Neuer-Zoff beim FC Bayern: Eine Charakterfrage

AZ-Sportchef Matthias Kerber über die Indiskretionen beim FC Bayern.
| Matthias Kerber
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firo/AK

Beim FC Bayern hat man seit gefühlten Ewigkeiten mit vielen Zungen gesprochen. Wenn Rummenigge Hü sagte, trat Hoeneß fast reflexhaft der Hott-Partei bei und umgekehrt. Doch seit einiger Zeit spricht man in der bayerischen Beletage des Fußballs wohl auch mit gespaltenen Zungen. Immer wieder dringen aus Vertragsverhandlungen pikante Details an die Öffentlichkeit, die dann in willfährigen Meinungsorganen lanciert werden. Beispiele gefällig? Der Vertragsschluss mit Alexander Nübel und – noch viel brisanter – die garantierten Einsatzzeiten für den Noch-Schalke-Torwart.

Und jetzt die Gehaltsforderungen von Kapitän Manuel Neuer. Es ist extrem schlechter Stil eines Vereins, der sich so gerne als Bayern-Familie inszeniert und stilisiert, wenn solche Inhalte, die ausschließlich die Verhandlungspartner etwas angehen (und wissen können) an die Öffentlichkeit gelangen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic müsste dies mit aller Macht unterbinden, wenn er es denn will. "Das ärgert mich, so kenne ich den FC Bayern nicht", beschwerte sich Neuer nun. Es ist eine Kampfansage, etwas, was in der Welt des Fußballs dem hingeworfenen Fehdehandschuh entspricht.

Der FC Bayern muss sich die Charakterfrage stellen

Was wird mit solchen Indiskretionen, dieser Maulwurf-Attitüde, bezweckt? Will man den Verhandlungspartner diskreditieren, um so öffentlich Druck und das Image der Raffgier-Mentalität aufzubauen? Das wären Methoden, die der La Familia würdig, der Bayern aber unwürdig wären. Oder sind das Hinterhofgeschäfte, um am Ende selber öffentlich nicht ins Visier geraten zu können?

Falls das die neue DNA bei einem Klub ist, der sich so gerne mit Akteuren mit Stallgeruch umgibt, ist das nur rekordmeisterlicher Raubtierkapitalismus. Mia san mia lautet das Motto, das man so plakativ, so breitbrüstig vor sich herträgt – und überstrapaziert. Aber wer san mia eigentlich noch? Mia san indiskret, ränkeschmiedemäßig und stillos? Hoffentlich nicht.

Der FC Bayern, der sich gerade in der Chefetage neu aufstellt, muss sich selbst die Charakterfrage stellen.

Lesen Sie hier: Michael Rummenigge rät Kai Havertz von schnellem Bayern-Wechsel ab

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