Klaus Allofs: "Hätte mir von Rummenigge mehr Gelassenheit gewünscht"

Wolfsburgs Klaus Allofs spricht in der AZ über das DFB-Pokalfinale, Kevin De Bruynes Zukunft und den Zwist mit dem FC Bayern.
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Klaus Allofs hätte sich mehr Gelassenheit gewünscht.
Klaus Allofs hätte sich mehr Gelassenheit gewünscht.

AZ: Herr Allofs, der VfL Wolfsburg trifft Samstag Abend im Pokalfinale auf Borussia Dortmund. Der FC Bayern steht nicht im Endspiel, etwas ungewohnt, oder?

KLAUS ALLOFS: Ja, ungewohnt schon. Nicht falsch verstehen, aber für dieses Gefühl der Dominanz des FC Bayern ist es ganz gut, dass mal eine andere Begegnung stattfindet. Jetzt sind die Chancen fast bei 50:50.

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Was glauben Sie, wie die Sympathien in Fußballdeutschland verteilt sein werden?

Dortmund hat ein ähnlich großes Fanpotenzial wie der FC Bayern. Wir haben eine tolle Unterstützung aus Wolfsburg. Und unsere Mannschaft hat sich, so wie sie in dieser Saison gespielt hat, viele Freunde gemacht. Deshalb glaube ich, dass ein Großteil der neutralen Zuschauer im Stadion auf unserer Seite sein wird. Aus Gelsenkirchen werden wir mit Sicherheit telepathische Unterstützung bekommen. (lacht)

Was würde ein Titelgewinn bedeuten?

Wolfsburg hat den Pokal noch nie gewonnen. Ein weiterer Titel nach der Meisterschaft 2009 wäre wichtig für die Wahrnehmung des VfL. Aber schon alleine durch die Endspielteilnahme werden Mannschaft, Fans, Klub und Stadt noch weiter zusammenwachsen.

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Hat Wolfsburg den BVB überholt und ist jetzt Bayern-Jäger Nummer eins?

In dieser Saison haben wir die Dortmunder als Nummer zwei abgelöst, das beweist die Tabelle. Es ist unser Ziel, uns dort oben zu etablieren. Die Bayern spielen nicht in einer anderen Liga, aber sie haben sich einen großen Vorsprung erarbeitet. Wir würden gerne in diese Lücke dahinter stoßen. Das haben wir jetzt ein Mal umgesetzt. Wir sehen uns aber noch nicht als Nummer zwei in Deutschland.

Sie wollen den FC Bayern aber schon auch mal schlagen, oder etwa nicht?

Uns hat das gefallen, sie in der Rückrunde gleich zu schlagen. Das würden wir gerne wiederholen. Bayern hat aber ein mindestens doppelt so großes Budget wie der VfL Wolfsburg und der Rest der Bundesliga. Realistischerweise haben die Bayern deshalb wieder die besten Karten.

Hat Sie Karl-Heinz Rummenigges Reaktion auf Ihre Aussagen in Sachen fehlender Professionalität nach dem Gewinn der Meisterschaft überrascht?

Ich hätte mir da ein bisschen mehr Gelassenheit gewünscht. Ich habe nicht über Wettbewerbsverzerrung gesprochen, nur davon, dass die Bayern das besser können. Und ich glaube, das ist auch die Einstellung bei den Verantwortlichen, sowohl bei Karl-Heinz Rummenigge als auch bei Matthias Sammer, dass sie mit den letzten Wochen nicht absolut zufrieden waren.

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Was sagen Sie zu Rummenigges Vorwürfen, dass jeder wisse, wie sich Wolfsburg die Spieler Gustavo, De Bruyne und Schürrle habe leisten können?

Bayern hat in den letzten Jahrzehnten sehr gute Arbeit geleistet. Aber sie haben auch die finanziellen Mittel zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen, Spieler zu überzeugen. Bei uns ist das ähnlich: Wir stellen einen sehr großen Wert für Volkswagen dar und das spiegelt sich eben auch in der Unterstützung wieder. Wir müssen deshalb kein schlechtes Gewissen haben.

Fürchten Sie, dass die Bayern bald bei Kevin De Bruyne ernst machen werden?

Ernst machen heißt nicht, dass man dann auch zum Erfolg kommt. Kevin De Bruyne hat einen Vertrag bis 2019. Wir haben das Heft des Handelns in der Hand.

Treffen Sie sich deshalb demnächst mit De Bruynes Berater?

Ein Vertrag bis 2019 ist im Fußball eine sehr, sehr lange Zeit. Unabhängig davon haben wir gesagt, dass wir uns den Vertrag von Kevin De Bruyne nochmal anschauen, weil seine sportliche Entwicklung außergewöhnlich ist. Dem kann man durchaus Rechnung tragen. Es ist richtig, dass wir uns in nächster Zeit zusammensetzten und darüber reden. Da kann theoretisch sogar eine Verlängerung dabei herauskommen.

Ist De Bruyne unverkäuflich?

Wir müssen ihm nicht das Prädikat unverkäuflich geben. Unsere Ziele sind nur mit einer guten Mannschaft zu erreichen. Und wir sind in der Situation, dass wir keine Spieler verkaufen müssen. Das alles zeigt schon, dass es recht schwierig ist, uns im Falle De Bruyne davon zu überzeugen, dass wir ihn verkaufen sollten.

Planen Sie beim VfL im Sommer weitere Neuzugänge der Kategorie De Bruyne?

Wir werden in der nächsten Transferperiode ganz sicher nicht mehr in der Größenordnung Kevin De Bruyne, Andre Schürrle oder Luiz Gustavo tätig werden. Wir haben auch Richtlinien in Sachen Financial Fairplay zu beachten. Wir können nicht alles machen und beliebig Geld ausgeben.

Auf den Finaltrikots des VfL ist ein Herz mit der Nummer 19. Eine Geste für den bei einem Autounfall verstorbenen VfL-Star Junior Malanda...

Wir sind sehr schnell zur Professionalität zurückgekehrt, hatten aber auch immer wieder sehr viele traurige Momente. Es ist ein sehr guter Augenblick, es im letzten Spiel der Saison auch nochmal zu demonstrieren, dass Junior nicht nur in unseren Herzen, sondern eigentlich mit uns auf dem Spielfeld ist. Diese Ehre wollte ihm die Mannschaft unbedingt erweisen.

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