"Die Flanke ist unfassbar gut": Kimmich ist der doppelte Raumdeuter des FC Bayern
Manuel Neuer ist nach auskuriertem Muskelfaserriss wieder fit, bestätigte Trainer Vincent Kompany am Donnerstagvormittag. Der Kapitän steht, so der Plan, am Freitagabend gegen Borussia Mönchengladbach im Tor.
Joshua Kimmich gibt die Kapitänsbinde gerne ab – eines Tages wird er Neuer als Kapitän bei Bayern ohnehin beerben. Kimmichs Vertrag wurde im März letzten Jahres bis 2029 verlängert. Auch in der Nationalelf ist die Frage nach der Rolle des DFB-Kapitäns seit dieser Woche endgültig geklärt. Kimmich (31), beim FC Bayern unter Trainer Vincent Kompany als Sechser im zentralen Mittelfeld gesetzt, soll im DFB-Team unter Julian Nagelsmann die Rolle des Rechtsverteidiger ausfüllen.
Kimmich wird beim DFB-Team als Rechtsverteidiger spielen
Auf die Frage im "Kicker"-Interview, ob sein Kapitän künftig weiterhin als Rechtsverteidiger auflaufen werde, antwortete der Bundestrainer kurz und knapp: "Ja, dabei bleibt es." Auch aus Mangel an hochklassigen Alternativen auf dieser Position. Der Leipziger Ridle Baku ist Kimmichs Stellvertreter, alle anderen Kandidaten wie Nnamdi Collins (Eintracht Frankfurt) sind in den letzten Jahren durchgefallen.

Nagelsmann rückt von ursprünglichem Plan ab
Da Kimmich in der Nationalelf die Qualitätslücke hinten rechts schließen muss, wird in der Mitte ein Platz frei. "Stand jetzt wird Leon Goretzka trotz weniger Spielzeit bei Bayern gute Chancen haben, zu spielen und eine ähnliche Rolle zu haben wie in der WM-Quali", sagte Nagelsmann. Neben Aleksandar Pavlovic (21), dem auch bei Bayern die Zukunft auf der Sechser-Position gehört.
Dabei hatte der Bundestrainer noch im Sommer 2025 verkündet, Kimmich kehre deshalb nach eineinhalb erfolgreichen Jahren als Rechtsverteidiger im DFB-Team wieder ins zentrale Mittelfeld zurück, weil die Doppelsechs "das Herzstück einer jeden Mannschaft" sei und er dafür Spieler brauche, "die auf dieser Position im Rhythmus sind". Was auf den 31-jährigen Goretzka nicht zutrifft.
Goretzka ist beim FC Bayern die Nummer drei
In den letzten sieben Pflichtspielen der Bayern stand er nur ein einziges Mal von Beginn an auf dem Platz, sammelte lediglich 101 von 630 möglichen Einsatzminuten (ohne die Nachspielzeiten). Goretzka ist die klare Nummer drei hinter dem gesetzten Duo Kimmich/Pavlovic, sein Vertrag wird nach acht Jahren in München über Ende Juni hinaus nicht verlängert.
Und doch ist Goretzka nun in der Nationalelf ein Gewinner – und das dank Kimmich, der bei Bayern einen der beiden möglichen Sechser-Positionen besetzt.

Goretzka bei der DFB-Elf gesetzt
Aus Nagelsmanns Aussagen ist herauszulesen, dass Goretzka mit seinem Profil gesetzt ist, an seiner Seite: Entweder Pavlovic (Nagelsmann: "Pavlo ist superkonstant, spielt fast immer das gleiche Niveau") oder BVB-Mittelfeldspieler Felix Nmecha (25). "Einer von beiden hat auf jeden Fall gute Chancen, zu spielen", sagte Nagelsmann. Neben Goretzka. In den letzten vier Länderspielen im Herbst bildeten Pavlovic und Goretzka die Doppelsechs. Weil Kimmich umgezogen war – oder besser: umziehen musste.
Die ständigen Rochaden begleiten Kimmich durch die gesamte Karriere. Das Problem in Anführungszeichen: Er bekleidet beide Positionen zu gut, ist Weltklasse hier, Weltklasse da. Er hat das Auge als Taktgeber für das Spiel im Zentrum, kann aber ebenso gut die rechte Seite dichtmachen und die Angreifer mit Flanken füttern.
Kimmich kann das Spiel auf beiden Positionen lesen
"Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es einen Spieler gibt, der eine bessere Flanke hat als Jo Kimmich", schwärmte Nagelsmann vor etwas mehr als einem Jahr nach dem 2:1-Erfolg der Nationalelf in Mailand gegen Italien und erklärte: "Jo macht es selten aus dem vollen Lauf, aber die ist unfassbar gut, die Flanke." Darauf setzt Nagelsmann auch bei der WM.
Seine Flexibilität und die Gabe, das Spiel auf beiden Positionen derart lesen zu können, macht Kimmich zum doppelten Raumdeuter. Einst war dies bei Bayern der Spitzname von Thomas Müller (36), der mit seinem schlauen, vorausschauenden Spiel nun bei den Vancouver Whitecaps sein Unwesen treibt. Unberechenbar wie eh und je.
