Lothar Matthäus widerspricht FC-Bayern-Star: "Harry Kane hatte da nicht ganz den Überblick"

Vor der Saison war die Kadergröße einer der großen Kritikpunkte beim FC Bayern, selbst Harry Kane äußerte öffentlich seine Bedenken. Laut Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat der Torjäger die Qualität der Nachwuchsspieler unterschätzt: "Er kannte die Talente vom Campus nicht."
von  Bernhard Lackner
Harry Kane äußerte im Sommer öffentlich Bedenken wegen der Kadergröße des FC Bayern.
Harry Kane äußerte im Sommer öffentlich Bedenken wegen der Kadergröße des FC Bayern. © Sven Hoppe/dpa

28 Spiele, 25 Siege, nur eine einzige Niederlage und unglaubliche 101 erzielte Tore: Der FC Bayern spielt eine Saison für die Geschichtsbücher. In der zweiten Spielzeit unter Trainer Vincent Kompany zeigt sich die Mannschaft des Rekordmeisters extrem dominant und zählt längst zum engsten Favoritenkreis der Champions League.

Dabei waren die Diskussionen um den Kader im vergangenen Sommer noch groß. Nachdem neben dem Transfer von Florian Wirtz auch noch der von Nick Woltemade geplatzt war, wurde gar ein Transfer-Stopp verhängt und nur noch Leihspieler Nicolas Jackson verpflichtet. Mit einem derart dünnen Kader würden die Bayern auf allerhöchstem internationalen Niveau nicht mithalten können, meinten viele Fans und Experten. Und die standen damit nicht alleine da.

Auch Harry Kane äußerte Bedenken wegen der Kadergröße

Selbst Torjäger Harry Kane – ein absoluter Vollprofi, der sich nach all den Jahren im Fußball-Business alle öffentlichen Äußerungen zweimal überlegt – sah sich dazu veranlasst, seine Bedenken öffentlich kundzutun. "Es ist einer der kleinsten Kader, in dem ich je gespielt habe", sagte der Engländer Mitte August nach dem Gewinn des Supercups: "Wir sind ein bisschen dünn aufgestellt, wenn wir ehrlich sind. Aber aus unserer Sicht, können wir, die Spieler, das nicht beeinflussen." Dafür, so Kane weiter, sei die sportliche Führung um Max Eberl und Christoph Freund verantwortlich.

Die wiederum machte aus der Not eine Tugend und hielt genügend Platz im Kader für die Nachwuchskräfte vom Campus bereit. Das Ergebnis ist bekannt: Insgesamt fünf Spieler aus dem eigenen Unterbau feierten in dieser Saison ihr Profidebüt. In Abwesenheit des langzeitverletzten Jamal Musiala erhielt insbesondere Supertalent Lennart Karl regelmäßige Spielzeit, in Wisdom Mike, Cassiano Kiala oder Félipe Chavez stehen die nächsten Juwelen schon bereit. Die Mischung aus gestandenen Profis und aufstrebenden Nachwuchsspielern ist bei den Bayern so gut wie seit Jahren nicht.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. © David Inderlied/dpa

Matthäus: Kane "hat da nicht ganz den Überblick gehabt"

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ordnet die Aussagen von Kane aus dem vergangenen Sommer daher als Irrtum ein. "Der Kader wird in der Breite noch besser", sagte der ehemalige Bayern-Kapitän mit Blick auf das Comeback von Musiala am Rande des Legend Cups zuletzt. Matthäus weiter: "Harry Kane hat da nicht ganz den Überblick gehabt, aber er kannte ja auch nicht die Spieler vom Campus. Er hat ja gesagt, der Kader ist zu klein. Meiner Meinung nach war der Kader von Anfang an passend."

Im Sommer wurde der Bayern-Kader noch stark kritisiert, jetzt teilt Uli Hoeneß aus
Im Sommer wurde der Bayern-Kader noch stark kritisiert, jetzt teilt Uli Hoeneß aus © Peter Kneffel/dpa

Hoeneß verteidigt Transferpolitik: "Wir wurden belächelt"

Auch Uli Hoeneß hat es offenbar immer besser gewusst. Dem ging das Gerede um den vermeintlich zu kleinen Kader wohl ziemlich gegen den Strich. In jedem Fall verspürt der Ehrenpräsident der Bayern angesichts des guten Saisonverlaufs Genugtuung. "Im Sommer wurden wir noch als schlechte Transferspezialisten bezeichnet, angeblich hätten wir nichts gemacht und kein Geld ausgegeben", sagte Hoeneß: "Wir wurden belächelt, weil der Kader angeblich zu klein war. Wenn all die Spieler, die uns angeboten wurden, gekommen wären, gäbe es heute keinen Platz für diese jungen Spieler." Dass selbst Harry Kane im Sommer zu den Bedenkenträgern gehörte, ließ der Bayern-Patron unerwähnt...

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