen – aber jetzt müssen wir das auf den Platz bringen."
Dembélé sorgte für frühen Rückstand
Details, so betonten beide Trainer, würden dieses Halbfinal-Rückspiel entscheiden. Das erste klitzekleine Ärgernis: Die Bayern konnten nach der Seitenwahl nicht – wie stets am liebsten – nicht erst auf die Nordkurve und wenn es nach der Pause darauf ankommt, auf ihre Südkurve spielen. Schlimmer natürlich der echte Nackenschlag: das 0:1. Was die Münchner unbedingt verhindern wollten, geschah in der dritten Minute. Linksaußen Khvicha Kvaratskhelia konnte über Bayerns rechte Abwehrseite (Laimer) durchbrechen und in die Mitte passen, dort verwandelte Ousmane Dembélé mit Karacho unter die Latte. Puh. 0:1, machte insgesamt 4:6.
Aber wenn eine Mannschaft das verkraften und umbiegen kann, dann diese Comeback-Bayern. Rückstände? Pah – mehr Antrieb als Hemmnis. Fünf Mal in den vergangenen sechs Spielen gerieten die Kompanyaner ins Hintertreffen, verloren davon nur das Hinspiel in Paris. Das 0:1 war ein Stimmungsdämpfer, zog aber nicht den Stecker in dieser atemberaubenden Atmosphäre. "Alle in Rot" - diesem Aufruf der Fans an die Fans kam ein Großteil nach. Die Anhänger beherzigten die Aufforderung von Vereinslegende Thomas Müller. "Macht diesen Abend zu der besten Fußball-Atmosphäre, die es je gegeben hat", richtete der 36-Jährige aus seiner Wahlheimat Vancouver aus.

FC Bayern reagiert nicht kopflos auf den Rückschlag
Alle gaben alles. Fußball pur. Höchstes Niveau, höchste Intensität. Ständiges Drama. Auf jedem Zentimeter, in jeder Sekunde. Die Bayern reagierten nicht wütend, nicht kopflos auf den Rückstand. Routinierte Offensive, sie schalteten auf den oft genug geübten Umbiege-Modus. Erst mit umstrittenen Entscheidungen von Schiedsrichter Joao Pinheiro aus Portugal. Als Vitinha bei einem Klärungsversuch im eigenen Strafraum Joao Neves an den abgespreizten Arm schoss, forderten die Gastgeber Handelfmeter. Der VAR griff nicht ein – weil keine Absicht? Höchst umstritten. Das Stadion erbebte vor Zorn.
Nun waren die Biest-Bayern, gekleidet in den neuen Heimtrikots der kommenden Saison, so richtig auf Temperatur. Das Anrennen auf das Tor des unsicheren PSG-Keepers Matvey Safonov brachte keinen Ertrag. Musiala scheiterte aus bester Position mit links (44.) - da war mehr drin- Pause. Luft holen. Diesmal wichtiger als Bier holen.

FC Bayern kann noch Double gewinnen
Dem Rückstand hinterher – weiter, immer weiter. Was das Körner kostete! Torhüter Manuel Neuer bewahrte seine Elf auch in Halbzeit zwei erneut mit starken Paraden vor dem wohl vorentscheidenden 0:2. PSG wirkte bei Angriffen mit seinen schnellen Spitzen stets gefährlicher, die Bayern (vor allem Díaz und Olise) ließen die letzte Konsequenz im Abschluss vermissen. Von Minute zu Minute schwand die Hoffnung, lähmte die Aktionen. Hektik und Verzweiflung machten sich breit. In der Nachspielzeit erzielten die tapferen Bayern noch das 1:1 durch Kane. Zu spät.
Meister sind sie und haben noch das Pokalfinale am 23. Mai in Berlin gegen den VfB Stuttgart – das Double wäre doch ein feines Trostpflaster.
