"Niemals aufgeben": Nagelsmann und Kimmich möchten nach WM-Desaster weitermachen

Raus ohne Applaus: Deutschland blamiert sich gegen Paraguay und muss nach einem verlorenem Elfmeterkrimi erneut früh bei einer WM nach Hause fahren. Julian Nagelsmann und Kapitän Joshua Kimmich möchten weitermachen.
von  Patrick Strasser
Kapitän Joshua Kimmich und Bundestrainer Julian Nagelsmann möchten trotz WM-Aus weitermachen.
Kapitän Joshua Kimmich und Bundestrainer Julian Nagelsmann möchten trotz WM-Aus weitermachen. © IMAGO/Germany v Paraguay

Aus und vorbei. Bye, bye, USA! Auf Wiedersehen, DFB-Team! Schon im Sechzehntelfinale kam das Ende aller Träume bei dieser WM für die deutsche Mannschaft - durch das 3:4 im Elfmeterschießen gegen den 41. der Fifa-Weltrangliste! Gegen Paraguay, das nur etwas über sieben Millionen Einwohner hat. Schlimm, schlimmer, Nationalschwimmmannschaft! Der letzte Schütze, der verschoss, war Jonathan Tah.

Cordoba 1978, East Rutherford (New Jersey) 1994, Kasan 2018 und Al-Khor 2022. Allesamt Orte denkwürdiger Blamagen der Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften. Nun steht das Örtchen Foxborough mit dem "Boston Stadium" für die Pleite bei dieser WM in Nordamerika.

Noch am Abend kehrte der DFB-Tross mit einem Fifa-Charterflieger zurück ins Basecamp nach Winston-Salem. Am Dienstag dann startet der Flieger der Enttäuschten von North Carolina aus Richtung Frankfurt. Im Gepäck: Trauer, Wut, Enttäuschung und jede Menge Fragen: Wie geht es nun weiter? Was passiert mit Bundestrainer Julian Nagelsmann?  "Ich möchte es weitermachen. Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Und wenn man das nicht möchte, muss man das sagen", erklärte Nagelsmann bei MagentaTV.

Nagelsmann und Kimmich schließen Rücktritte jeweils aus

Wie reagiert der Verband auf dieses erneute sportliche Desaster? Hält er am Coach fest? "Ich stehe zur Verfügung. Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen", sagte Nagelsmann im ZDF nach dem enttäuschenden Auftritt im Sechzehntelfinale. 

Wie groß fällt der Umbruch in der Mannschaft aus? Oldie Neuer dürfte noch einmal und nun aber endgültig aus der Nationalelf zurücktreten. Wer noch? Kapitän Joshua Kimmich, der nun sinnbildlich für die Gewinnt-Nix-Generation der Nationalelf steht, möchte weitermachen. "Was ich niemals tun werde ist aufgeben", sagte der 31-Jährige nach der Partie bei MagentaTV. 

Schließt einen Rücktritt als Bundestrainer aus: Julian Nagelsmann.
Schließt einen Rücktritt als Bundestrainer aus: Julian Nagelsmann. © IMAGO/Bahho Kara

Die deutsche Auswahl, mit dem genesenen Nathaniel Brown für David Raum und – überraschend – Deniz Undav für Jamal Musiala von Beginn an, spielte in ihren weißen Heimdressen (die Niederlage gegen Ecuador hatte man in den tiefblauen Auswärtstrikots mit türkisen Akzenten bestritten) – und das am besten mit der "Drecksack-Mentalität" des Gegners. Dies forderte Nagelsmann von seinen Jungs ein. Paraguays Plan? Die Verlängerung erreichen, das Elfmeterschießen. Es entwickelte sich ein Geduldsspiel. Die Deutschen spielten gegen einen tiefen Block, die Südamerikaner gegen die Uhr. Ein zäher Kick im Glutofen von Boston, dem Stadion der "New England Patriots". Meter um Meter ging es nur nach vorne im DFB-Team, ohne Ideen. Kein Dribbling, keine Torchancen. Ein spielerischer Offenbarungseid.

Goretzka ersetzt zur Halbzeit Nmecha

Und dann kam Paraguay ein Mal vors Tor – und drin das Ding (42.). Die DFB-Defensive schaute nur zu, Galarza durfte völlig frei und völlig entspannt in Richtung Elfmeterpunkt flanken. Dort köpfte der nur 1,73 Meter große Enciso den Ball völlig frei und völlig entspannt ins lange Eck ~ unbehelligt! Genau das sollte unbedingt vermieden werden: Ein Rückstand gegen dieses ultra-defensive Umschaltteam. Bei Schlusspfiff der ersten Hälfte sprintete Nagelsmann quer über den Platz Richtung Kabine.

Seine personelle Idee zur zweiten Halbzeit: Leon Goretzka kam für Nmecha. Dann die Erlösung, das 1:1. Florian Wirtz flankte aus dem linken Halbfeld in den Strafraum auf Havertz, der den Ball am Elfmeterpunkt über den Scheitel rutschen ließ. Die Kugel landete im langen Eck, sein drittes Turniertor. Man spürte die Erleichterung, die sich sofort in spielerischer Überlegenheit widerspiegelte. Aber ohne Ertrag – Verlängerung.

Tah trifft zur Führung in der Verlängerung – doch der Treffer zählt nicht

Da begann das Drama so richtig. Deutschland drängte und drückte und flankte und flankte. Nach einer Ecke von rechts von Brown auf den zweiten Pfosten stieg Tah zum Kopfball und setzte den Ball über Paraguays Torwart Gill hinweg ins Tor (102.).

Eine Gefühlsexplosion der deutschen Mannschaft, Endorphine überall auf dem Platz – bis sich der VAR meldete und Schiedsrichter Jalal Jayed aus Marokko zur Video-Überprüfung schickte. Die Entscheidung: Stürmerfoul des eingewechselten Waldemar Anton am Torwart. Totale Entrüstung bei Nagelsmann & Co. "Zu kleinlich", fand Schiedsrichter Patrick Ittrich bei MagentaTV die Entscheidung, "das war kein Stoßen, kein Wegdrücken." Weiter 1:1.

Bis zum Ende dieses Abnutzungskampfes nach mehr als 120 Minuten. Im Elfmeterschießen versagten ausgerechnet Kai Havertz, dem sichersten DFB-Schützen, die Nerven. Plus dem erstmals eingewechselten Nick Woltemade und – beim Stand von 3:3 Bayer Tah. Die Deutschen im Tal der Tränen.

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