Bayern-Trainer Kompany: "Wahrscheinlich das wichtigste Spiel meiner Trainerkarriere"

Vor dem Halbfinal-Kracher gegen PSG setzt Bayern-Trainer Vincent Kompany auf totale innere Ruhe statt taktischer Verrenkungen. Er vertraut kompromisslos auf Offensive, Pressing und die eigene Spiel-DNA – im wohl wichtigsten Spiel seiner bisherigen Trainerkarriere.
von  Patrick Strasser
"Ich habe wahrscheinlich 35 Spiele von PSG geschaut in den letzten Tagen", sagt Bayern-Trainer Vincent Kompany vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen die Franzosen.
"Ich habe wahrscheinlich 35 Spiele von PSG geschaut in den letzten Tagen", sagt Bayern-Trainer Vincent Kompany vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen die Franzosen. © Sven Hoppe

Ein weißes Shirt des Sponsors mit goldenem T-Aufdruck. So erschien Vincent Kompany am Dienstagnachmittag an der Säbener Straße zur Pressekonferenz vor den Medienvertretern der Welt. Und wer den Bayern-Trainer kennt, der weiß, dass er selbst bereits über den ersten Satz gestolpert wäre. Eine reine Äußerlichkeit – mehr nicht.

Vincent Kompany geht es um Inhalte. Um Worte und Taten. Um seine Arbeit. Ums Gewinnen. Er verspüre "totale innerliche Ruhe" erklärte der 40-Jährige am Tag vor dem Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain (21 Uhr, DAZN).

Ob Wiesbaden oder PSG – Kompany zieht sein Ding durch

Man spürt: Der Typ zieht sein Ding durch – ob es in der ersten DFB-Pokalrunde gegen Drittligist SV Wehen Wiesbaden oder nun gegen den Titelverteidiger der Königsklasse geht, gegen das Nonplusultra des europäischen Fußballs: PSG. Worum es auf diesem Top-Top-Niveau geht?

"Um Vorbereitung, Routine und darum, die richtigen Worte zu suchen", sagte Kompany und erklärte: "Du bist immer bis zum letzten Moment auf der Suche, was der letzte Satz für die Mannschaft sein kann, um das letzte Prozent rauszukitzeln."

Das letzte Prozent in einem Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe, die durch all die Scouts und Video-Analysten (Kompany: "Ich habe wahrscheinlich 35 Spiele von PSG geschaut in den letzten Tagen") gläsern geworden sind. Jeder weiß alles über den anderen. Wie kann der Bayern-Trainer sein Gegenüber Luis Enrique überraschen? Und umgekehrt? Schließlich ist es Spiel fünf der beiden gegeneinander, seit Kompany im Sommer 2024 Bayern übernahm. Die Bilanz aus Kompanys Sicht: 1:0, 0:2, 2:1, 4:5 – zwei Siege, zwei Niederlagen, 7:8 Tore.

"Die Grund-DNA einer Mannschaft wirst und willst du nicht ändern"

Was die Trainer daraus gelernt haben? Ändere nicht deinen Spielstil! Mach' nichts Verrücktes! "Wir wollen nicht verlieren, was uns stark macht", betonte der Belgier. Also: Offensive! Risiko! Mut! Wird das Rückspiel ähnlich "pervers geil" wie es Max Eberl ausdrückte? Bayerns Sportvorstand weiß, wie sein Trainer tickt: "Die Grund-DNA einer Mannschaft wirst du nicht ändern und willst du ja auch nicht ändern – deswegen bist du ja so erfolgreich."
Details ja, Anpassungen ja, aber nicht die Grundidee über den Haufen werfen.

Neues Trainer-Shirt, gewohnter Fokus, verlässliche Spiel-DNA: Bayern-Trainer Vincent Kompany während des Abschlusstrainings an der Säbener Straße.
Neues Trainer-Shirt, gewohnter Fokus, verlässliche Spiel-DNA: Bayern-Trainer Vincent Kompany während des Abschlusstrainings an der Säbener Straße. © Sven Hoppe

Zuletzt hatte Kompany betont: "Man glaubt, woran man glaubt." Heißt: An seine Offensiv-Stars um den 101-Tore-Sturm mit Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz. An das hohe, laufintensive Pressing. An das Verteidigen im Eins-gegen-eins über den ganzen Platz. An die ständigen Positionswechsel und Rochaden. Es geht um die innere Überzeugung der Spieler. "Die Jungs müssen darin bestärkt werden, was sie die ganze Saison über gut gemacht haben", erklärte Kompany.

"Wahrscheinlich ist es das wichtigste Spiel meiner Trainerkarriere"

Ein erneutes Spektakel wie in Paris erwartet Vereinspatron Uli Hoeneß diesmal nicht. "Nein, das wird es nicht geben", sagte er bei DAZN, "es wird vielleicht ein 3:1 oder ein Unentschieden, wenn wir ausscheiden sollten. Aber wenn wir gewinnen, glaube ich nicht, dass da vier, fünf Tore fallen." Wichtig sei, dass die Mannschaft beim Versuch, den Rückstand aus dem ersten Vergleich wettzumachen, "nicht hektisch" werde, so Kompany-Fan Hoeneß.

Ernsthaft? Dieses Team hektisch? Der Coach werde auch vor diesem Showdown "leicht einschlafen können", betonte er. Sein Credo: "Die Energie wird genauso wichtig sein wie der Spielplan." Und dann ließ er kurz vor Ende doch noch mit einer – nicht ganz überraschenden – Einstufung aufhorchen: "Wahrscheinlich ist es das wichtigste Spiel meiner Trainerkarriere. Aber das ändert nichts an der Herangehensweise." Natürlich nicht. Nur die Ruhe!

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