Leonie Maier: Köchin, Kämpferin – Europameisterin?

Bayerns Leonie Maier startet am Montag mit dem DFB-Team in die EM. In der AZ spricht die Außenverteidigerin über ihr Hobby, ihre Rolle im Team und Vorbild Lahm. "Für mich ein Phänomen."
| Simon Stuhlfelner
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"Ein kleiner Traum von mir ist, irgendwann mal ein kleines Café zu eröffnen", sagt Bayerns Nationalspielerin Leonie Mayer.
Rauchensteiner/Augenklick "Ein kleiner Traum von mir ist, irgendwann mal ein kleines Café zu eröffnen", sagt Bayerns Nationalspielerin Leonie Mayer.

München - Die AZ hat mit Leonie Maier gesprochen. Die 24-jährige gebürtige Stuttgarterin wurde mit dem FC Bayern 2015 und 2016 deutscher Meister. Mit dem Nationalteam war sie Europameisterin 2013 und Olympiasiegerin 2016.

AZ: Frau Maier, die Europameisterschaft der Frauen in den Niederlanden steht bevor. Sie als leidenschaftliche Hobby-Köchin: Haben Sie schon niederländisch gekocht?
Leonie Maier: Mit meinen Teamkolleginnen vom FC Bayern veranstalte ich öfter Kochabende mit verschiedenen Ländermottos. Jede Spielerin muss dann einen Zettel mit einem Ländernamen ziehen und den Kolleginnen ein Menü aus der entsprechenden Nation zubereiten. Aber niederländisch kam noch nicht dran. Vielleicht ja dann nächste Saison, wenn wir alle zusammen wieder in München sind.

Was bedeutet Kochen für Sie?
Es ist meine Leidenschaft und ich kann dabei super abschalten. Außerdem weiß ich gerne, was in meinem Essen drin ist und bestimme gerne selbst, was ich esse. Immer wenn ich ein bisschen Zeit habe, versuche ich mir was zu kochen.

Haben Sie ein Lieblingsgericht?
Ich mag sehr gerne Fisch, besonders Lachs mit Gemüse. Was ich neulich mal gemacht habe, waren selbst gemachte Bandnudeln, also Tagliatelle, mit eingelegtem Fisch und Scampi drin, dazu Pistazien-Pesto. Das war eines meiner Lieblingsgerichte.

Kulinarisch sind Sie also schon ganz fit, kommen wir zum Sportlichen: Das deutsche Team war sechs Mal in Folge Europameister. Ist Deutschland auch jetzt der große EM-Favorit?
Ich denke schon, dass wir als Titelverteidiger mit zu den Favoriten gehören. Aber die anderen Teams haben aufgeholt. Frankreich und England sind stark, auch unser Gruppengegner Schweden spielt immer eine gute Rolle. Sie standen ja auch gegen uns im Olympia-Finale. Und Holland als Gastgeber ist durch den Heimvorteil sicherlich extra-motiviert. Auch sie zählen für mich zu den Favoritinnen.

Wie schätzen Sie die weiteren Gruppengegner Italien und Russland ein?
Bei der EM 2013 haben wir im Viertelfinale gegen Italien gespielt und gerade mal 1:0 gewonnen. Es ist immer schwer, gegen diese tiefstehenden Gegner. Von daher werden uns diese Teams alles abverlangen.

Deutschland erlebt gerade einen traumhaften Fußball-Sommer. Motivieren Sie die Erfolge der U21 bei der Europameisterschaft und des Nationalteams beim Confed Cup zusätzlich?
Unabhängig davon ist eine EM allein Motivation genug. Aber natürlich haben wir mit den Männern mitgefiebert und uns mitgefreut. Es wäre schön, wenn wir diese Erfolgsserie im deutschen Fußball mit dem EM-Titel fortsetzen könnten.

Für Bundestrainerin Steffi Jones ist es das erste große Turnier als Chefin. Wie unterscheidet sie sich von Vorgängerin Silvia Neid?
Wir spielen ein etwas anderes System und versuchen, im Offensivspiel sehr variabel und flexibel zu spielen und mit vielen Positionswechseln Torchancen zu kreieren.

Nach dem Olympiasieg 2016 gab es einen kleinen Umbruch, Sie gehören mit 54 Länder spielen nun schon zu den erfahreneren Spielerinnen im Team. Wollen Sie mehr Verantwortung übernehmen?
Klar ist, dass jetzt die Spielerinnen, die schon ein paar Turniere gespielt haben, mehr Verantwortung übernehmen müssen. Da gehöre ich mittlerweile dazu. Ich versuche von Tag zu Tag, mehr in die Rolle hineinzuwachsen, Verantwortung zu übernehmen, und für die jüngeren Spielerinnen da zu sein.

Ihre Teamkollegin Anja Mittag hat Sie als Terrierin bezeichnet. Sie sind mit drei älteren Brüdern aufgewachsen, haben bis zur B-Jugend in Männerteams gespielt. Lernt man da, sich besser durchzusetzen?

Bei den Jungs ist eben alles athletischer, es geht härter zur Sache, man muss schnellere Entscheidungen treffen, den Körper besser einsetzen. Das hat mich sehr weit gebracht. Ich würde auch jedem Mädchen raten, erstmal bei den Buben anzufangen und dann Schritt für Schritt in den Mädchenbereich zu wechseln.

Sie spielen schon seit 2013 beim FC Bayern. Wie ist der Kontakt zu den männlichen Kollegen?
Eher gering, weil wir auch ein eigenes Trainingsgelände haben. Manchmal sehen wir uns beim Mittagessen an der Säbener Straße, da gibt’s mal Gelegenheit für einen Smalltalk.

Trotzdem brauchen wir mal die Einschätzung einer Expertin. Sie sind Rechtsverteidigerin wie Ihr Vorbild Philipp Lahm, der im Sommer seine Karriere beendet hat. Wie groß ist die Lücke, die er beim FC Bayern hinterlässt?
Philipp Lahm ist für mich ein Phänomen, wie konstant er über die Jahre seine Leistung gebracht hat. Ich kann mich eigentlich gar nicht an ein schlechtes Spiel von ihm erinnern. Und auch neben dem Platz, wie er sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat und immer sympathisch und bodenständig geblieben ist. Von daher ist es natürlich eine Riesenlücke, die er hinterlässt.

Wer könnte denn Lahm ersetzen?
Ich finde, dass Joshua Kimmich immer einen sehr guten Eindruck macht. Er hat in seinem jungen Alter schon viel erreicht. Ich traue ihm zu, in diese Position hineinzuwachsen.

Im Gegensatz zu Ihren männlichen Kollegen haben Sie nach Ihrer Karriere finanziell wohl nicht ausgesorgt. Haben Sie schon Pläne, was Sie machen werden?
Ich studiere Fitness- und Health-Management im sechsten Semester. Ich mache ein Fernstudium, so dass ich Karriere und Uni eigentlich ganz gut verbinden kann. Danach möchte ich erstmal in ein paar Sachen hineinschnuppern. Ein kleiner Traum von mir ist, irgendwann mal ein kleines Café zu eröffnen.

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