Marokkaner feiern Finaleinzug: "Unser größter Tag"

Nach dem Sieg von Casablanca gegen Atlético Mineiro geht es im Finale gegen den FC Bayern – und ein ganzes Land träumt vom Titel.
| Filippo Cataldo
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Spieler von Raja Casablanca nach ihrem Sieg gegen Atletico Mineiro. Jetzt treffen sie im Finale der Klub-WM auf den FC Bayern.
dpa Spieler von Raja Casablanca nach ihrem Sieg gegen Atletico Mineiro. Jetzt treffen sie im Finale der Klub-WM auf den FC Bayern.

Nach dem Sieg von Raja Casablanca gegen Atlético Mineiro geht es im Finale gegen den FC Bayern München – und ein ganzes Land träumt vom Titel.

Marrakesch - Am Straßenrand standen die Frauen und Kinder. Alle waren sie aus ihren Häusern geströmt, Richtung Zufahrtsstraßen des Stadions von Marrakesch. Als würde der König Mohammed VI. vorbeikommen. Sie warteten auf ihre Helden, auf den Mannschaftsbus von Raja Casablanca, die neuen Könige.

Der sensationelle Einzug der Marokkaner ins Endspiel der Klub-WM durch das 3:1 gegen Atlético Mineiro um Superstar Ronaldinho hat das Land elektrisiert. Die nächste Stufe der Euphorie-Zündung dürfte das Finale am Samstag gegen den FC Bayern werden.

Für die Triple-Sieger eine Chance auf den fünften Titel 2013 kurz vor dem Weihnachtsurlaub, für die Marokkaner ein WM-Endspiel, das ihnen nicht mehr und weniger bedeutet als: die Welt!

"Dieser Traum ist noch lange nicht zu Ende. Wir werden gegen die Bayern bis zum Schlusspfiff alles geben. Es ist, als wüchsen einem auf einmal Flügel, auch wenn man nicht der Favorit ist", sagte Mouhssine Iajour, einer der Torschützen des No-Name-Teams, das fast ausschließlich aus Marokkanern (ohne Länderspielerfahrung!) besteht, lediglich ein paar Schwarzafrikaner als Legionäre im Kader hat.

Trainer Faouzi Benzarti hat sein Amt erst am 6. Dezember angetreten und den marokkanischen Meister durch Siege gegen Auckland, Monterrey und Mineiro ins Finale geführt – eine Sensation.

Das Freudenchaos brach in Stadion und Stadt mit dem 3:1 und gleichzeitigem Schlusspfiff los. Alles, wirklich alles war am Mittwochabend auf den Beinen, auf den Mopeds, auf den Autodächern – und auf den Eseln. Eine Fanmeile buntester Art. Laut, lauter, Marrakesch! Zehntausende waren auf den Straßen, sangen, tanzten, hupten bis in den frühen Morgen durch die Stadt. Raja heißt Hoffnung.

Noch nie gewann eine afrikanische Mannschaft den Weltpokal, bei Bayern hatte man sich auf die Brasilianer als Finalgegner eingestellt. Gut, dass Trainer Pep Guardiola Augenzeuge des mutigen Konterfußballs von Raja war.

"Das ist eine Überraschung für uns alle", sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, "wir dürfen nicht überheblich ins Spiel gehen. Sie werden gegen uns sehr motiviert sein, angepeitscht von ihren Fans."

Es wird laut, ein Finale dahoam für Raja. Doch wie viele Raja-Fans können den historischen Moment erleben? Karten kosten bis zu 100 Euro (Pro-Kopf-Jahres-Einkommen: 1470 Euro), bei der Fifa war alles auf ein Finale Bayern gegen Mineiro ausgerichtet.

"Es werden viele Fans kommen, da bin mich mir sicher", sagt Hassan Moutaki, ein Zeitungsverkäufer, "für uns ist das der größte Tag, für viele im arabischen Fußball überhaupt."

Und ganz Marokko fiebert mit. Man stelle sich vor, es gäbe in Berlin oder Hamburg Straßenfeste und Autokorsi, wenn der FC Bayern die Champions League gewinnt. "Mit einer solchen Unterstützung gelingen unglaubliche Dinge", schilderte Mittelfeldspieler Chemseddine Chtibi die Euphorie.

Die ist begründet: Die einheimische Nationalmannschaft lebt derzeit nur von ihrer Vergangenheit. Die "Löwen vom Atlas" holten 1970 als erstes afrikanisches Team einen Punkt bei einer WM. Nun hoffen sie auf den größten Triumph. Am Samstag soll sich der König die Ehre geben. Leibhaftig.

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