Lewandowski nur der neueste Fall: Beim Pokern fehlt den Bayern das richtige Händchen

Robert Lewandowski soll von der Zöger-Taktik der Verantwortlichen des FC Bayern genervt sein und sich nun gegen eine Vertragsverlängerung entschieden haben. Zuletzt häuften sich die Fälle, in denen die Bosse bei Verhandlungen unglücklich agierten.
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Sportvorstand Hasan Salihamidzic (l.) und Vorstandsboss Oliver Kahn.
Sportvorstand Hasan Salihamidzic (l.) und Vorstandsboss Oliver Kahn. © sampics/Augenklick

München - Beim FC Bayern kehrt einfach keine Ruhe ein. Am Donnerstagabend vermeldeten mehrere Medien übereinstimmend, dass sich Superstar Robert Lewandowski gegen eine Verlängerung seines 2023 auslaufenden Vertrags entschieden und dies den Verantwortlichen bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt habe.

Der Grund: Das zögerliche Verhalten der Verantwortlichen beim Poker um seinen neuen Kontrakt. Erst Ende April gab es das erste Treffen der Bosse mit Berater Pini Zahavi, doch auch dort sei ihm laut einem Bericht der "Bild" noch immer kein konkretes Angebot unterbreitet worden. Der Pole sei deshalb genervt und will nun unbedingt zum FC Barcelona wechseln.

Die Personalie Lewandowski ist nicht die erste, in der die Bosse Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn kein gutes Bild abgeben. Zuletzt sorgte das Vorgehen der Bayern-Verantwortlichen immer wieder für Ärger bei Verhandlungspartnern – teils mit gravierenden Konsequenzen. Ein Rückblick auf die vergangenen Monate:

Niklas Süle

Niklas Süle bei seinem Abschied in der Allianz Arena.
Niklas Süle bei seinem Abschied in der Allianz Arena. © GES/Augenklick

Dass sich ein deutscher Nationalspieler des FC Bayern gegen eine Verlängerung entscheidet und sich auch noch ausgerechnet dem Erzrivalen Borussia Dortmund anschließt, ist für das Selbstverständnis des Rekordmeisters schon ein ordentlicher Schlag ins Kontor. Im Falle Niklas Süle ist genau das passiert.

Hasan Salihamidzic begründete die gescheiterten Verhandlungen mit dem Innenverteidiger damit, dass für eine Verlängerung das nötige Kleingeld gefehlt habe. Aus Dortmund ist zu hören, dass das Finanzielle nicht der ausschlaggebende Punkt gewesen sei. Stattdessen hätten die Bosse den Spieler im Gespräch auf zwischenmenschlicher Ebene überzeugt.

Was genau Süle zu einem Wechsel in den Pott bewogen hat, weiß nur er selbst. Klar ist aber auch: Irgendwann war die Spielerseite vom Gebaren der Bayern-Verantwortlichen ziemlich genervt. Laut Berater Volker Struth habe Salihamidzic erst "sechs oder sieben Monate vor Vertragsende über einen neuen Vertrag gesprochen". Da habe sich Süle aber bereits gegen eine Verlängerung entschieden. Auch aufgrund mangelnder Wertschätzung, da er mit dem Umgang der Verantwortlichen nach seinem Kreuzbandriss 2019 nicht zufrieden war.

Nico Schlotterbeck

War wohl im Visier des FC Bayern: Nico Schlotterbeck.
War wohl im Visier des FC Bayern: Nico Schlotterbeck. © IMAGO / Lackovic

Nico Schlotterbeck ist der zweite Nationalverteidiger, der in diesem Sommer zu Borussia Dortmund wechselt. Ihn hatten die Bayern aufgrund seiner herausragenden Leistungen in dieser Saison ebenfalls auf dem Zettel. Dass es mit einem Wechsel nach München am Ende nichts wurde, lag laut "Sport Bild" daran, dass die Verantwortlichen zu spät aktiv geworden sind.

Demnach versuchte Trainer Julian Nagelsmann noch kurz vor Abschluss des Transfers zum BVB erfolglos, den Innenverteidiger in einem Telefonat von einem Wechsel zu den Bayern zu überzeugen. Dem Bericht zufolge haben ihm die Verantwortlichen nicht das Gefühl gegeben, dass man ihn unbedingt haben möchte.

Antonio Rüdiger

Antonio Rüdiger wird wohl zu Real Madrid gehen.
Antonio Rüdiger wird wohl zu Real Madrid gehen. © IMAGO / News Images

An Antonio Rüdiger waren die Bayern zwischenzeitlich ebenfalls dran, er wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht nach München wechseln. Im Winter wurde der Innenverteidiger, der den FC Chelsea nach Vertragsende im Sommer verlassen wird, bei den Bayern als Nachfolger von Süle gehandelt. Nach einem Gespräch mit der Rüdiger-Seite soll das Interesse aber aufgrund der Gehaltsforderungen wieder abgekühlt sein.

Wie die "Bild" berichtet, kam es nach dem peinlichen Champions-League-Aus gegen den FC Villarreal zu einem Umdenken bei den Bayern-Bossen. Demnach habe Salihamidzic den Berater des Nationalspielers kontaktiert und ihm einen Fünfjahresvertrag angeboten. Da man sich zu diesem Zeitpunkt schon in fortgeschrittenen Gesprächen mit Real Madrid befand, habe der jedoch abgelehnt.

Manuel Neuer

Der Vertrag von Manuel Neuer ist noch immer nicht verlängert worden.
Der Vertrag von Manuel Neuer ist noch immer nicht verlängert worden. © IMAGO / Sven Simon

Während die Bayern mit Thomas Müller bereits verlängert haben, ist die Zukunft von Kapitän Manuel Neuer noch immer nicht geklärt. Der Vertrag des Torhüters läuft im Sommer 2023 aus, eine Verlängerung gilt als sehr wahrscheinlich. Trotz Absichtserklärungen beider Seiten gab es bislang aber noch immer keine Vollzugsmeldung.

Dass sich die Bayern auch bei derart wichtigen Personalien lange Zeit lassen, um Fakten zu schaffen, ist kein neues Phänomen. Neben Lewandowski und Neuer gibt es mit Serge Gnabry noch einen weiteren Stammspieler, dessen Vertrag 2023 ausläuft. Bei ihm ziehen sich die Verhandlungen ebenfalls schon länger hin – ein Verkauf im Sommer ist nicht ausgeschlossen.

Bei einer vorausschauenden Kaderplanung sollten derartige Fälle in dieser Häufung nicht auftreten. Dass weitere Spieler beim Warten auf einen neuen Vertrag die Geduld verlieren, kann jedenfalls nicht im Interesse der Bayern sein.

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