"Nicht so spannend wie in der Allianz Arena": Kimmich und Gnabry schauen Zverev bei den BMW Open zu

Keine sechs Kilometer liegen zwischen der Arena des FC Bayern und der Anlage des MTTC Iphitos, wo bis Sonntag die BMW Open über die Bühne gehen. Und Alexander Zverev hatte natürlich recht, dass man den Drama-Faktor vom Mittwochabend nicht mit dem vom Donnerstagnachmittag vergleichen konnte. 6:1, 6:2 hatte er gerade den Kanadier Gabriel Diallo vom Platz gefegt und danach gemeint: "Es war nicht so spannend wie gestern in der Allianz Arena." Kein Widerspruch, nirgends.
Zverev über den Besuch in der Allianz Arena: "Das war ein Erlebnis"
Dass der drittbeste Tennisspieler der Welt, obschon in Hamburg geboren und in Monte Carlo wohnhaft, Bayern-Fan ist, hat sich herumgesprochen. Dass seine Matches zuweilen eine Augenweide sind allerdings auch, und so wunderte es die Fans auf dem Center Court wohl nur ein bisschen, dass da plötzlich auch Joshua Kimmich und Serge Gnabry unter den Zuschauern waren. Schneller Gegenbesuch, schienen sich die 4:3-Helden der verrückten Nacht von Fröttmaning gedacht zu haben.
"Das war ein Erlebnis, das man erleben muss", schwärmte Zverev, "auch für die Kids war es unglaublich. Das hat Riesenspaß gemacht." Nach der Partie habe er noch Bayern-Spieler treffen dürfen und sei erst um halb eins im Hotel gewesen. Was die Bayern-Stars von Zverev zu sehen bekamen, war Balsam für gestresste Nervenbahnen. Zu keinem Zeitpunkt der 73 Spielminuten war der Sieg des Deutschen gefährdet.
Diallo erwischte gegen Zverev keinen guten Tag
Zu souverän trat er auf, zu fehlerhaft das Spiel des Kontrahenten. Der ist zwar noch fünf Zentimeter länger als der auch schon 1,98 Meter große Zverev, doch Nutzen konnte er nicht daraus ziehen. Zu unkonstant seine stärkste Waffe, der Aufschlag: nur 58 Prozent erste Aufschläge. Zverev dagegen: stabile 75 Prozent. "Er hat nicht sein bestes Match gespielt, da muss man ehrlich sein", so Zverev, "ich habe meinen Job gemacht."
Als nach 34 Minuten der erste Satz weg war, ließ sich Diallo am Rücken behandeln, schien danach besser ins Spiel zu finden, doch Zverev unterband das kurze Aufbäumen des Kanadiers und machte im Gegensatz zur zähen Auftaktpartie gegen den Serben Miomir Kecmanovic diesmal rechtzeitig Feierabend.

Zverev feiert 100. Sieg auf dem Sand
Schließlich stand für ihn im Anschluss noch das Doppel mit seinem Buddy Marcelo Melo an. Mit dem 43 Jahre alten Brasilianer hatte Zverev unlängst in Acapulco die Doppelkonkurrenz gewonnen. Im Einzelwettbewerb geht es für Zverev am Freitagmittag in der Runde der letzten Acht gegen den an fünf gesetzten Argentinier Francisco Cerundolo - ein ganz anderes Kaliber als Diallo, vor allem auf Sand. "Ich hab’ gegen ihn noch keinen Satz verloren - außer auf Sand", analysierte Zverev. Wohl wahr: Vier von sieben Duellen hat er für sich entschieden, alle drei Niederlagen aber auf Sand kassiert.
"Das wird ein spannenderes Match", orakelte Zverev, dem mit dem Sieg über Diallo der 100. Triumph auf Sand gelang - nur Caspar Ruud (132) und Carlos Alcaraz (107) haben auf der roten Erde in den letzten Jahren eine noch bessere Bilanz. Doch auch hier ist Cerundolo nah dran: Er hat schon 90 Sand-Siege auf dem Konto. In den ersten beiden Matches bei den BMW Open gab der 27-jährige Argentinier insgesamt nur sieben Spiele ab, Zverev schon 18.
Zverev könnte Rekordsieger am Aumeister werden
Sollte die deutsche Nummer eins diese Hürde nehmen, würde im Halbfinale wahrscheinlich der an vier gesetzte Italiener Flavio Cobolli warten - noch so ein Sandplatzspezialist, der es zuvor mit dem Tschechen Vit Kopriva zu tun bekommt. Und sollte Zverev auch noch das Finale gewinnen und mit dann vier Triumphen zum Rekordsieger am Aumeister aufsteigen, dürfte er es mit der Siegerehrung eilig haben: Ab 17.30 Uhr steht der nächste Gegenbesuch an, keine sechs Kilometer entfernt, gegen den VfB Stuttgart.
Daniel Altmaier ist derweil in zwei Sätzen am Slowaken Alex Molcan gescheitert, sodass Zverev die deutschen Fahnen alleine hoch hält.