"Der FC Bayern ähnelt der Nationalmannschaft": Ex-Nationalspieler findet klare Worte für die Münchner

AZ: Herr Gaudino, am Montagabend (20 Uhr) werden Sie zusammen mit Carsten Fuß im Stadion an der Schleißheimer Straße dessen neues Buch "Calcio d'Oro – die goldenen Jahre des Fußballs" vorstellen. Auf was können sich die Zuschauer freuen?
MAURIZIO GAUDINO: Wir werden sicherlich über mein Kapitel sprechen. Es geht unter anderem um das UEFA-Cup-Finale 1989 mit dem VfB Stuttgart in Neapel, das wir leider mit 1:2 verloren haben. Aber es war für mich ein besonderes Spiel. Ich bin zwar der Einzige aus meiner Familie, der in Deutschland geboren wurde, aber in meinen Adern fließt natürlich italienisches Blut. Der Fußball schreibt einfach seine eigenen Geschichten und das ist eine. Ich habe schon als kleiner Junge vor diesem Stadion rumgekickt, weil mein Onkel gegenüber vom Stadion gelebt hat. Ich habe immer davon geträumt, in diesem Stadion zu spielen. Dann war es auch noch das UEFA-Cup-Finale gegen den SSC Neapel mit Diego Maradona. Und an dem 3. Mai 1989 hatte auch noch meine Mutter Geburtstag.
Gaudino: "Sie sind noch enttäuscht von diesem unglücklichen Ausscheiden"
Ihre Familie kommt aus Italien. Sie selbst haben nie dort gespielt. Warum?
Ich hatte nach meiner ersten Saison beim VfB Stuttgart, die eher durchwachsen war, einen Vorvertrag bei Hellas Verona unterschrieben. Zu der Zeit war Verona noch ein sehr interessanter Klub. Ich habe aber keine Freigabe vom damaligen Trainer Ari Haan bekommen. Er hat mich auch wirklich überzeugt, beim VfB zu bleiben. Daraus wurden sechs Jahre, das UEFA-Cup-Finale und die Meisterschaft 1992. Ich habe also alles richtig gemacht.
Die Bayern wollen auf jeden Fall den zweiten Titel und sich das Double holen.
In diesem Jahr steht der VfB Stuttgart im Pokalfinale. Glauben Sie an eine Titelverteidigung?
Ich wünsche es dem VfB natürlich. Nichtsdestotrotz wird es ein anderes Finale als vor einem Jahr gegen Bielefeld. Die Bayern wollen auf jeden Fall den zweiten Titel und sich das Double holen. Sie waren sechs Jahre nicht mehr in Berlin und sind auch noch enttäuscht von diesem unglücklichen Ausscheiden in der Champions League.

Hoeneß könnte irgendwann Nachfolger von Kompany werden
Was beeindruckt Sie bei den Bayern in dieser Saison am meisten?
Die Offensive und das Mittelfeld. Der FC Bayern ähnelt der Nationalmannschaft. Sie sind in der Offensive überragend, im Mittelfeld sehr gut besetzt. Die Defensive ist bei dem praktizierten Spielstil hin und wieder für Fehler anfällig. Das ist die Chance des VfB. Sebastian Hoeneß lässt sich da sicherlich etwas einfallen, um es den Bayern so schwer wie möglich zu machen. Und in einem Finale ist immer alles möglich.
Sie sprechen Sebastian Hoeneß an. Uli Hoeneß hat ihn jüngst als potenziellen Nachfolger eines Tages von Vincent Kompany ins Spiel gebracht. Trauen Sie ihm das zu?
Ja, ich traue ihm zu, in Zukunft bei einem noch größeren Verein, als es der VfB ist, zu arbeiten, ob national oder international. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er den nächsten Schritt macht. Er hat in Stuttgart bisher hervorragende Arbeit geleistet. Aber für den VfB ist es wichtig, den Trainer so lange wie möglich zu halten.