Leise Südkurve: Stille Nacht

Beim 3:1-Sieg des FC Bayern zum Auftakt der Bundesliga singen nur die Fans von Borussia Mönchengladbach. Warum das so (schade) ist.
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Neuer Zugang zur Südkurve in der Allianz Arena beim FC Bayern: Dort wird der Einlass nun mit extra installierten Drehkreuzen reglementiert.
Maximilian Wessing Neuer Zugang zur Südkurve in der Allianz Arena beim FC Bayern: Dort wird der Einlass nun mit extra installierten Drehkreuzen reglementiert.

Beim 3:1-Sieg des FC Bayern zum Auftakt der Bundesliga singen nur die Fans von Borussia Mönchengladbach. Warum das so (schade) ist.

München - Man stelle sich vor, der Triple-Sieger eröffnet die neue Bundesliga-Saison vor 71 000 Zuschauern mit einem 3:1-Sieg im eigenen Stadion, Pep Guardiola schaut auch vorbei – und die Stimmung ist wie bei einem Auswärtsspiel. So geschehen in Fröttmaning.

Während die 6500 aus Gladbach angereisten Fans trotz Rückstands sangen, war die Stimmung in der Südkurve wie auf dem Friedhof.

Warum? Normalerweise dürfte ja jeder, und vor allem jeder, der eine Dauerkarte für das Herz der Südkurve – genauer: die Blöcke 112 und 113 – hat, singen und Stimmung machen.

Im Endeffekt kamen die Ansagen zum bayerischen Liedgut in den letzten Jahren aber immer nur von einer Schar stimmungsbereiter, zum großen Teil jugendlicher Fans, die sich selbst gerne Anhänger der italienischen "Ultra"-Bewegung nennen.

Das Problem: Viele dieser Fans haben keine Dauerkarte für die Südkurve und kommen, bis sie 60 Jahre alt sind, wahrscheinlich auch nicht mehr dran. Nur durch in den Block schmuggeln oder seitlich über den Zaun steigen waren die Schreihälse in den letzten Jahren in die Südkurve gelangt.

Das geht ab sofort nicht mehr: Der FC Bayern hat in der Sommerpause hinter der Südkurve eine zweite Armada an Drehkreuzen aufgebaut. Wie Ampelzeichen leutete es hinter der Kurve rot und grün. Rein kommt nur, wer für den jeweiligen Block eine gültige Karte hat.

Die Reaktion: Man ist beleidigt. Und frustriert. Auch die anderen, die so gerne mitsingen würden. Die Bayern fahren nun eine Null-Toleranz-Politik, hört man aus Fankreisen.

Alles ganz normal, sagt der Verein. "Ich kenne die Entscheidungen nicht, die dazu führen, dass man nicht kommt oder dass man ruhig ist. Da muss man die Fans fragen", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

"Es gibt einen permanenten Fandialog und fertig. Wenn dann 200 bis 300 meinen, sie müssten ruhig bleiben, dann kann man das nicht ändern. Wir können niemanden zwingen uns anzufeuern."

Auswärtsdauerkarten für die Cup-Wettbewerbe wurden den Treuesten der Treuen vor der Saison gestrichen. Weil einige (wenige) Unverbesserliche zu oft Pyrotechnik gezündet hatten. Andere, ältere Fans, schimpfen deswegen gerne auf die Ultras.

Man versteht und verständigt sich nicht, das ist das Problem. Innerhalb der Kurve. Zwischen Fans und Verein. Beziehungsstatus: es ist kompliziert. So hörte man nach dem 3:1 für Bayern keine Bayern. Nur ganz laut den Gladbacher Block. "Hoeneß in den Knast" schallte es durchs Rund. Und: "Für ein Heimspiel seid ihr ganz schön laut." Autsch.

 

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