Neue Zeitrechnung im Tor: Das ist der Bayern-Plan mit Neuer und Urbig
Der Flug auf die "Liebesinsel" Jeju war auch für Manuel Neuer eine Premiere - dabei hat der Kapitän, der in seine 21. Saison als Profi geht, fast alles erlebt. Und klar: Auch südlich von Südkorea ist Neuer eine Legende, am Flughafen waren Bilder und Autogramme von Neuer die begehrtesten bei den Fans. Der Torhüter ist ein Weltstar, der überall erkannt und gefeiert wird. Eines der Zugpferde auf der Asientour des FC Bayern.
Blick auf Neuers Karriereende
Inzwischen darf man allerdings davon ausgehen, dass es Neuers letzte Sommer-Reise als aktiver Spieler sein wird. "Es sieht schon stark danach aus, dass ich aufhöre", sagte der 40-Jährige im Trainingslager am Tegernsee bei seinem Heimspiel. Melancholie will er aber nicht aufkommen lassen. "Ich spiele die Spiele nicht, um zu sagen, das ist jetzt so mein letztes Spiel", ergänzte Neuer: "Egal, ob ich jetzt vielleicht in dem einen oder anderen Stadion jetzt das letzte Mal gewesen bin eventuell, aber jetzt schauen wir mal."

Jagd auf das dritte Triple
Neuer hat hohe Ziele - wie immer in seiner außergewöhnlichen Karriere. Nur allzu gern würde er sein drittes Triple nach 2013 und 2020 gewinnen, keinem deutschen Spieler ist das jemals gelungen. Es wäre der perfekte Abschluss, ehe im Tor eine neue Zeitrechnung beginnt: Jonas Urbig ist als Neuer-Nachfolger auserkoren. "Ich denke, dass es ähnlich laufen wird wie in der letzten Saison", sagte Neuer zur Aufteilung der Einsätze mit Urbig. Der 22-Jährige soll erneut regelmäßig Spielpraxis sammeln, um aufgebaut zu werden. "Wir werden uns unterstützen, wir haben ein gutes Torwart-Team, auch mit Ulle (Sven Ulreich, Anm. d. Red.) und den jungen Torhütern", sagte Neuer: "Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig helfen, dass wir uns pushen, dass wir auf der Torwart-Position immer das Beste für die Mannschaft geben können. Und so wird es in dieser Saison auch laufen."
Mentor Neuer und der Aufstieg von Urbig
Neuer und Urbig verstehen sich sehr gut, auch privat. Am Tegernsee spielte Urbig nach einer Trainingseinheit zusammen mit Neuers Sohn Luca auf dem Rasen, es geht harmonisch zu. Torwarttrainer Michael Rechner ist an Urbigs Entwicklung maßgeblich beteiligt, im Training feilt er mit den Keepern immer wieder an den kleinsten Details. Es ist offensichtlich, dass Urbig seit seinem Wechsel vom 1. FC Köln im Januar 2025 viel von Neuer gelernt hat. Er ist jetzt ein deutlich besserer, reiferer Torwart als damals. Daher gilt Urbig auch als kommende Nummer eins in der Nationalmannschaft unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp.

Doch zunächst muss er sich noch eine Saison lang hinter seinem Vorbild Neuer einreihen, in den großen Spielen wird der Routinier im Kasten stehen, sofern er fit bleibt. "Es macht einfach Spaß. Ich hätte vielleicht in 85 Prozent der Fälle aufgehört, aber in dieser Mannschaft, mit dem Staff und Trainerteam macht es einfach Spaß", sagte Neuer zu seiner Motivation.
Neuers Titelhunger
Auch die Chance, weitere Pokale zu gewinnen, treibe ihn an, so Neuer: "Wir haben immer die Möglichkeit, um alle Titel zu spielen. Wir sind voll auf der Höhe mit der Mannschaft. Und deshalb zählen dieses Team, die Mannschaft und die Struktur, wie wir sie im Verein haben, zu den 15 Prozent, bei denen ich gesagt habe: Ich muss auf jeden Fall weitermachen."
Gut für Bayern, gut für Urbig. Ab 2027 ist der Youngster dann gefordert, wenn er in die erste Reihe rückt. Vielleicht werden die Fans ihn irgendwann ähnlich feiern wie Neuer in Südkorea.

