Nach schrecklichem Schicksalsschlag: Ulreich beim FC Bayern zurück im Fokus
Es gibt Emotionen, die kann nur nachfühlen, wer sie auch wirklich selbst erlebt hat. Eine solche mussten auch Sven Ulreich und seine Ehefrau Lisa im Sommer vergangenen Jahres durchleben. Anfang August teilten beide via Instagram mit, dass ihr gemeinsamer Sohn Len im Alter von gerade einmal sechs Jahren nach langer, schwerer Krankheit das Ringen mit dem Tod verloren hat.
"Die Entscheidung, dies nun öffentlich zu machen, fällt uns unendlich schwer - ist jedoch für uns als Familie ein wichtiger Schritt, um in unserem Umfeld und auch in der Öffentlichkeit Klarheit zu schaffen", teilte das Ehepaar seinerzeit mit.
Der Ersatzkeeper des FC Bayern hatte zuvor über Monate hinweg gefehlt, ohne eine Verletzung. Erst nach dem Schritt an die Öffentlichkeit wurde klar: Ulreich kümmerte sich in der schwierigen Zeit voll und ganz um seinen Sohn - und konnte sich dabei stets auf den vollen Rückhalt des Klubs verlassen.
Erstmals seit Tod seines Sohnes: Ulreich steht wieder im Bayern-Tor
"Gemeinsam mit unserer Tochter versuchen wir nun, Schritt für Schritt wieder ins Leben zurückzufinden", schrieben Ulreich und seine Frau Lisa. Danach ist es ruhig geworden um den langjährigen, verlässlichen Vertreter von Kapitän Manuel Neuer.
Nun, knapp acht Monate nach dem schrecklichen Schicksalsschlag, kehrt der 37-Jährige erstmals wieder zurück ins Rampenlicht. Aufgrund der Verletzungen von Neuer (Muskelfaserriss) und Backup Jonas Urbig, der sich im Achtelfinal-Hinspiel bei Atalanta Bergamo kurz vor Schluss eine Gehirnerschütterung zugezogen hat, wird Ulreich beim Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr/Sky) zwischen den Pfosten stehen.

Für den gebürtigen Schwaben ist es die erste Partie nach 537 Tagen. Sein letztes von bisher 103 Pflichtspielen für die Bayern hatte Ulreich vor eineinhalb Jahren am 21. September 2024 beim 5:0 in Bremen bestritten.
In den folgenden Monaten sollte der Fußball für den bei Fans und innerhalb des Klubs hoch angesehenen Torhüter zur Nebensache werden. Unterdessen änderte sich auch die Torwart-Hierarchie bei den Bayern. Im Winter vergangenen Jahres wurde mit Urbig - seinerzeit Bankdrücker beim damaligen Zweitligisten 1. FC Köln - eine neue Nummer zwei verpflichtet. Ulreich wurde zum Keeper Nummer vier, hinter Daniel Peretz (derzeit an den FC Southampton ausgeliehen).

Urbig hat gute Chancen auf Neuer-Nachfolge
Aufgrund zahlreicher Verletzungen des Bayern-Kapitäns kam Urbig in seinen rund 14 Monaten in München schon zu 24 Einsätzen und machte seine Sache stets mindestens ordentlich, Fehler unterlaufen dem 22-Jährigen kaum. Auch deshalb stehen laut AZ-Informationen derzeit die Vorzeichen gut, dass Urbig irgendwann die Neuer-Nachfolge antritt.
Wie häufig Ulreich noch für den Rekordmeister zwischen den Pfosten steht, ist noch nicht absehbar. Urbig wird mindestens am Samstag gegen Leverkusen ausfallen. Gut möglich, dass die Bayern mit dem 6:1-Erfolg im Rücken auch beim Rückspiel gegen Bergamo kein Risiko eingehen und der etatmäßigen Nummer zwei eine Pause geben. Mit Ulreich hat man schließlich einen erfahrenen Mann in der Hinterhand, der das Vertrauen der sportlichen Führung genießt.
Verlängert der FC Bayern noch einmal mit Sven Ulreich?
Womöglich auch über den Sommer hinaus, wenn der Vertrag des 37-Jährigen ausläuft. Die Verantwortlichen an der Säbener Straße können sich vorstellen, mit ihrem loyalen Keeper zu verlängern, auch Ulreich selbst ist nicht abgeneigt, hat aber noch keine finale Entscheidung getroffen. Abhängig von der Zukunft Neuers will er diese nicht machen.
Unterdessen soll Peretz im Sommer verkauft werden. In München würde er selbst bei einem Karriereende von Neuer nicht über die Position als Nummer zwei hinauskommen. Derzeit beweist er sich in England, Peretz blieb in zehn Zweitligaspielen viermal ohne Gegentor.
