Oberbürgermeister und FC-Bayern-Boss? Reiters Doppelfunktion sorgt in München für Wirbel

Dass Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter seit kurzem Vorsitzender des Verwaltungsbeirats und Mitglied des Aufsichtsrates beim FC Bayern ist, hat in den vergangenen Tagen für einige Schlagzeilen gesorgt. Nun erreicht das Thema auch das Rathaus. Die ÖDP fordert Antworten vom Stadtoberhaupt.
von  Bernhard Lackner
Dieter Reiter gehört seit Montag dem mächtigen Aufsichtsrat des FC Bayern an.
Dieter Reiter gehört seit Montag dem mächtigen Aufsichtsrat des FC Bayern an. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Seit diesem Montag hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beim FC Bayern ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Der 67-Jährige hat als Nachfolger von Edmund Stoiber den Vorsitz des Verwaltungsbeirats übernommen und ist damit fortan auch Mitglied des mächtigen Aufsichtsrates, der über die wichtigsten Entscheidungen des Klubs bestimmt.

Reiter selbst sieht in der Verquickung seines Amtes als Oberbürgermeister und dem Posten als Aufsichtsrat kein Problem – schließlich fülle er letzteren ja als Privatperson und nicht als Politiker aus. Dass dem tatsächlich so ist, daran hat man bei der ÖDP offenbar Zweifel. In einem offiziellen Stadtrats-Antrag, der an diesem Mittwoch veröffentlicht wurde, hat die Partei dem OB nun einen detaillierten Fragenkatalog zukommen lassen und fordert Antworten.

"Wenn der FCB schnippt, fahren trotz Streik sogar U-Bahnen"

Von welchem Klubvertreter wurde Reiter kontaktiert? Wie viel Zeit nehmen seine Ämter bei den Bayern in Anspruch, wie hoch ist die Aufwandsentschädigung und nutzt er seinen Dienstwagen, um zu den Sitzungen zu reisen? Es sind nur einige von insgesamt zwölf kritischen Fragen, die die ÖDP vom OB beantwortet haben will.

"Der FC Bayern ist ein milliardenschweres Wirtschaftsunternehmen mit erheblichem Einfluss, engen Berührungspunkten zur Stadt und regelmäßigem Kontakt zu Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Wenn der FCB schnippt, fahren trotz Streik sogar U-Bahnen", heißt es in dem ÖDP-Antrag: "Wenn ausgerechnet der amtierende Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München dort eine Spitzenfunktion übernimmt, kann nicht ernsthaft so getan werden, als geschehe dies losgelöst von seinem Amt."

Reiters FCB-Posten sorgen für Diskussionen

Es gehe dabei "nicht um Fußballbegeisterung, sondern um politische Integrität. Wenn wirtschaftlich bedeutende Akteure und das höchste kommunale Amt personell so eng verknüpft sind, ist Transparenz oberste Pflicht", heißt es von der ÖDP.

Auch Tobias Ruff, Fraktionsvorsitzender und OB-Kandidat der ÖDP bei den anstehenden Kommunalwahlen, sieht Reiters Posten beim FCB kritisch. "Wenn der Oberbürgermeister einer Millionenstadt eine Spitzenfunktion bei einem wirtschaftlich mächtigen Akteur vor Ort übernimmt, dann ist das kein privates Hobby. Es geht nicht um Fußball und Fanherz. Es geht um politische Integrität und um die Glaubwürdigkeit unseres Rathauses", sagt er: "Für städtische Mitarbeiter gelten strenge Regeln. Diese müssen doch bitte schön erst recht für den Oberbürgermeister gelten. Transparenz ist keine Kür, sondern Pflicht. Die Münchnerinnen und Münchner haben ein Recht darauf zu erfahren, wie eng Amt und wirtschaftliche Interessen hier tatsächlich miteinander verknüpft sind."

Für Diskussionen hatten Reiters neue Posten beim FC Bayern zuletzt auch aufgrund der Thematik bezüglich einer Ertüchtigung des Grünwalder Stadions gesorgt. Der Oberbürgermeister hat in der Vergangenheit bereits mehrfach klargestellt, dass er die Spielstätte auf Giesings Höhen gerne in Erbpacht an den Stadtrivalen TSV 1860 übergeben und von den Löwen renoviert haben möchte. Die Sechzger weigern sich allerdings, die zweite Mannschaft der Bayern, die ebenfalls im Grünwalder Stadion spielt, in diesem Falle als Mieter zu behalten.

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