"Neuer hat etwas am Fuß gespürt": FC-Bayern-Keeper Urbig startet gegen Viking Stavanger
War der haarsträubende Patzer von Manuel Neuer, den Robin Fellhauer am Samstag zur Führung des FC Augsburg gegen die Bayern (Endstand 2:2) nutzte, ein weiterer, diesmal ziemlich dicker Kratzer an seinem Denkmal? "Für uns gibt es da gar keine Zweifel an Manu", sagte Bayerns Sportvorstand am Montagvormittag vor dem Abflug des FCB-Trosses nach Norwegen und betonte: "Manu ist unsere Nummer eins und wird es auch bleiben. Und was dann in Zukunft passiert, wird man sehen."
Hainer: "So ein Fehler kann immer passieren"
Die Verantwortlichen bemühen sich intensiv, ihren Kapitän und Torhüter mit warmen Worten zu streicheln. Zu eiskalt war die 8,4-Sekunden-Dusche für den Weltmeister von 2014. "Das war natürlich unglücklich. Aber Manuel Neuer war und ist einer der besten Torhüter der Welt", sagte Bayern-Präsident Hainer bei Bild-TV und fügte hinzu: "So ein Fehler kann immer passieren."
Eine Alterserscheinung? Nein, nein, so Hainer. Der 40-jährige Neuer sei "fit wie ein Turnschuh. Er muss das abhaken, das macht er auch. Wir sind froh, dass wir ihn haben." Für Uli Hoeneß, den Ehrenpräsidenten und Vereinspatron, läuft Neuers Zeit noch nicht ab. "Nein, ganz und gar nicht", sagte er, "jeder darf hin und wieder mal einen Fehler machen."
Eberl lobt Urbig
Der Legenden-Status von Neuer soll unantastbar bleiben, obwohl in Jonas Urbig der designierte Kronprinz längst auserkoren ist. Der scheint momentan das Momentum auf seiner Seite zu haben. Der 23-jährige Urbig entwickle sich "herausragend", so Eberl, "Manu hat einen sehr, sehr großen Anteil daran und ist trotzdem unsere Nummer eins."
Für Neuer, der sein Malheur anders als in vorherigen Fällen glasklar zugab ("Ein blöder Fehler von mir") kommt der Patzer zum ungünstigsten Zeitpunkt. Während Urbig, mit dem Neuer in Bayerns Torwartteam und auch privat bestens klarkommt, in der dreiwöchigen Länderspielpause sein DFB-Debüt feiern durfte, durfte der Platzhirsch durchschnaufen – und kam dabei womöglich etwas aus dem Rhythmus.

Matthäus: "Ist alles so ein bisschen Neuer"
Via TV konnte er mitansehen, wie sein Erbe in gleich zwei Länderspielen das Vertrauen des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp bekam – und mit zwei souveränen Auftritten, bei denen er jeweils zu null hielt, rechtfertigte. Ob Urbig in der Nationalelf die Nummer eins wird, bevor er nach Neuers Rücktritt zum Saisonende beim FC Bayern aufrückt?
DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus imponiert bei Urbig "die Art und Weise, wie er Fußball spielt – mit einer Leichtigkeit fängt er die Bälle ab. Das ist alles so ein bisschen Manuel Neuer. Ich glaube, dass Urbig sehr viele Einsatzzeiten bekommt in dieser Saison. Im Hinblick auf die EM 2028 hat er alle Voraussetzungen, in beiden Mannschaften die Nummer eins zu werden. Er lernt jetzt noch von Manuel Neuer und irgendwann löst er ihn ab, ob es noch im Laufe dieser Saison ist oder dann spätestens nach dieser Saison." Urbig, zweigleisig auf der Überholspur.

FC Bayern überlegt, Neuer doch spielen zu lassen
Wer sah, wie konsterniert Neuer seine Leistung in Augsburg kommentierte, bekam eine Ahnung, wie es in ihm aussah. "Bei einem 20 Jahre alten Torwart hättest du als Trainer jetzt ein bisschen Arbeit. Aber Manu weiß, wie er damit umgehen muss", sagte Trainer Vincent Kompany zu Neuers Malheur. Spielt Urbig am Dienstag (21 Uhr, Prime Video) in der Champions League bei Viking Stavanger?
Ist ja ein Spiel auf Kunstrasen, nicht so gut für die Gelenke. Dass man intern nach der vorab getroffenen Absprache pro Urbig nun überlegt, Neuer doch ran zu lassen, spricht für die aktuell sensible Phase. Nicht, dass während Neuers Abschiedstournee neben Wehmut auch Mitleid aufkommt. Und Stars gegen den Underdog Viking schonen – an die Maßnahme von Kompany glaubt Eberl nicht: "Dass er jetzt per se sagt: Kunstrasen, ich lasse den und den draußen - das habe ich bis jetzt nicht gehört."
Eberl: "Wir müssen und wollen das Spiel gewinnen"
Kompany verkündete am Abend selbst, dass Urbig im Tor stehen wird: "Manu trainiert heute nicht mit, weil er etwas am Fuß gespürt hat. Damit ist die Frage schnell beantwortet." Verlieren verboten in Stavanger – no way in Norway! Schließlich wollen die Münchner in die Top8 der 36er-Tabelle und damit die Playoffs vermeiden. Eberl: "Wir müssen und wollen das Spiel gewinnen. Dieses neue Modell bedeutet: Du musst immer deine Punkte machen."
