Pep Guardiola: Beim FC Bayern unter Strom

Pep Guardiola ist dieser Tage leicht reizbar. Er versteht die Kritik an seinen Bayern nicht, denn der Trainer denkt in anderen Dimensionen.
| Patrick Strasser
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Pep Guardiola, der emotionale Fußball-Visionär der Bayern.
firo Augenklick Pep Guardiola, der emotionale Fußball-Visionär der Bayern.

München - Pep Guardiola nahm eine Plastikflasche mit stillem Wasser, setzte an und trank den halben Liter in einem Rutsch. Er musste Wut runterschlucken. Dabei schloss der Bayern-Trainer die Augen und wünschte sich weg, weit weg. Es war der Moment, als ein TV-Reporter erneut nachhakte, warum Robert Lewandowski vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV am Samstag so torlos daherkomme.

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Der Himmel war strahlend blau über Harlaching am Freitag, inklusive eisiger Februar-Kälte. Guardiola saß in einem Polo-Shirt auf dem Podium des Pressekonferenzraumes an der Säbener Straße. Er wünschte sich weg von hier. Hin zum einzigen Ort der Wahrheit: auf den Fußballplatz, den Rasen. Alles andere, das leidige Drumherum, das ein Trainer von Weltruf wie er über sich ergehen lassen muss, darauf könnte er verzichten. Zig DVDs schauen, den Gegner erst in Gedanken, dann auf dem Spielfeld taktisch zerlegen – das ist seine Welt. Mit seinem Trainerteam und seinen Spielern tagtäglich arbeiten, in Gedanken sekündlich – aber trotzdem das große Ganze sehen. Eine Saison als Gesamtkunstwerk. Drei Jahre Bayern sind eine Aufgabe. So versteht der 44-Jährige seinen Job.

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Und die Realität? Für ihn nur Momentaufnahme. Ergebnisse sind Teil der Entwicklung. 1:4, 1:1, 2:0. Krise?! Mini-Krise! Man hat mehr erwartet vom Hinrunden-Dominator. Da explodiert Guardiola innerlich, bemüht sich vor Kameras aber um Contenance. Man spürt: Er könnte ausflippen wie sonst nur an der Seitenlinie, wenn einer seiner Spieler im Aufbau einen Pass nach rechts schlägt obwohl Pep links in wenigen Momenten einige Quadratzentimeter Raum mehr visioniert.

Das ist Fußball. Nicht das Geplapper dieser Experten! „Bisher haben wir es überragend gemacht. Elf Punkte Vorsprung nach der Vorrunde!“ Pep setzt in seine Stimme Ausrufezeichen. „Vor der Saison haben viele gesagt, nach dieser WM in Brasilien, mit all den Weltmeistern, sind wir nicht der Favorit der Bundesliga.“ Er will sagen: Und jetzt? Mäkelt man an einer Bilanz von vier Punkten aus drei Spielen, wenn doch das große Ganze für ihn, für seinen Plan spricht. Das kann er nicht verstehen. Wie so vieles. Diese Schiedsrichter, die sein kreatives Coaching in einer Zone reglementieren! Und: Warum soll, warum muss er sich ständig äußern über seine Zukunft nach Ablauf des Dreijahresvertrages im Sommer 2016? Katars Verband wolle ihn mit Geld überschütten, um die Nationalelf des Golfstaates flott zu bekommen. Heißt es. Oder auch: Der FC Barcelona, sein Herzensverein, wolle ihn dann zurück. 2016 – für Guardiola Lichtjahre entfernt.

Liveticker zum Nachlesen: Pep Guardiola in der Pressekonferenz

Er wirkt angespannt dieser Tage, leichter reizbar. Ein Mann unter Strom. Die Saison geht in die entscheidende Phase, die Champions League ist sein Maßstab. Real Madrid und das 0:4 vom April 2014 sind ein tiefer Stachel in seiner Trainerseele – und größtmöglicher Antrieb. Ob Lewandowski eine Flaute hat? Ach. Er schaut gelangweilt, antwortet routiniert: „Ich bin sehr zufrieden mit ihm.“ Punkt. Er will die Diskussion abkürzen. Rückfrage: Versteht Lewandowski das Pep-System nicht? „Er hat mir gesagt: Mein System ist sehr einfach.“ Sein Blick sagt: Noch was? „Ich habe Robert gesagt, dass mein Büro 24 Stunden am Tag geöffnet. Er kann jederzeit kommen.“ Er kam aber nicht.

Also: Wo ist das Problem? Er versucht, seine Gedankenwelt der Allgemeinheit zu erklären: „Wenn unser Spiel nicht gut ist, haben die Stürmer weniger Torchancen. Ich bin nicht besorgt darüber, immer nur um unsere Spielweise.“ Eben. Das große Ganze. „Wir werden uns verbessern“, sagt er. Er weiß es. Die Steigerung ist Teil seines Langzeitkonzeptes. Der HSV? Für Pep eine weitere Etappe, etwa ein 1/50 der Saison. Trifft Lewandowski, freut ihn das jedoch am meisten.

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