Ohne Olise und Kane: Hast sich Bayern-Coach Kompany auf Schalke verzockt?
Eine Nullnummer des FC Bayern ist eine echte Rarität. Und diese ließ gleich zwei Serien reißen.
Die Münchner hatten in den vorherigen 59 Pflichtspielen stets mindestens ein Tor erzielt. Das letzte 0:0 wie diesen Samstag bei Aufsteiger FC Schalke? Im Februar 2025 in der Bundesliga beim 0:0 in Leverkusen. Dazu kommt der Sturz vom gewohnten Thron, vom Platz an der Sonne. Erstmals seit dem 1. September 2024 - und damit seit 67 Spieltagen - sind die Bayern nicht mehr Tabellenführer. Was erlaube?
Kompany: "Gratulation an Schalke"
Sogar die SV Elversberg, der Sensationsaufsteiger aus dem Saarland, steht mit zwei Siegen in der Tabelle vor den Bayern. Das gibt ein großes Hallo am Sonntag in der Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde in Spiesen-Elversberg, die wegen des laufenden Umbaus nur etwas mehr als 9.000 Zuschauer fasst.
Im Schalker Kochtopf-Tempel vor über 62.000 Fans kamen die Münchner mit all ihrer Offensiv-Wucht an ihre Grenzen. "Alles ok, das ist auch Fußball. Wenn der Gegner sich das so verdient, dann ist das einfach so", sagte Trainer Vincent Kompany mit der Gelassenheit eines Doublegewinners und meinte: "Gratulation an Schalke."
Hat sich Kompany mit seiner Aufstellung verzockt?
Man habe eben "nicht getroffen" und der Gegner gehe "ohne Torschuss nach Hause. Das soll aber nichts von Schalke nehmen. Ich habe solche Spiele schon sehr häufig gesehen, alles gut." Sprach der frühere Innenverteidiger. Als Trainer ist er Offensiv-Liebhaber und weiß: "Du brauchst 90 Minuten Druck auf solche Verteidigungen, bis es knackt. Das haben wir heute, weil wir das Tempo einige Male herausgenommen haben, nicht ganz geschafft - nur 60, 70 Minuten." Weil er Toptorjäger Harry Kane und Flügel-Akrobat Michael Olise zunächst draußen ließ? Hatte Kompany sich verzockt?
"Das mit Michael und Harry war einfach eine ganz rationale Entscheidung", erklärte Kompany, "die beiden sind erst ganz, ganz spät aus dem Urlaub nach der WM gekommen. Da ist es nicht selbstverständlich, dass man sagt: ‘Du machst 90 Minuten, 90 Minuten, 90 Minuten.’ Das Pokalspiel in Osnabrück (4:1, mit Kane und Olise in der Startelf, d.Red.) hat auch Kraft gekostet. Da kannst du nicht immer diese volle Belastung auf diese Jungs packen." Die stattdessen eingesetzten Lennart Karl und Ismael Saibari blieben blass.
Kane und Olise dürften in der Champions League wieder beginnen
Wenn es am Donnerstag zum Auftakt der Champions League gegen Bodö/Glimt (21 Uhr, DAZN) geht, dürften Kane und Olise wieder starten. Zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison bleibt Kompany klar: Pokalspiele oder die Ligaphase der Königsklasse haben gegenüber der Bundesliga Vorrang. Da kann man sich schon mal einen Ausrutscher erlauben.
Im Wissen: "Wenn wir das Spiel zehn Mal spielen, gewinnen wir neun Mal und einmal nicht. Und dieses eine Mal war heute", so Max Eberl.
Eberl kritisiert Bayerns Verkopftheit in der Offensive
Was der Sportvorstand kritisierte, war die zu verkopfte, teils zu verspielte Herangehensweise der FCB-Akteure im und am Strafraum der Schalker: "Wenn wir im Strafraum waren, haben wir immer die sehr komplizierte Lösung gesucht - nicht die einfache." Sein Rat: "Mach’s einfach! Du stehst eigentlich im Strafraum. Nicht mehr ablegen, sondern einfach mal aufs Tor und nicht versuchen, durch drei, vier Mann noch mal durchzuspielen, was dann sehr, sehr eng ist." Für Eberl sei dies "der Schlüssel" gewesen. Also der falsche. Der, der nicht ins Schloss passte.
Insgeheim freuen sich die Münchner über mutige Kontrahenten wie die Schalker. Denn, so Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen am Sonntagmittag im Doppelpass bei "Sport1": "Konkurrenz tut uns wirklich gut und wir brauchen eine Herausforderung in der Liga. Das bringt uns zu noch besserer Leistung."
Wohl bekomm’s, dieser erste Bonsai-Rückschlag für die bayerischen Fichten, deren Träume stets in den Himmel wachsen.
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