Mehr Physis, mehr Muckis: Musialas neue Körperlichkeit

POTM - sagt man dazu heutzutage. Er oder sie wurde gewählt zum: POTM. Die Abkürzung für: Player of the match. Nach dem 4:3 in Mainz hieß der glückliche Gewinner: Jamal Musiala. Nachdem sich die Münchner Profis vor ihrer Fankurve ausgiebig feiern ließen, überbrachte eine Social-Media-Reporterin des Vereins dem Zehner die frohe Kunde.
Musiala zeigte erst auf Harry Kane, der neben ihm Richtung Kabine trottete, mit der Kapitänsbinde am Arm – schließlich gab Manuel Neuer nur eine Art Co-Trainer auf der Ersatzbank, so engagiert mischte der Torhüter mit. Dann antwortete Musiala, er habe doch nur 20 Minuten gespielt und meinte: "Das muss man Michael geben – für sein Tor." Gemeint war Olise und dessen Signature-Schuss, mit links ins lange Eck zum 2:3. Knick-knack in den Knick.
Kompany: "Es war das erste Mal, dass Jamal nach der Länderspielpause wieder diese Freiheit spürt"
Aber Musiala! Der 23-Jährige erzielte aus dem Gewühl heraus das 3:3. Was zeigte: Musiala geht auch dort wieder hin, wo es wehtun könnte. Beim 4:3 ballerte Musiala aufs Tor, FSV-Keeper Daniel Batz konnte nur nach vorne abbatzen und Kane abstauben – 4:3. Doch, klar: Wer die Emotionen der Mitspieler und Betreuer gesehen hat, die sich nach dem 4:3 nicht auf die Kante Kane, sondern ihr Bambi Musiala gestürzt haben, spürte: Dies war ein besonderer Moment. Den Typen zum Knuddeln habe alle so richtig lieb. "Dieser Jubel, dieses Lachen – wenn ein offensiver Spieler das hat, dann ist alles gelöst, dann ist alles in Ordnung", sagte Vincent Kompany, "es war das erste Mal, dass Jamal nach der Länderspielpause wieder diese Freiheit spürt."
Der Bayern-Trainer meinte ganz generell: "Die Mannschaft hat den Kampf angenommen und jede Angst vor Verletzungen abgelegt, die sie vielleicht zurückgehalten hat." Dabei dachte er natürlich vor allem an Musiala, der immer besser in Schuss kommt. In den letzten fünf Partien brachte er es auf fünf Torbeteiligungen: zwei Treffer, drei Vorlagen – und das bei nur drei Startelf-Einsätzen. Was Musiala hilft nach seinem kürzlichen Rückschlag (Verklebungen im operierten Knöchel) als schmerzhafte Reaktion infolge des Wadenbeinbruchs samt Sprunggelenksluxation im Juli: Seine neue Körperlichkeit. Dafür hat er in der monatelangen Reha gearbeitet.
Musiala bekam von einer Ernährungsberaterin einen speziellen Plan
Das Ziel, um aus dem maximalen Unglück dieser schweren Verletzung einen Bonus herauszubekommen: Mehr Physis, mehr Muckis. Bessere Regeneration und Verletzungsprävention. Dafür suchte er bereits 2025 ein Zentrum für ganzheitliche Medizin auf, bekam von einer Ernährungsberaterin einen speziellen Plan. In seinem Eigenheim in Straßlach ließ er ein Eiswasserbecken installieren. Ab in die Tonne mit den Gedanken an die schwere Zeit!
Der Spielmacher selbst meinte in Mainz zu seiner neuen Physis: "Es ist viel besser. Ich habe Spaß und die Freude auf dem Platz fühlt sich langsam wieder so an wie vor der Verletzung. Ich musste viel Geduld haben, hatte das Vertrauen. Ich sehe jetzt, dass ich von Spiel zu Spiel mehr Vertrauen kriege und physisch wieder auf dem Level bin. Es gibt noch Schritte, aber ich bin echt happy." Was sich in Mainz auch zeigte, als er mit dem gereichten Handy Selfies machte. Als POTM. Leon Goretzka grinste in die Kamera. Michael Olise, so unberechenbar auf dem Platz wie abseits, zeigte einen Finger – nicht den Zeigefinger.
Auch Max Eberl zeigte sich erleichtert bis begeistert über Bayerns Bambi mit Bizeps: "Es war ein langer Weg von Jamal. Das Schöne ist: Er wirkt körperlich sogar noch robuster. Er ist auf dem Weg, wieder der Alte zu werden. Das hilft uns beim FC Bayern, aber es hilft auch dem deutschen Fußball." Im Sommer, bei der WM in Nordamerika. Julian Nagelsmann drückt alle Daumen.