Mario Gomez: Der Unersetzliche

Mario Gomez trifft und trifft – auch in Marseille erzielt er das wichtige Führungstor. Die Bayern wollen nun sobald wie möglich den Vertrag ihres besten Torjägers verlängern
| Patrick Strasser
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Bestnoten auch beim Jubelsprung: Bayern-Torjäger Mario Gomez feiert das 1:0 mit Ribéry.
dpa Bestnoten auch beim Jubelsprung: Bayern-Torjäger Mario Gomez feiert das 1:0 mit Ribéry.

Mario Gomez trifft und trifft – auch in Marseille erzielt er das wichtige Führungstor. Die Bayern wollen nun sobald wie möglich den Vertrag ihres besten Torjägers verlängern.

MARSEILLE Eine Hoffnung hatten sie, die französischen Reporter. Es gab da eine Zahl in Sachen Mario Gomez, ja sie hatten wirklich eine Statistik gefunden, die gegen ihn sprach. Der Mann hat in dieser Champions-League-Saison auswärts noch nicht getroffen – das Quali-Spiel in Zürich (1:0) und sein Tor dort hatte man jedoch weggelassen. Ganze 224 schwächelnde Gomez-Minuten hatte man also ausgegraben.

Am Mittwochabend im Stade Vélodrome von Marseille kamen 43 hinzu, dann traf Gomez auf Pass von Robben – und das auch noch vom Strafraumrand. Allerdings half Olympique-Keeper Andrade mit einem kuriosen Paradeversuch tatkräftig mit. Egal. 1:0 für Bayern, 1:0 für Gomez, sein 12. Treffer in der laufenden Königsklassen-Saison, inklusive Quali. Nur Lionel Messi vom FC Barcelona ist besser. Heißt: Gomez ist der Beste der irdischen Kicker.

Momentan scheint ihm alles aufzugehen. Eine Halbzeit, in der er kaum Bälle bekommt, nur ein paar Kilometer ohne Ball läuft, fleißig hier und da mitkombiniert – was soll's? Ist eine Chance da, trifft er. Und das in der Stadt der deutschen Mittelstürmer am Golfe du Lyon, auch Löwengolf genannt. Klaus Allofs und Rudi Völler waren bei Olympique Marseille einst Strafraumhelden. Der heutige Werder-Manager erzielte von 1987 bis '89 in 54 Spielen 20 Tore, der aktuelle Sportdirektor bei Bayer Leverkusen in seinen zwei Spielzeiten ab 1992 in 73 Matches 28 Treffer. Keine exorbitante Quoten.

Da steht Bayerns Gomez besser da. Ihm widmete „L'Équipe“ voller Respekt eine halbe Seite, nennt ihn „Super Mario“, schreibt, dass er „les scotche", also alle verblüfft, und listet all seine Tore auf. Das Ergebnis, kurz zusammengefasst: Ein Mann, ein Match, ein Tor: 23 in der Bundesliga, zwei im Pokal, nun zwölf im Europacup. Nur beinahe alles glückte gestern. In der 59. Minute scheiterte er mit einem Flachschuss und raufte sich die Haare.

Dennoch: Gomez hat seine enorme Ablöse, die der FC Bayern im Sommer 2009 in Höhe von über 30 Millionen Euro an den VfB Stuttgart überwies, in der letzten (Bundesligatorschützenkönig) und der aktuellen Saison rechtfertigen können. Sein Premierenjahr im Bayern-Trikot war ein Jahr der Emanzipation, der Auseinandersetzung mit Trainer Louis van Gaal, gegen dessen Skepsis er sich letztlich mit Leistung durchsetzte. Die Bosse ließen Konkurrent Miroslav Klose ziehen und der aktuelle Coach Jupp Heynckes, selbst einst Strafraumfacharbeiter, schwört auf Gomez.

Nun soll der Vertrag bis 2016 verlängert werden. „Ich habe ein gutes Gefühl, es sieht gut aus“, sagte Gomez. Als er von einem Reporter gefragt wurde, auf wie viel Prozent er die Chancen auf die Erneuerung seines Kontraktes beziffern würde, sagte er: „76,5 Prozent.“ Ein Scherz. 100 konnte er nicht sagen, der Verein will den Ausbau des Bündnisses Gomez/Bayern demnächst offiziell bekannt geben. Gomez selbst fühlt sich fit wie nie, wovon sich die Gegner in den Zweikämpfen und die weiblichen Fans nach dem Trikottausch überzeugen können. Van Gaal sagte einst, Gomez habe einen Körper „wie ein Gott“. 88 Kilo verteilt auf 1,89 m. Nur gute Gene? „In den Kraftraum gehe ich jedenfalls eher selten, das macht mir nicht wahnsinnig viel Spaß“, erzählte er einmal. „Ich bin kein großer Fan vom monotonen Hantelstemmen.“

 

 

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