Magath demütigt Klinsi: Wolfsburg schießt die Bayern vom Platz

Debakel für den FC Bayern, der Titelverteidiger wurde vom neuen Liga-Primus VfL Wolfsburg vorgeführt. 1:5 nach Pausenstand 1:1. In 15 Minuten kassiert die Elf von Trainer Jürgen Klinsmann vier Treffer - und damit die höchste Pleite seit 2002.
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Wolfsburgs Edin Dzeko erzielt den Treffer zum 1:0 gegen Bayern.
dpa Wolfsburgs Edin Dzeko erzielt den Treffer zum 1:0 gegen Bayern.

WOLFSBURG - Debakel für den FC Bayern, der Titelverteidiger wurde vom neuen Liga-Primus VfL Wolfsburg vorgeführt. 1:5 nach Pausenstand 1:1. In 15 Minuten kassiert die Elf von Trainer Jürgen Klinsmann vier Treffer - und damit die höchste Pleite seit 2002.

Die Spieler hilflos, der Trainer ratlos, die Führung sprachlos: Bayern München hat sich bei der peinlichen 1:5 (1:1)-Demütigung durch Felix Magaths VfL Wolfsburg weder titelwürdig noch reif für das Champions League-Viertelfinale am Mittwoch beim FC Barcelona präsentiert. „Das tut weh. Natürlich sind wir bedient. Das ist schlichtweg enttäuschend, aber wir müssen es schlucken. Es ist klar, dass die Stimmung alles andere als gut ist“, gestand Trainer Jürgen Klinsmann nach der höchsten Bundesliga-Niederlage seit dem 26. Januar 2002 unumwunden ein.

Klinsmanns Vor-Vorgänger Magath strahlte hingegen übers ganze Gesicht. Die Demontage der Bayern dürfte dem starken Mann des VfL neben purer Freude über die Tabellenführung auch eine späte Genugtuung für die Entlassung an der Isar vor gut zwei Jahren trotz zweier Meisterschaften und Pokalsiege verschafft haben. Gekrönt wurde die „Wölfe“-Gala durch einen Treffer der Extra-Klasse.

Vom 5:1 durch Grafite, der vor seinem 20. Saisontor vier Bayern-Verteidiger inklusive Torhüter Michael Rensing austanzte und dann mit der Hacke in die linke Ecke traf, wird die Fußball-Welt noch lange sprechen. „Das schönste Tor, das ich jemals geschossen habe“, schwärmte der Brasilianer.

Manager Uli Hoeneß und den anderen Bayern-Oberen hatte es nach der Klatsche die Sprache verschlagen. Wort- und grußlos verließen sie die Stätte der Schmach. Dabei hatte eigentlich alles programmgemäß für den deutschen Rekordmeister begonnen. Auch ohne den gesperrten Martin Demichelis und den aus privaten Gründen frei gestellten Daniel van Buyten kontrollierten die „Klinsmänner“ die Partie und zeigten nach dem Rückstand durch ein Kopfballtor von Christian Gentner (44.) die von ihnen gewohnte Reaktion und glichen durch Luca Tonis Comeback-Tor nach mehrwöchiger Verletzungspause postwendend aus.

Da war die Bayern-Welt noch in Ordnung. Was danach geschah, war selbst für Klinsmann nur schwer zu erklären. Und er musste es doch versuchen. „Wir haben viel zu viele Fehler in der Rückwärtsbewegung gemacht, auch individuelle Fehler – das ist fatal und schlecht“, kritisierte der Bayern-Coach angesichts des Desasters nach Wiederanpfiff. Die umformierte Innenverteidigung mit Ersatzmann Breno und dem nach einer Verletzung im Spielverlauf indisponierten Lucio, der deshalb auch vorzeitig das Feld verlassen musste, wurde von der Wolfsburger Abteilung Attacke brutal vorgeführt.

Erst stellte Edin Dzeko (63./65.) mit seinen Saisontoren 14 und 15 die Weichen auf Sieg. Dann übernahm Grafite (74./77.) mit den Treffern 19 und 20 die alleinige Führung in der Torschützenliste. Das Spektakel animierte 30 000 prächtig gestimmte VfL-Anhänger in der prall gefüllten Volkswagen Arena endgültig zu Meisterschaftsgesängen und ließ den demoralisierten Rivalen verstummen. Bis auf Klinsmann, denn der musste die Pleite erklären. „Wir werden über die Fehler reden – mit jedem Einzelnen“, kündigte er an und versprach: „Wir stehen wieder auf und werden ein gutes Spiel in Barcelona machen.“

Mehr und mehr in Erklärungsnot gerät auch Magath. Dem 55-Jährigen nimmt nach dem achten Sieg in Folge keiner mehr ab, weiter nur an die Sicherung des UEFA-Cup-Platzes zu denken. „Wir haben eine super zweite Halbzeit hingelegt, wie wir sie auch nicht oft in der Saison spielen. Über die Meisterschaft brauchen wir aber im Moment noch nicht zu reden“, befand Magath immer noch zurückhaltend. Auf die Frage nach seinem Titel-Favoriten antwortete er: „Bayern München.“

Und doch war da so ein Timbre in der Stimme und ein Leuchten in den Augen, die den Erfolgshunger des VfL erahnen lassen. Zwar gab ihr Leitwolf einmal mehr vor, nur das jeweils nächste Spiel im Blick zu haben. Das aber kann für die Konkurrenz höchst gefährlich werden. Denn die Torfabrik der Liga mit Grafite und Dzeko (zusammen 35 Treffer) dürstet nach weiteren Erfolgserlebnissen.

Der Spieltag im Überblick

Samstag:
VfL Wolfsburg - FC Bayern München 5:1 (1:1)
Hertha BSC - Borussia Dortmund 1:3 (0:1)
Hamburger SV - 1899 Hoffenheim 1:0 (1:0)
VfL Bochum - VfB Stuttgart 1:2 (0:0)
Eintracht Frankfurt - Energie Cottbus 2:1 (1:1)
Freitagsspiel:
Arminia Bielefeld - FC Schalke 04 0:2 (0:1)

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