Lautsprecher Thomas Müller: FC Bayern redete Dortmund platt

Aufschlussreiches Protokoll: Die Aufzeichnungen des "ZEITmagazin" zeigen, dass Thomas Müller beim so wichtigen Bayern-Sieg in Dortmund der kommunikativste Profi auf dem Feld war. 
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Thomas Müller winkt eine neue Bestmarke in der Champions League.
imago images/Poolfoto Thomas Müller winkt eine neue Bestmarke in der Champions League.

München - In Zeiten der Corona-Pandemie erleben wir die Partien der Fußball-Bundesliga von einer ganz anderen Seite, in Abwesenheit der Zuschauer sozusagen als Hör-Spiel der anderen Art.

Beim deutschen Clasico, dem Rückrunden-Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern am 26. Mai, führt dieses Audio-Erlebnis zu einer besonderen Erkenntnis: Thomas Müller erwies sich im wohl wichtigsten Spiel des Jahres - nach dem verdienten 1:0-Sieg war den Münchnern die achte Meisterschaft in Folge bei sieben Zählern Vorsprung auf den BVB kaum noch zu nehmen - als der Lautsprecher schlechthin auf dem Rasen.

Grafik zeigt: FC Bayern deutlich kommunikativer als der BVB

Die Redakteure des "ZEITmagazin" (der Artikel befindet sich online hinter der Bezahlschranke) haben an jenem Dienstagabend genau hingehört – und protokolliert, was sich die Spieler der beiden Teams während der Begegnung so zugerufen haben.

Auffällig: Der FC Bayern war nicht nur spielerisch überlegen, sondern auch in Sachen Kommunikation. Das zeigt die Grafik, die Sascha Venohr, "Head of Data Journalism & editor investigative team", am Freitag twitterte.

Bessere Kommunikation ein Münchner Erfolgsfaktor?

Demnach machen sich die Münchner Profis auf dem Platz akustisch deutlich mehr bemerkbar als die Dortmunder Kollegen - das könnte durchaus auch ein Erfolgfaktor gewesen sein.

Denn laut der obigen Grafik kommen die vier kommunikativsten Bayern-Spieler (Thomas Müller/189, David Alaba/141, Joshua Kimmich/94, Manuel Neuer/78) auf fast doppelt so viele Zurufe und Kommandos (502 gegenüber 256) wie die vier redseligsten BVB-Akteure (Mahmoud Dahoud/173, Mats Hummels/43, Trainer Lucien Favre/22, Thomas Delaney/18).

FC Bayern siegt in Dortmund: So klingt das 1:0

Der deutsche Rekordmeister war zunächst abwartend in die Partie gegangen, übernahm aber nach zehn Minuten die Kontrolle und erarbeitete sich einige gute Chancen. Joshua Kimmich brachte die Bayern kurz vor der Pause mit einem tollen Lupfer in Führung.

Das siegbringende 1:0 der Bayern in der 43. Minute klang laut "ZEITmagazin" so...

Neuer: Spielen, spielen!
Dahoud: Einer vor!
Müller: Lewy, Zentrum!
Dahoud: Hey! Hey! Vor! Vor!

Die Bayern passen sich den Ball vor dem Dortmunder Strafraum zu, den Borussen gelingt es nicht, an den Ball zu kommen und die gefährliche Situation zu entschärfen.

Dahoud: Jul’, bleib dran!

Nach Kombinationen zwischen Kimmich, Lewandowski, Pavard, Gnabry, Davies, Goretzka, Müller, Coman hebt Kimmich den Ball gefühlvoll über Bürki hinweg ins linke Toreck.

Müller (während Kimmichs Heber): Bravo!
Chor der Bayern-Spieler: Jaaaa!
Stimmengewirr. Kimmich läuft zur Eckfahne und rutscht auf den Knien den Rasen entlang. Seine Mitspieler laufen ihm hinterher. Von der Bank ist Getrommel zu vernehmen.
Alaba: Da siehst du’s, Mann! Gut so! (gibt Kimmich einen Klaps auf den Hinterkopf:) Ey, Jo! Jo! Schießen, das ist gut so!

Was bleibt ist eine einzigartige Statistik: Denn dort, wo sonst 80.000 Anhänger grölen, saßen an jenem 26. Mai nur ein paar Vereinsfunktionäre. Als Erkenntnis bleibt dabei aber auch: Der Profifußball klingt in Zeiten der Corona-Pandemie wie Amateurfußball. 

Lesen Sie hier: Der Sané-Kosmos: Bayerns neuer Superstar privat

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