Bayerns 70-Millionen-Star Díaz trifft kaum noch – Gnabry drängt
Über solch einen Prozentsatz wären einige Parteien hierzulande froh und dankbar. Im Fall von Luis Díaz waren die etwas mehr als 21 Prozent der abgegebenen Fan-Stimmen ein Stück weit verwunderlich. Ging es doch um das Tor, gewählt zum Tor des Jahres.
Das "Straßentor" gegen Union Berlin
Sein spektakulärer Treffer am 8. November bei Union Berlin (Endstand 2:2). Bayerns Flügelstürmer kratzte einen Ball, der verloren schien, noch von der Torauslinie, drehte sich im Liegen, stand blitzschnell wieder auf und traf aus einem unmöglichen, weil im Grunde zu spitzem Winkel unter die Latte. Fertig war das "Straßentor", wie der Kolumbianer es nun nannte, weil es ihn an seine Kindheit erinnere.
Ob es auch das schönste seiner Karriere sei, wurde der 29-Jährige nun in einem Interview mit "Sky" gefragt. "Das ist schwierig, weil ich sehr, sehr schöne Tore geschossen habe. Aber es ist eines der besten Tore, die ich in meiner Karriere gemacht habe." Das nächste Tor ist aber immer das schwerste – und daran hat der Linksaußen momentan zu knabbern.
Von der Gala-Saison zur Ladehemmung
Seine aktuell eher unterdurchschnittliche Bilanz: Sechs Pflichtspiele für den FCB, in diesen 465 Minuten gelang ihm lediglich ein Treffer, eine Vorlage konnte er nicht beisteuern. Auf der Minusseite: Acht vergebene Großchancen bei 15 Abschlüssen. Der Kontrast zur letzten, seiner ersten Saison bei Bayern nach dem Wechsel im Sommer 2025 vom FC Liverpool nach München ist enorm: Da erreichte Díaz 49 Torbeteiligungen (26 Treffer, 23 Vorlagen) in 51 Pflichtspielen. Der drittteuerste Transfer der Vereinsgeschichte mit rund 70 Millionen Euro Ablöse war ein Volltreffer.

Glaube an das nächste Tor
Aktuell leidet er unter Ladehemmung. Scheint er cool wegzustecken. "Ich bin auf der Suche nach meiner besten Version und werde sie bald finden. Ich glaube, im nächsten Spiel kommt dieses Tor", sagt er. Wäre ja passend. Am Freitag (20.30 Uhr, Sky) im Heimspiel gegen Union Berlin. Motivation und Mentalität stimmen bei Díaz. "Ich habe immer Lust, mehr zu wollen, mehr zu holen", betont er.
Kompanys Rückendeckung und der Bayern-Rhythmus
Dass es bald wieder mit einem Treffer klappt, daran hat auch Chefcoach Vincent Kompany keinen Zweifel: "Er hat im Training wahnsinnig viele Tore gemacht. Es war eine gute Woche für ihn. Wenn er das durchsetzt im Spiel, dann ist alles wieder in Ordnung für ihn." Dass es wie beim 2:1 in Elversberg im Bayern-Spiel noch knirscht, findet Díaz angesichts der WM im Sommer nicht ungewöhnlich. "Wir sind noch nicht wirklich die Bayern-Mannschaft, die wir in der vergangenen Saison waren", so Díaz, "wir sind noch nicht auf diesem Level, aber das halte ich für normal."
Gnabrys Comeback als Konkurrenzdruck
Gegen Union dürfte Serge Gnabry sein Comeback feiern. In Elversberg stand der 31-Jährige erstmals seit dem Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel (15. April) wieder im Kader. "Wir haben bei Serge lange gewartet, bis er das Signal gibt, dass er sich gut fühlt. Ich schätze, dass er gegen Union Minuten bekommen wird", so Kompany, der betonte: "Serge hat letzte Saison sehr gut auf der Zehnerposition gespielt, aber auch auf dem Flügel." Mit anderen Worten: Somit kehrt ein Konkurrent für Díaz zurück. Was bekanntlich das Geschäft belebt – und auch Díaz' Torinstinkt? Gnabry sitzt ihm nun im Nacken.
