Pep Guardiola: "Ich bin ein Münchner!"

Pep Guardiola besteht die Weißbiertaufe – und bekundet auf dem Rathausbalkon seine Liebe zum FC Bayern. Nur die Meisterschale entgleitet einmal: „Sie ist sehr schön, aber schwer und glitschig“
| Patrick Strasser
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München - Aufrecht, mannhaft. Sicher nicht furchtlos. Pep Guardiola ließ es geschehen. Der Bayern-Trainer wusste: Flüchten ist nicht, also stellte er sich. Wie eine Statue verharrte, breitete die Arme weit aus, den offiziellen Meisterwimpel noch zusammengerollt in der rechten Hand.

Den ersten Weißbier-Tsunami bekam der Spanier von Jérôme Boateng verpasst, doch das war nur der Anfang. Kurz danach nahm er die Mia-san-Mia-Taufe von Koloss Daniel Van Buyten entgegen, mit Meisterschale als Schutzschild über dem Kopf – vergebens. Torhüter Manuel Neuer machte den Coach dann endgültig nass.

„Kalt, sehr gut“, sagte Guardiola über sein erstes Mal. „Aber es hat in den Augen gebrannt.“ Ob er auch Bier getrunken habe? „Natürlich!“ Und Kopfschmerztabletten vorbereitet? „Nein, das ist kein Problem. Samstag und Sonntag ist zum Feiern da.“

Sehen Sie hier: Die besten Pep-Bilder!

Schnell hat der Katalane das bayerische Jubelritual verstanden. Patschnass und verklebt setzte er eines der Drei-Liter-Gläser am Mund an, alles nur Tarnung. Dem vorbeischleichenden Toni Kroos verpasste Guardiola mit diesem Täuschungsmanöver einen ordentlichen Schwall. Wer sagt denn, dass der Spanier keine Konter beherrscht? Listig, kaltblütig und zielgenau wie Real Madrid im Champions-League-Halbfinale. Doch das 0:4 war am Samstag weit weg.

„Die erste Meisterschaft ist für den FC Bayern ein weiterer Titel, aber sehr speziell für einen Katalanen. Ich bin sehr stolz“, sagte Guardiola, dessen Kinder ihm auf dem Rasen ein Küsschen verweigerten – wehe, wenn der Papa stinkt. Seiner Frau Cristina und den extra eingeflogenen Eltern präsentierte Guardiola später die Schale, die unversehrte. Ganz so routiniert ist der Bayern-Coach nach seiner ersten Saison im Feiern noch nicht. Die früheste Meisterschaft aller Zeiten glitt ihn am frühesten aus den Händen, sie lag auf dem Boden. „Die Schale ist sehr schön, aber auch sehr schwer und glitschig“, meinte er zur Entschuldigung.

Auf dem Rathausbalkon wirkte er irritiert, als sich Franck Ribéry („Ich bin Pep! Wo bin isch?“) ein zweites Mikro geschnappt hatte und die Rede des Spaniers lausbubig störte. Doch da hatte Guardiola seine Kernbotschaft schon den 15000 Fans am Marienplatz verkündet. „Ich bedanke mich beim FC Bayern für diese Gelegenheit, hier zu sein.“ die Fans feierten ihn mit „Pep! Pep! Pep!“-Chören.

Er hielt seine Wadln nicht über die Brüstung wie einst Louis van Gaal 2010, stimmte auch nicht in die Fangesänge ein wie Jupp Heynckes letztes Jahr – nein, Guardiola punktete mit einem Dreisatz: „Ich liebe Euch, ich bin ein Münchner, mia san mia.“ Oans, zwoa, gwunna – die Herzen.

Und das Pokalfinale nächsten Samstag gegen den BVB? „Wenn wir gewinnen, ist es ein gutes Jahr. Wenn nicht, wird der Sommer wahrscheinlich schwierig“, meinte Pep. Klappt es mit dem Double, wird er wieder nass. Und Vorsicht, der Pokal! Zerbrechlich!

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