Interview

Mediziner zur Kimmich-Verletzung: "Das Problem ist die mentale Erschöpfung"

Sportmediziner Dr. Helmut Pabst erklärt in der AZ, wie lange Joshua Kimmich den Bayern wohl fehlen wird.
| Matthias Kerber
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Von zwei Bayern-Ärzten gestützt, humpelt Kimmich Richtung Kabine.
Von zwei Bayern-Ärzten gestützt, humpelt Kimmich Richtung Kabine. © dpa

München - AZ-Interview mit Dr. Helmut Pabst: Der Münchner Sportmediziner ist Ehrenpräsident des Bayerischen Sportärzteverbandes.

Dr. Helmut Pabst.
Dr. Helmut Pabst. © sampics/Augenklick

AZ: Herr Doktor Pabst, Bayerns Mittelfeldmotor Joshua Kimmich wurde in Innsbruck an seinem Einriss am Meniskus operiert, wie muss man sich diesen Eingriff vorstellen?
DR. HELMUT PABST: Nun, die Innsbrucker sind da sehr gut. Meist wird blutleer operiert, das heißt, man setzt eine Kompresse an, damit der Blutfluss beim Eingriff möglichst unterbunden wird. Der Eingriff ist dann Routine, Kimmich wird auch sicher schon sehr bald wieder halbwegs normal laufen können, bis er voll in das Wettkampftraining integriert sein kann, wird es aber zwei Monate dauern.

Warum dauert dies so lang?
Wenn man blutleer operiert, ist auch die Blutzufuhr zum Muskel unterbrochen und das ist für die Regeneration nicht optimal. Der Muskel ist für das Knie noch wichtiger als der Meniskus, denn der Muskel verschafft dem Knie erst die Stabilität, die man für Leistungssport zwingend braucht. Bevor diese nicht wieder völlig hergestellt ist, würde ich Kimmich nicht spielen lassen.

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Welche Funktion übernimmt der Meniskus genau?
Er gleicht die Inkongruenz im Gelenk aus. Die Wölbungen von Ober- und Unterschenkel passen nicht exakt zusammen. Der Meniskus gleicht dies aus, hat eine wichtige Funktion.

Denken Sie, dass die sich häufenden Verletzungen auf die erhöhten Belastungen durch den engen Spielplan zurückzuführen sind?
Jein. Fußballer sind nach einem Spiel erschöpft, aber es ist nie diese totale körperliche Erschöpfung, wie sie bei Marathonläufern stattfindet. Das Problem ist weniger die rein körperliche Erschöpfung, sondern die mentale. Der Kopf ist entscheidend. Wenn die Konzentration weg ist, ist die Körperspannung auch oft weg. Es gibt diesen Stellreflex, der Körper hat gewisse Abläufe abgespeichert, wenn dann ein unerwartetes Ereignis kommt, man etwa im Boden hängenbleibt, wird dieser Stellreflex unterbrochen, es herrschen punktuell - zum Beispiel auf den Meniskus - große Kräfte. Der Körper weiß nicht, was er tun soll, und dann kommt es zur Verletzung. Bei voller Konzentration kann das oft aufgefangen werden. Deswegen bin ich dafür, dass die Athleten viel mehr mit Sportpsychologen arbeiten, damit die Konzentration auf das nächste Spiel, oder Training immer hochgehalten wird. Auch das ist Gesundheitsvorsorge.

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