Kleines Finale

Vor dem wegweisenden Spiel gegen Schalke fordert Coach Jupp Heynckes mehr Kommunikation von den Bayern-Stars. Ex-Coach Udo Lattek spottet.
| Patrick Strasser
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Unter Druck: Bayern-Coach Jupp Heynckes.
dapd Unter Druck: Bayern-Coach Jupp Heynckes.

München - Jupp Heynckes hatte sich eine Taktik zurechtgelegt für die Sitzung. Und den Klubanzug gewählt. Wohl gewählte Worte, seriöser Aufzug. Für das Wort zum Freitag. Der Bayern-Trainer sprach zu den Reportern an der Säbener Straße, die Spieler waren ja nicht da – frei. In solchen Momenten sollen die Profis „den Kopf frei kriegen“. Außerdem sei es gut, „dass wir uns einen Tag mal nicht sehen“.

0:0 in Freiburg, 0:1 in Basel. Viel Krise, wenig Verständnis. Also herrsche „Redebedarf. Ich möchte ein paar Gedanken zur jetzigen Situation loswerden“, hob er an zur Grundsatzrede zwei Tage vor dem Tendenz-Spiel in der Liga zwischen dem FC Bayern und dem FC Schalke (15.30 Uhr/Sky und Liga total!), der Partie Dritter gegen Vierter. Ein Endspiel mit Blick auf den Titelkampf, ein kleines Finale. Für alle Beteiligten.

Der ehemalige Mittelstürmer Heynckes wählte die Verteidigungshaltung. Er wollte erklären, überzeugen. Poltern, so richtig laut werden ist nicht die Sache des 66-Jährigen – schwer vorstellbar, dass einer wie er Spieler auch mal anbrüllt, dass die Frisuren dabei leiden. Wie bei Alex Ferguson bei Manchester United, genannt der Föhn.

Eine Kopfwäsche? Heynckes setzt auf seine Überzeugungskraft. Erst die Medien, am Samstag beim Abschlusstraining die Mannschaft. „Vielleicht waren wir nach der gelungenen Vorbereitung in der Winterpause zu sorglos“, begann er seine Erklärungen, indirekt eine Antwort auf die mitternächtliche Rede von Vorstandsboss Karl-Heinz Rede auf dem Bankett in Basel mit der zentralen, unbeantworteten Frage: „Was ist eigentlich passiert zwischen Weihnachten und heute?“ Heynckes Antwort: „Wir spielen nicht mehr so homogen, so selbstverständlich.“ Die richtige Balance, das Zauberwort für den Zauberfußball im Spätsommer bis Oktober, sie ist verloren gegangen. Heynckes arbeitetet an der Harmonie zwischen Abwehr und Angriff – bis zu viel des Guten da war. Und nun? Was tun?

„Die Mannschaft muss sich geschlossen präsentieren – anders geht es nicht.“ Punkt eins. Zweitens: „Das Teamwork muss über allem stehen. Jeder muss persönliche Interessen hinten anstellen.“ Und drittens: Mund aufmachen! Heynckes: „Ich fordere Kommunikation untereinander. Die Mannschaft muss auf dem Spielfeld viel mehr miteinander reden.“ Basel soll der Wecker gewesen sein, „dass wir jetzt nur noch in eine Richtung gehen können". Sonst könnte auch er, der größte gemeinsame Nenner der Bosse, scheitern. Für Uli Hoeneß, seinen Freund, ein Magengeschwür-Gedanke. „Uli hat ihn ja schon mal entlassen“, sagte Ex-Trainer Udo Lattek zu „Sport1“ und erklärte: „Nächstenliebe und Freundschaft gibt es im Fußball nicht.“ Der Rentner scherzte: „Woher soll man jetzt einen guten Mann holen? Ich stehe nicht mehr zur Verfügung – und Otto Rehhagel ist schon vergeben.“

Heynckes erkennt die „prekäre Situation". Und sein Job? „Ich bin ein optimistischer Mensch, ich sehe das Spielerpotenzial, und die Gesamtsituation. Wir versuchen, die Wende herbeizuführen.“ Ob er gut schlafe derzeit? „Ich schlafe immer gut.“ Nun muss die Sonntags-Taktik stimmen, inklusive Ansprache vor der Mannschaft.

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