"Keineswegs skandalträchtige Fehler": DFB-Schiedsrichter-Sprecher Feuerherdt reagiert auf den Hoeneß-Ausraster

Das Schiedsrichtergespann um Christian Dingert steht beim 1:1 des FC Bayern bei Leverkusen im Fokus. Ehrenpräsident Uli Hoeneß betitelt den Auftritt als "schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams". Das sieht Schiedsrichtersprecher Alexander Feuerherdt anders.
Kilian Kreitmair
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Verstand die Welt nicht mehr: Luis Díaz wurde von Schiedsrichter Christian Dingert gegen Bayer Leverkusen wegen einer vermeintlichen Schwalbe des Feldes verwiesen.
Verstand die Welt nicht mehr: Luis Díaz wurde von Schiedsrichter Christian Dingert gegen Bayer Leverkusen wegen einer vermeintlichen Schwalbe des Feldes verwiesen. © IMAGO

Man stelle sich Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß  vor dem Fernseher vor. Hochroter Kopf, Puls bei 180 und schimpfend wie ein Rohrspatz. Obacht, Uli: Das geht aufs Herz! Aber so, oder so ähnlich, könnte es sich an diesem Samstagnachmittag in seiner Residenz am Tegernsee abgespielt haben.

Hoeneß nach Remis stocksauer 

Denn der 74-Jährige kochte nach dem 1:1 seines FC Bayern bei Bayer Leverkusen. Nicht aber wegen der Leistung der Mannschaft von Trainer Vincent Kompany. Nein, nein. Der Auftritt der Unparteiischen um Christian Dingert brachte Hoeneß auf Betriebstemperatur. 

"Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe", wird der ehemalige Bayern-Manager in der "BILD" zitiert. Rumps! Was war passiert? In der über 650 Kilometer entfernten BayArena spielten sich laut Hoeneß gleich mehrere Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns ab. Allen voran der Platzverweis für Luis Díaz war strittig. 

Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe.

Uli Hoeneß

Ampelkarte für Díaz war eine Fehlentscheidung

In der 84. Minute spitzelte der Kolumbianer den Ball an Leverkusen-Keeper Janis Blaswich vorbei, kam dann nach einem leichten Kontakt zu Fall. Dafür gab es die Ampelkarte für Díaz, der zuvor den Ausgleich für die Münchner erzielte. Eine klare Fehlentscheidung. Allerdings griff der VAR nicht ein. Der Grund: Erst ab der kommenden Saison darf der Videoschiedsrichter bei einer Gelben Karte, und damit auch bei einer Ampelkarte, einschreiten.

Zwar räumten Dingert und auch DFB-Schiedsrichtersprecher Alexander Feuerherdt die Fehlentscheidung ein, doch Letzterer teilt die Meinung von Hoeneß keinesfalls. "Das können wir nicht bestätigen", kontert Feuerherdt in der AZ: "Vor allem die spielrelevanten Entscheidungen waren korrekt oder zumindest vertretbar – mit Ausnahme der Gelb-Roten Karte, wie Schiedsrichter Christian Dingert ja auch selbst eingeräumt hat."

DFB-Schiedsrichtersprecher Alex Feuerherdt ist nicht der selben Meinung wie Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß.
DFB-Schiedsrichtersprecher Alex Feuerherdt ist nicht der selben Meinung wie Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß. © IMAGO

Feuerherdt reagiert in der AZ auf die Hoeneß-Aussagen

Der Schiedsrichterexperte vermutet, dass sich Hoeneß davon treiben ließ, dass die meisten Entscheidungen gegen die Münchner ausfielen: "Vielleicht hat es die Meinung von Uli Hoeneß beeinflusst, dass die Mehrheit dieser spielrelevanten Entscheidungen gegen den FC Bayern getroffen wurde. Aber wir sprechen hier ja keineswegs von skandalträchtigen Fehlern.“ Punkt.

Übrigens nicht nur bei Hoeneß sorgte der Platzverweis von Díaz für erhitzte Gemüter. Selbst der sonst so besonnen Bayern-Trainer Vincent Kompany ließ seinen Frust freien Lauf: "Ich behalte immer den größten Respekt vor den Unparteiischen", so der Belgier in der Mixed-Zone: "Aber ich habe auch das Recht, meine Meinung zu sagen." 

Man kann die Aktion noch 300 Mal anschauen und man sieht, dass es einen Kontakt gab.

Vincent Kompany

Kompany: "Man kann die Aktion noch 300 Mal anschauen"

Und die wäre? "Man kann die Aktion noch 300 Mal anschauen und man sieht, dass es einen Kontakt gab", betonte Kompany: "Man kann eine Diskussion über einen Elfmeter führen. Dann sagen wir, dass es ein Elfmeter ist und Leverkusen sagt wohl, dass es keiner ist." Als Beweis, warum es für den Trainer der Bayern keine Schwalbe ist, nennt er die Reaktion von Díaz. 

Der Flügelflitzer stand direkt wieder auf, blieb nicht teatralisch liegen. "Das ist eine Fehlentscheidung, mit der wir nicht zufrieden sind", hob Kompany nochmal hervor. Es war der zweite Platzverweis an diesem Nachmittag für seine Mannschaft. In der ersten Halbzeit hatte bereits Nicolas Jackson Glattrot nach einem rüden Foul gegen Martin Terrier gesehen. 

War mit der Schiedsrichterleistung alles andere als zufrieden: Bayern-Trainer Vincent Kompany.
War mit der Schiedsrichterleistung alles andere als zufrieden: Bayern-Trainer Vincent Kompany. © IMAGO

Feuerherdt in der AZ: "Tatsachenentscheidungen sind grundsätzlich endgültig"

Für Aufregung sorgte das allerdings nicht. Immerhin war die Situation eindeutig. Was nicht für den Díaz-Platzverweis gilt. "Ich habe gerade mit Dingert gesprochen, alles in Ordnung, das war ein guter Dialog gewesen", sagte Sportvorstand Max Eberl, der sich zu diesem Zeitpunkt schon ein bisserl beruhigt hatte: "Für ihn war klar, dass es die Schwalbe war, aber er hat jetzt die Bilder gesehen und sagt: Es war keine Gelb-Rote Karte."

Trotzdem wird die Díaz-Sperre für das kommende Heimspiel gegen Union (Samstag, 15.30 Uhr) erhalten bleiben. Das bestätigte Feuerherdt der AZ: "Die Gelb-Rote Karte für Luis Díaz war eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters. Er hat den Sturz auf dem Spielfeld als Täuschungsversuch wahrgenommen und entsprechend geahndet."

Solche Tatsachenentscheidungen seien "grundsätzlich endgültig, deshalb bleibt es außer bei gravierenden Irrtümern wie etwa einer Spielerverwechslung in aller Regel bei der Sperre." Bitter für "Lucho" und den FC Bayern. . .

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