Mario Gomez: "Ich hab's ihm gezeigt!"

Dank Mario Gomez gewinnt der FC Bayern doch einen Titel: den des Torschützenkönigs. Hier spricht er über seine Probleme mit Trainer Louis van Gaal, über Mode und Musik
| Interview: Patrick Strasser
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Dank Mario Gomez gewinnt der FC Bayern doch einen Titel: den des Torschützenkönigs. Hier spricht er über seine Probleme mit van Gaal, über Mode und Musik

AZ: 27 Saisontreffer, Torschützenkönig. Herr Gomez, welches Tor war Ihr persönliches Tor des Jahres?

MARIO GOMEZ: Das erste gegen Hannover.

Es war Mitte Oktober, der achte Spieltag. Zum zweiten Mal in der Startelf - und dann gleich drei Treffer beim 3:0.

Das war sehr emotional für mich, da ist eine große Last abgefallen. Ein großer Moment.

Weil Sie Ex-Trainer Louis van Gaal links liegen ließ.

Ja, die ersten sieben, acht Wochen waren die schwierigsten überhaupt für mich. Ich ging davon aus zu spielen und dann sagte mir der Trainer: ,Sie sind Stürmer Nummer vier.' Das war hart. Ich dachte, ich spiele keine Rolle mehr. Das hatte ich noch nie erlebt. Aber ich wollte mir nichts anmerken lassen und mich durchbeißen.

Mit Erfolg. Der FC Bayern hat keinen Titel gewonnen, Sie schon.

Das Schönste für mich in dieser Saison war, dass ich mich gegen einen Trainer, der einen nicht will, durchgesetzt habe. Er kam irgendwann nicht mehr an mir vorbei, ich habe ihm gezeigt, dass er einen Fehler gemacht hat. Irgendwann kam er zu mir und sagte, jetzt gäbe es keinen Grund mehr, an mir zu zweifeln. Da dachte ich mir: Yes, jetzt habe ich wieder einen großen Schritt in meiner Karriere gemacht. Ich hatte Widerstand ohne Ende, auf höchster Ebene - das ist der Trainer eben - und den konnte ich brechen.

Es gab aber Leute im Verein, die immer an Sie geglaubt haben.

Ich bin dem Präsidenten sehr dankbar. Uli Hoeneß hat damals sein Veto eingelegt, nachdem van Gaal meinte: Geh! Da hat sich der Präsident auf sein Bauchgefühl verlassen, dass ich noch ein sehr wichtiger Spieler werden kann.

Andere Tore, die Sie immer präsent haben?

Mein erstes Bundesliga-Tor für den VfB war wohl mein emotionalstes. Da war ich 20 Jahre alt, wurde eingewechselt und mache kurz vor Schluss das Siegtor zum 2:1 in Mainz, mit links (17. September 2005, d.Red.). Da habe ich fast geweint auf dem Platz. Oder auch in der Nationalelf: Erstes Länderspiel gegen die Schweiz, erstes Tor (beim 3:1 am 7. Februar 2007, d.Red) - das sind Träume, die da in Erfüllung gehen.

Also sind Sie keiner, der sagt: Tor ist Tor.

Doch!

Ob der Ball in den Winkel geht oder drei Mal abgefälscht wird, ist egal?

Dann ist es um so schöner, weil sich der Gegner noch mehr ärgert. Oder wie in Mailand, als der Ball in der 90. Minute vor meine Füße fiel - das ist noch ein Stück geiler.

Wir müssen über Ihre Frisur reden. Sie wurden sogar „Haario Gomez” genannt.

Hab' ich auch gelesen, ja.

Was war der beste Vergleich nachdem Sie mit neuem Schnitt aufkreuzten?

Irgendwo hieß es: James Dean - ich weiß es nicht. Bei uns bekommt jeder, der vom Friseur kommt einen Spruch und dann wird geschmunzelt, das war bei mir so, bei Tymoshchuk, Badstuber, Schweinsteiger und anderen auch. Ich habe auch nie nachgebessert, trage die Haare eben so, wie sie mir gefallen.

Wer ist der Mode-Experte Star beim FC Bayern?

Hans-Jörg Butt.

Wirklich?

Ja, der Butti (grinst).

Wie wichtig ist Ihnen Musik vor den Spielen?

Ich liebe Musik, um abzuschalten. Gute Musik macht gute Laune. Wir sind viel unterwegs - im Flieger, im Bus. Und da kannst du nicht viele andere Sachen machen. Ich wäre sehr gerne musikalisch, bin ich aber nullkommanull. Ich spiele leider kein Instrument, kann nichts fabrizieren - nur hören.

Nutzen Sie Musik als Stimulanz?

Früher hatte ich mal ein paar Lieder, die ich immer vor den Spielen gehört habe. Aber das war nicht AC/DC, nur damit ich mal voll aus mir rausgehen kann. Beim VfB hatte ich mal eine Zeit, da habe ich bevor wir aus dem Bus am Stadion ausgestiegen sind, Kanye West mit „Good Morning” gehört. Aber die Phase ist vorbei.

Sie sind Extremsport-Fan.

Ja, das fasziniert mich, aber um das selbst zu machen, da habe ich keinen Arsch in der Hose, keinen Mumm. Ob Bungee Jumping, Fallschirmspringen, Drachenfliegen, diese ganzen Dinge. Ich weiß nicht, wieso. Ich habe unglaublichen Respekt davor, würde mich das nicht trauen. Oder zum Beispiel die Freestyler, die machen unglaubliche Dinge. Wir Fußballer werden in der Öffentlichkeit mehr gewürdigt für unsere Fähigkeiten, aber im Grunde bei uns geht's um Gewinnen oder Verlieren, da ist keine echte Gefahr dabei.

Steht ein Verbot in den Verträgen?

Das weiß ich nicht. Aber wenn sich beim Fallschirmsprung der Schirm nicht öffnet, ist das auch egal.

Gibt es eine Disziplin, an die Sie sich gerne heranwagen würden?

Ich würde gerne Ski fahren. Habe es nie wirklich gelernt, habe lange Beine, das ist gefährlich. Wenn ich 35 bin, kann ich es nach Ende der Karriere machen. Meine Freundin ist da sehr aktiv, für alles zu haben. Sie ist sehr mutig, leider kann ich da nicht dabei sein, weil einfach das Risiko zu groß ist. Ich glaube, sie wäre sogar beim Bungee dabei.

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